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Die "Weisheit der Bibel" ist ein theologischer Blog mit intellektuellem, spirituellem und mystischem Schwerpunkt. Hier werden auch strittige theologische Themen diskutiert, woran sich jeder Interessierte beteiligen kann, sofern er ernsthaft Argumente vorbringt. Wenn Sie Fragen oder Ideen haben, kontaktieren Sie mich gerne:

 

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NEU:


Das aktuelle Zitat

„Liebe Brüder und Schwestern, der historische Charakter der Auferstehung und Himmelfahrt Christi hilft uns, das transzendente und eschatologische Sein der Kirche zu erkennen und zu begreifen; sie ist nicht entstanden und sie lebt nicht, um ein Ersatz für die Abwesenheit ihres »entschwundenen« Herrn zu sein, sondern sie findet vielmehr den Grund ihres Seins und ihrer Sendung in der unsichtbaren Gegenwart Jesu, der mit der Macht seines Geistes wirkt. Mit anderen Worten könnten wir sagen, dass die Kirche nicht die Aufgabe erfüllt, die Wiederkehr eines »abwesenden« Jesus vorzubereiten; sie lebt und wirkt dagegen vielmehr, um seine »glorreiche Gegenwart« auf eine geschichtliche und existentielle Weise zu verkünden. Seit dem Tag der Himmelfahrt schreitet jede christliche Gemeinde auf ihrem irdischen Weg hin zur Erfüllung der messianischen Verheißungen, genährt vom Wort Gottes und gespeist vom Leib und Blut ihres Herrn. Das ist das Sein der Kirche – so erinnert das II. Vatikanische Konzil –, während sie ‚zwischen den Verfolgungen der Welt und den Tröstungen Gottes auf ihrem Pilgerweg [dahinschreitet] und […] das Kreuz und den Tod des Herrn [verkündet], bis er wiederkommt‘ (Lumen gentium 8).“

Benedikt XVI., Predigt bei der Eucharistiefeier während seines Pastoralbesuch in Cassino und Montecassino am 24. Mai 2009

 

„Luther begann vielleicht noch mit einer systemimmanenten, für das System partiell tragbaren Kritik. Aber daraus entwickelte er eine völlig andere Theologie. Er wollte eine völlig andere Kirche, eine andere Kirchenorganisation, eine andere Kirchenhoheit. Die anderen Reformatoren sind ihm auf diesem Weg gefolgt. Luther lehrte die Prädestination: Der Mensch ist vor seiner Geburt zum Heil oder zur Verdammnis bestimmt. Gute Werke sind nicht heilskräftig; der Mensch kann für sein Heil nichts tun. Er definierte die Sakramente nicht mehr als heilswirksam, sondern wesentlich als psychologisches Stärkungsmittel. Er bestritt den Zugriff des Papstes auf den Schatz der Kirche, auf das Jenseits und auf das Fegefeuer. Er amputierte das Papsttum, redimensionierte es im Grunde zu einer reinen Verwaltungsinstitution. Luther wollte eine völlig andere Kirche und entwickelte eine völlig andere Theologie. Diese Unterschiede sind heute, im Zeichen eines an sich erfreulichen ökumenischen Aufeinanderzugehens, teilweise verwischt worden. Aber wenn man lutherische Kerntexte liest – etwa die Auseinandersetzung mit Erasmus über den freien Willen –, dann sieht man, dass Luther dem Menschen überhaupt keinen freien Willen zuspricht. Selbst wenn der Mensch unverdientermaßen von Gott erwählt wird, bleibt er Sünder. Mit der katholischen Lehre ist das völlig unvereinbar.“

Der Historiker Volker Reinhardt im Interview mit Bejamin Leven, in: Die Tradition der Zurückhaltung, communio-online, 8. Mai 2026

  

„Paulus spricht im Epheserbrief [5,22f] und auch an anderen Stellen von der Unterordnung der Frau unter den Mann. Gleichzeitig spricht Paulus auch von der Unterordnung des Mannes unter die Frau. Er sagt: ‚Ordnet euch einander unter [in] gegenseitigem Gehorsam unter Christus.‘ [V.21]. Das bedeutet, der Mann ist berufen, Verantwortung zu übernehmen und einen Schutzraum anzubieten, in dem die Frau Sicherheit erfährt und ganz sie selbst sein kann. Sie kann das aber nur, wenn der Mann auch das tut, was in Epheser 5 steht, nämlich seine Frau liebt wie Christus die Kirche. Christus möchte nicht, dass die Kirche sich unterwirft oder dass sie sich erniedrigt, sondern ganz im Gegenteil, Christus wäscht seinen Jüngern die Füße. Das heißt, diese Verantwortungsübernahme des Mannes, von der Paulus spricht, hat mit Dienerschaft zu tun. Ja, mit der Bereitschaft, andere groß zu machen, damit sie sich entfalten können.“

Johannes Hartl, Interview „Jesus ist das Vorbild für geheilte Männlichkeit“, in: DT 23. April 2026

 

„Evangelisierung bedeutet: Geht hinaus auf die Straßen und ladet alle zum Hochzeitsfest ein! Johannes Paul II. hat gezeigt, dass das Evangelium genau in die größte Wunde unserer Zeit hineinspricht: Wir wissen nicht mehr, wer wir als Mann und Frau sind. Doch solange wir nicht verstehen, warum Gott uns als Mann und Frau geschaffen hat und die beiden dazu beruft, ein Fleisch zu werden, wissen wir nicht, was das Christentum ist: Von der Schöpfungsgeschichte bis zum Hochzeitsmahl des Lammes erzählt die Bibel eine Geschichte über die Ehe, über die Vereinigung von Bräutigam und Braut Was bei dem Austausch über das lebendige Wasser zwischen Jesus und der Samariterin in Johannes 4 passiert, das ist ein Heiratsantrag. Es ist der Bräutigam, der zu der eigensinnigen Braut kommt und sagt: Bring mir deine Sehnsucht nach Liebe. Ich bin der Bräutigam, den du suchst! Die Samariterin ist die eigensinnige Menschheit, das eigensinnige Israel, die untreue Kirche. Evangelisierung ist, wenn eine durstige Person einer anderen durstigen Person zeigt, wo sie lebendiges Wasser finden kann. (…) Paulus sagt in Epheser 5, dass die Ehe auf Christus und die Kirche verweist. Darum greift der Feind genau hier an – er will das Bild der Vereinigung Christi mit seiner Kirche zerstören. Der Katechismus sagt, dass das höchste Ziel der Kirche und des sakramentalen Lebens darin besteht, alle zur bräutlichen Vereinigung Christi mit seiner Kirche einzuladen. Paulus nennt das ein ‚großes Geheimnis‘.“

Christopher West, Interview „Hochzeitsmahl statt Fast Food“, in: DT, 26. Febr. 2026, S. 27.

 

„Als König des Friedens möchte Jesus die Welt zur Versöhnung in die Umarmung des Vaters führen und jede Mauer niederreißen, die uns von Gott und unseren Mitmenschen trennt, denn »er ist unser Friede« (Eph 2,14). (…) Als König des Friedens, der unsere Leiden auf sich nahm und für unsere Sünden durchbohrt wurde, tat er ‚seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt‘ (Jes 53,7). Er hat sich nicht bewaffnet, er hat sich nicht verteidigt, er hat keinen Krieg geführt. Er hat das sanfte Antlitz Gottes offenbart, der Gewalt stets ablehnt. Und statt sich selbst zu retten, hat er sich ans Kreuz nageln lassen, um all die Kreuze auf sich zu nehmen, die jemals irgendwo in der Geschichte der Menschheit aufgerichtet wurden. Brüder und Schwestern, das ist unser Gott: Jesus, der König des Friedens. Ein Gott, der den Krieg ablehnt, den niemand dazu benutzen kann, um Krieg zu rechtfertigen, der das Gebet derer, die Krieg führen, nicht erhört und es mit den Worten zurückweist: ‚Wenn ihr auch noch so viel betet, ich höre es nicht. Eure Hände sind voller Blut‘ (Jes 1,15).“

Papst Leo XIV., Predigt am Palmsonntag 2026

 

„Der greise Simeon erkennt in dem Kind den verheißenen Messias. Sein Lobgesang – das ‚Nunc dimittis‘ – beschreibt Jesus als ‚Licht zur Erleuchtung der Heiden‘. Simeon nennt Jesus ein ‚Zeichen, dem widersprochen wird‘ und kündigt Maria Leid und Prüfung an. Bereits hier wird deutlich, dass die Sendung Jesu nicht in der Idylle der Kindheitsgeschichte aufgeht, sondern auf Konflikt, Hingabe und Erlösung zuläuft. Gerade diese Verbindung macht das Fest Darstellung des Herrn zu einem theologischen Übergangspunkt. Es schließt die Weihnachtsbotschaft nicht einfach ab, sondern stellt sie in einen größeren heilsgeschichtlichen Zusammenhang. Die Inkarnation wird im Tempel von Jerusalem auf ihre Konsequenzen hin geöffnet. Das Kind, das Gott dargebracht wird, ist zugleich derjenige, der sich selbst hingeben wird. Damit wird ein Bogen gespannt, der von Weihnachten herkommt und bereits auf Ostern verweist, ohne dieses vorwegzunehmen. (…) Die scheinbare "Verschachtelung" von Weihnachts- und Osterfestkreis (…) macht deutlich, wie stark das Kirchenjahr von Ostern her gedacht war – und wie das Fest Darstellung des Herrn als stiller Übergangspunkt zwischen Menschwerdung und Erlösung gelesen werden kann.“

Jan Hendrik Stens, Fest Darstellung des Herrn – Scharnierfest im Kirchenjahr, Domradio Köln, 2. Febr. 2026 

 

„Die heiligen Texte des Christentums, führt [der Schweizer Schriftsteller Thomas] Hürlimann aus, seien voll davon, ‚dass ein ungeheuerliches Geschehen, ein unlösbares Rätsel, eben die Verwandlung, den Gang der Dinge immer wieder durchbricht, uns verstörend, uns erschreckend. Saulus trifft ein strahlendes Licht, er stürzt zu Boden, er ist verwandelt. Das gleiche gilt für den Aussätzigen, der nicht etwa gesundet, nein, plötzlich ist er ein neuer, ein verwandelter Mensch. Und mit einem Mal ist eine Jungfrau Mutter, das Wasser Wein, der Wein Blut, Gott tot, und der Tote steht auf. Nein, diese Wandlung kann unser Verstand nicht fassen.‘ (…) Nahe der Kreativität ist es [das Wunder] angesiedelt, der Schöpfung von Neuem. Zählt das Heraustreten aus Gewissheitsstrukturen, die Fähigkeit sich zu ver-wundern, doch zu den Vorbedingungen allen künstlerischen Schaffens. Nicht nur nachgebildet vermag Wirklichkeit hierdurch zu werden, verwandelnd umgestaltet vielmehr.“

Hans-Rüdiger Schwab, Ein schreckliches Kind oder: Das Wunder als Verwandlung, in: Communio-online, 25. Jan. 2026

 

„‘Charakter‘ – ursprünglich der Siegelabdruck eines Prägestocks im Wachs oder auf der haut wie ein Tattoo oder ein ‚Brandmal‘, eine spürbare Prägung und Aus-Zeichnung. Die Taufe ist ein ‚unauslöschliches Siegel‘, eine lebenslange Aus-Zeichnung mit ent-sprechender Erwählung und Verpflichtung. Jesus als Christus selbst gilt als Urtyp solcher Prägung, ‚der Abdruck des unsichtbaren Gottes‘, ‚der Charakter seiner Wesenheit‘. Im selben Atemzug ist auch von ‚Ausstrahlung‘ die Rede (Hebr 1,3. Auf diesen Namen getauft zu sein, hieße also begabt zu werden mit erheblicher, ja göttlicher Charakterstärke.“

Gotthard Fuchs, Mit Charakter, in: Christ in der Gegenwart 3/ 2026

 

„Die Vergöttlichung hat nichts mit einer Selbst-Vergottung des Menschen zu tun. Im Gegenteil, die Vergöttlichung bewahrt uns vor der Urversuchung, sein zu wollen wie Gott (vgl. Gen 3,5). Was Christus von Natur ist, das werden wir durch Gnade. Durch das Werk der Erlösung hat Gott nicht nur unsere menschliche Würde als Bild Gottes wiederhergestellt; vielmehr hat er, der uns wunderbar geschaffen hat, uns in noch wunderbarerer Weise an seiner göttlichen Natur Anteil haben lassen (vgl. 2 Petr 1,4). Die Vergöttlichung ist folglich die wahre Vermenschlichung. Deshalb weist die Existenz des Menschen über sich hinaus, sucht sie über sich hinaus, sehnt sie sich über sich hinaus und ist unruhig, bis sie ruht in Gott.“

Papst Leo XIV., Apostolisches Schreiben „In unitate fidei" zum 1700. Jahrestag des Konzils von Nizäa

 

„Die Liturgie des Christkönigsfests memoriert aus der Johannes-Passion, wie der römische Statthalter Pilatus den durch die Tempel-Aristokratie angeklagten Jesus befragt: "Bist du der König der Juden?" Dieser bejaht – und verneint zugleich. Er ist König, aber nicht in dem Sinne, wie Pilatus den Titel versteht. (…) Der König mit Dornenkrone wird zum Emblem, in dem sich die Opfer von Gewalt wiedererkennen können. Er steht für die Würde der Entwürdigten. Die Kirche, die am Christkönigsfest der Erhöhung des Gekreuzigten gedenkt und den Triumph des verfolgten Wahrheitszeugen feiert, steht in der Pflicht, sich selbst an die Seite der Erniedrigten zu stellen. Im Antlitz der Entrechteten leuchtet die königliche Würde Christi. Auch heute.“

Jan-Heiner Tück, „Christus ist unser Führer“. Vor 100 Jahren führte Pius XI. das Christkönigsfest in den liturgischen Kalender ein, in: Communio.de, 22. Nov. 2025

 

„Bischof Erik Varden: Der Garten Eden steht wohl vor allem für Gemeinschaft, harmonische Gemeinschaft zwischen Schöpfer und Geschöpf, und zwischen Geschöpfen, zwischen Mann und Frau, zwischen Mensch und Tier und zwischen Mensch und Gott. Und dass wir in uns eine verborgene Erinnerung von der Möglichkeit einer solchen Gemeinschaft tragen, das stelle ich regelmäßig pastoral bei anderen fest – und auch in mir selbst. Und deshalb denke ich, muss man die Sehnsucht sehr ernst nehmen. Ich bin beim Nachdenken über diese Fragen stark vom heiligen Athanasius von Alexandrien geprägt worden. Und seine Überlegungen im Traktat über die Menschwerdung Gottes gehen von einer kategorialen Differenz aus: er unterscheidet zwischen dem hedonistischen Drang des Menschen, dem Wohlsein, der Genusssucht, und eben der Sehnsucht. Genau auf diese Sehnsucht, die nach Athanasius wie eine Ruhe von außen hörbar und spürbar wird. In mir ruft plötzlich eine Stimme, die mir sagt: Komm bitte nach Hause! Aber ich weiß nicht, wo das ist. Aber dann trage ich in mir genau dieses Bewusstsein eines archaischen Daseins, einer archaischen Ordnung, die mir irgendwie sagt: Du bist nicht verloren oder verdammt, für immer ein Fremder und ein Wanderer auf der Erde zu sein. Irgendwo, irgendwie wartet ein definitives Zuhause auf dich und jemand steht da am Fenster und winkt ... (…) Und das ist Hauptaufgabe der Kirche, diese Heimat, patria erscheinen zu lassen. Und zwar glaubwürdig.“

Was kommt nach der Säkularisierung? Interview mit Bischof Erik Varden, in: Communio.de, 19. Nov. 2025

 

„Die Seligpreisungen enthalten eine Neuinterpretation der Wirklichkeit. Sie sind der Weg und die Botschaft Jesu, des Lehrers und Erziehers. Auf den ersten Blick scheint es unmöglich, die Armen, jene, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, die Verfolgten oder jene, die Frieden stiften, für selig zu erklären. Doch was in der Grammatik der Welt unvorstellbar erscheint, erscheint angesichts der Nähe des Reiches Gottes sinnvoll und einleuchtend. In den Heiligen sehen wir dieses Reich näherkommen und unter uns gegenwärtig werden. (…) Zum bleibenden Vermächtnis des heiligen John Henry [Newman] gehören in diesem Sinne einige sehr bedeutende Beiträge zur Theorie und Praxis der Bildung. So schrieb er: ‚Gott hat mich geschaffen, damit ich ihm einen bestimmten Dienst erweise; er hat mir eine Aufgabe übertragen, die er keinem anderen übertragen hat. Ich habe meinen Auftrag – den ich in diesem Leben möglicherweise nie erfahren werde, aber im nächsten Leben wird er mir offenbart werden.‘ (Meditations and Devotions, III, I, 2). (…) Das Leben wird nicht dadurch hell, dass wir reich, schön oder mächtig sind. Es wird hell, wenn einer in sich diese Wahrheit entdeckt: Ich bin von Gott gerufen, ich habe eine Berufung, ich habe eine Mission, mein Leben dient etwas, das größer ist als ich! Jedes einzelne Geschöpf hat eine Rolle zu übernehmen. Der Beitrag, den ein jeder zu bieten hat, ist von einzigartigem Wert, und die Aufgabe der Bildungsgemeinschaften besteht darin, diesen Beitrag zu fördern und zu Geltung zu bringen. (…) Wir sind dazu aufgerufen, Menschen zu bilden, damit sie in ihrer vollen Würde wie Sterne leuchten. Wir können daher sagen, dass die Bildung und Erziehung aus christlicher Sicht allen hilft, heilig zu werden. Nichts weniger. (…) Und die Heiligkeit wird allen ohne Ausnahme als ein persönlicher und gemeinschaftlicher Weg, den die Seligpreisungen markieren, ans Herz gelegt.“

Papst Leo XIV., Predigt am Hochfest Allerheiligen (1. Nov. 2025) zur Aufnahme des heiligen John Henry Newman in den Kreis der Kirchenlehrer

  

Für „Bonaventura (1217-1274 n. Chr.) …steht fest: Ziel (finis) des Koheletbuches ist die Geringachtung der Welt (contemptus mundi; in eccl. q. I). Dabei stellt auch er, ähnlich wie bereits Hieronymus, die Frage, wie dies mit der Güte der Schöpfung zu vereinbaren sei. Wenn die Schöpfung verachtet wird, wird dann nicht auch ihr Schöpfer verachtet (‚qui contemnit mundum contemnit Deum‘, q. 1 sed contra 1)? Bonaventura löst das Problem anhand eines schönen Vergleichs. Er vergleicht die Welt mit dem Hochzeitsring einer Braut. Diese nimmt ihn an und liebt ihn. Würde sie ihn verachten, würde sie zugleich den Bräutigam verachten, der ihr den Ring als Zeichen seiner Liebe geschenkt hat. Würde sie den Ring aber mehr lieben als ihren Bräutigam, dann hätte sie das Wesen des Ringes nicht erkannt. So ist es auch mit der Welt. ‚Verachtung der Welt‘ (contemptus mundi) heißt also: einer im Menschen angelegten Neigung, die Schöpfung mehr zu lieben als ihren Schöpfer, zu widerstehen. Sie ist also, genau besehen, eine Form von Liebe, eine ‚reine Liebe‘ (amor castus), eine gereinigte Liebe zur Welt (in eccl. q. I in corp. art.).“

Ludger Schwienhorst-Schönberger, Verach-tung der Welt?, in: Communio, 25. Okt. 2025

  

„Unser zeitgenössisches Bildungskonzept versteht Wissen beinahe ausschließlich als Folge einer zielgerichteten Aneignung, als Folge eines aktiven Zugreifens auf die Wirklichkeit (‚Forschen‘). Dass ein Übermaß an Aktivität tiefere Prozesse des Verstehens geradezu verhindert, ist bei diesem Konzept weitgehend in Vergessenheit geraten. Folgerichtig fällt Weisheit aus dem zeitgenössischen Bildungs- und Wissenschaftsbetrieb weitgehend heraus. Dass uns etwas anspricht, sich uns etwas zeigt und zeigen will, dass uns bei unseren Bemühungen um Erkenntnis etwas aufgeht – das ist nur möglich, wenn die zielgerichtete Aktivität von einer Haltung des Empfangens innerlich durchdrungen wird. Letztlich ist bei aller notwendigen Anstrengung Erkenntnis eine Gabe, die der Annahme bedarf. In dem Wort Jesu: ‚Wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; wer anklopft, dem wird geöffnet‘ (Mt 7,8), wird das Ineinander von aktivem Tun (‚bitten, suchen, anklopfen‘) und einem Geschehen, das sich der Kontrolle entzieht (‚empfangen, finden, geöffnet werden‘), anschaulich ins Wort gefasst.“

Ludger Schwienhorst-Schönberger, Weisheit rettet, in: Communio.de, 20. Sept. 2025

 

 

„(Allerdings) habe ich derzeit nicht die Absicht, die Lehre der Kirche zu diesem Thema [der Unmöglichkeit einer Frauenordination] zu ändern. (...) Das Dikasterium (die Behörde) für die Glaubenslehre, das für einige dieser Fragen zuständig ist, untersucht weiterhin den theologischen Hintergrund und die Geschichte einiger dieser Fragen; damit werden wir weitermachen und sehen, was dabei herauskommt. (…) Wie wir auf der Synode gesehen haben, polarisiert jedes Thema, das mit LGBTQ-Fragen zu tun hat, innerhalb der Kirche stark. Aufgrund dessen, was ich bereits versucht habe zu zeigen und zu leben und was mein Verständnis davon ist, in dieser Zeit der Geschichte Papst zu sein, versuche ich derzeit, die Polarisierung in der Kirche nicht weiter zu verstärken oder zu fördern. Was ich damit sagen möchte, hat Franziskus sehr deutlich ausgedrückt, als er sagte: ‚todos, todos, todos‘ (alle, alle, alle). Jeder ist eingeladen (am Leben der Kirche teilzunehmen, Anm. d. Red.), aber ich lade niemanden ein, weil er oder sie eine bestimmte Identität hat oder nicht hat. Ich lade jemanden ein, weil er oder sie ein Sohn oder eine Tochter Gottes ist. (…) Die Menschen wollen, dass sich die Lehre der Kirche ändert, dass sich die Einstellungen ändern. Ich denke, wir müssen unsere Einstellungen ändern, bevor wir überhaupt daran denken können zu ändern, was die Kirche zu einer bestimmten Frage sagt. Ich halte es für höchst unwahrscheinlich, dass sich die Lehre der Kirche in Bezug auf Sexualität und Ehe in naher Zukunft ändern wird. (…) In Nordeuropa werden bereits Rituale zur Segnung ‚von Menschen, die sich lieben‘, wie es dort heißt, veröffentlicht, was ausdrücklich gegen das von Papst Franziskus genehmigte Dokument ‚Fiducia Supplicans‘ verstößt.“

Papst Leo XIV., Auszug aus Interview mit der US-Journalistin Elise Ann Allen (vgl. domradio.de, 19. Sept. 2025)

 

„Bischof Barron verwies [in seiner Dankesrede für die Verleihung des Josef-Pieper-Preises] auf das Alte Testament: Dessen zentrales Motiv bestehe in dem menschlichen Elend als Folge der Abschaffung des rechten Gotteslobs. ‚Praktisch ausnahmslos kommt das Unglück über Israel, weil es falschen Göttern nachläuft und etwas anbetet, das nicht der Schöpfer ist“, erklärte der Preisträger. Ein falsches Fest und eine falsche Anbetung seine demzufolge „das deutlichste Anzeichen für kulturelle Dekadenz‘. Barron erinnerte an Josef Piepers Buch „Muße und Kult“, das im angelsächsischen Raum bekannteste Werk des Münsteraner Philosophen (1904–1997). Dieser habe das Wesen des Festes als Unangespanntheit, Mühelosigkeit und Herausgenommensein aus der sozialen Funktion beschrieben. Pieper zufolge habe die Kultur aus dem Kult gelebt. Auf dieses innere Ursprungsverhältnis müsse zurückgegriffen werden, wenn sie als Ganzes in Frage gestellt werde. (…) Die Aushöhlung des religiösen Raums habe in Verbindung mit den Überlegungen der neuen Atheisten zu erhöhter Suizidgefahr, schweren Depressionen und Angstzuständen geführt. Aus Sicht Barrons eine absehbare Entwicklung: ‚Wenn die Menschen davon überzeugt sind, dass sie aus dem Nichts kommen, dass es keine objektiven moralischen Werte gibt, dass die menschliche Natur völlig unbeständig ist und dass der Tod gleichbedeutend ist mit der Vernichtung, warum überrascht es uns dann, dass den Geist des Westens ein allgemeines Unbehagen prägt?‘ Wenn Feste nicht mehr Ausdruck der rituellen Dankbarkeit gegenüber Gott seien, sondern sich in Feiern der Natur, der Politik oder von Berühmtheiten verwandelten, dann lebten Menschen spirituell gesehen auf verwüstetem Boden, so Bischof Barron. Es sei daher ‚vielleicht das Wichtigste“, das Volk um rechten Lobpreis und weg von den falschen Göttern zu rufen‘.“

Regina Einig, Bischof Barron ermutig zu christlicher Festkultur, DT, 28. Juli 2025

 

„Als Generalminister schrieb Bonaventura zudem sein mystisches Hauptwerk ‚Itinerarium mentis in Deum‘, den Reisebericht des Geistes zu Gott. Er gilt als ein Höhepunkt spekulativen Denkens im christlichen Abendland. Der Ordensmann beschreibt darin den Weg der Gotteserkenntnis. Er verstand ihn als eine Leiter, auf der man immer weiter zu Gott aufsteigen könne - allerdings hingen besonders die letzten Stufen von der Gnade Gottes ab. 1266 kehrte Bonaventura nach Paris zurück, wo er seine Brüder in der Auseinandersetzung mit konservativen Theologen und radikalen Philosophen unterstützte. Durch seine weiteren Veröffentlichungen und Vorlesungen wurde der Franziskaner zu einer sehr einflussreichen Person seiner Zeit. Kein Wunder also, dass Papst Gregor X. ihn 1273 zum Kardinalbischof von Albano ernannte, nachdem er über die Wiedervereinigung der orthodoxen und römischen Kirche gepredigt hatte. (…) Was Menschen heute inspirieren kann, ist seine Haltung, die Vernunft immer und überall walten zu lassen. Besonders in Zeiten von ‚Fake News‘ und Verschwörungsgedanken ist es unerlässlich, Fakten und Quellen gewissenhaft zu prüfen.“

Inspirierend in Zeiten von „Fake News“, KNA, 15. Juli 2025 (Gedenktag des hl. Bonaventura, gest. am 15. Juli 1274)

 

„Das Dahinsiechen des christlichen Glaubens in den westlichen Kulturen hängt nach [Bischof Robert] Barron vor allem damit zusammen, dass die göttliche Dimension der Wirklichkeit im Bewusstsein vieler Katholiken weitgehend verschwunden ist. Sie als eine Realität wieder ernst zu nehmen, sie zu bezeugen und im Lichte der Vernunft zu reflektieren und sich dabei nicht von einer selbstgefälligen Blase vermeintlicher Meinungsführer einschüchtern zu lassen, kann als Markenzeichen des von Bischof Barron gegründeten Projekts "Word on Fire" bezeichnet werde. Schaut man auf die Wirkungen, die das Projekt in den zurückliegenden Jahren gezeitigt hat, scheint es ein game changer zu sein, der viele verunsicherte Katholiken aus der kognitiven Defensive führt.“

Ludger Schwienhorst-Schönberger, Zwei Gottesfreunde. Warum es richtig ist, dass Robert Barron den Josef-Pieper-Preis erhält, communio.de, 11. Juli 2025

 

„Der größte Feind des geistlichen Lebens ist die Zerstreuung. Der christliche Glaube kann verstanden werden als ein Weg aus der Zerstreuung in die Sammlung, aus der Unruhe in die Ruhe. Es dürfte von programmatischer Bedeutung sein, dass der Papst seine Predigt mit dem wohl bekanntesten Wort des heiligen Augustinus eröffnet hat: ‚Geschaffen hast Du uns auf Dich hin, und unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in Dir' (Bekenntnisse, I,1). Wer das Leben des heiligen Augustinus kennt, weiß, dass es innere und äußere Unruhen gibt, die ein Leben und eine Gemeinschaft zerreißen können. Drei Sätze weiter klingt in der Predigt erneut das Motiv der Sammlung an, wenn der Papst an ein Wort aus dem Buch des Propheten Jeremia anspielt: ‚Der Israel zerstreut hat, wird es sammeln und hüten wie ein Hirt seine Herde!‘ (Jer 31,10).“

Ludger Schwienhorst-Schönberger, Aus der Zerstreuung in die Sammlung. Zur Predigt von Papst Leo XIV. bei seiner Amtseinführung, Communio.de, 19. Mai 2025

 

„Begleitet von euren [der Kardinäle] Gebeten haben wir das Wirken des Heiligen Geistes gespürt, der die verschiedenen Musikinstrumente aufeinander abgestimmt und die Saiten unserer Herzen in einer einzigen Melodie zum Schwingen gebracht hat. ‚Ich wurde ohne jegliches Verdienst ausgewählt und komme mit Furcht und Zittern zu euch als ein Bruder, der sich zum Diener eures Glaubens machen möchte.‘ Ich wurde ohne jegliches Verdienst ausgewählt und komme mit Furcht und Zittern zu euch als ein Bruder, der sich zum Diener eures Glaubens und eurer Freude machen und mit euch auf dem Weg der Liebe Gottes wandeln möchte, der möchte, dass wir alle eine einzige Familie sind. Liebe und Einheit: Dies sind die beiden Dimensionen der Sendung, die Jesus Petrus anvertraut hat.“

Auszug aus der Predigt von Papst Leo XIV. bei seiner Amtseinführung am Sonntag, 18. Mai 2025 (vatican.va).

 

„Mit uns auf dem Weg als Pilger der Hoffnung, als Führer und Gefährte zum hohen Ziel, zu dem wir gerufen sind, dem Himmel, ist am 21. April des Heiligen Jahres 2025 um 7.35 Uhr morgens, während das Licht von Ostern den zweiten Tag der Oktav, den Ostermontag, erhellte, Franziskus, der geliebte Hirte der Kirche, aus dieser Welt zum Vater gegangen. Alle Christgläubigen, besonders die Armen, lobten Gott für das Geschenk seines Dienstes, den er mit Mut und Treue zum Evangelium und zur mystischen Braut Christi geleistet hat.
Franziskus war der 266. Papst. Sein Andenken bleibt im Herzen der Kirche und der ganzen Menschheit. (…) Franziskus hinterließ allen ein bewundernswertes Zeugnis der Menschlich-keit, heiligmäßigen Lebens und umfassender Väterlichkeit.“

Anfang und Ende der Urkunde (Rogitum), die Papst Franziskus in den Sarg gelegt wurde

 

„‘Ostern‘ beginnt nicht erst mit der Auferweckung Jesu aus den Toten, es beginnt schon im ersten Augenblick der Schöpfung, wenn Gott das Todesdunkel beendet und sein lebensfreundliches Wort spricht. Da scheint Licht in die Welt. Deshalb ist schon die erste Lesung ein ‚Osterevangelium‘. Man kann es so auffassen, dass die biblischen Texte, die im Gottesdienst gelesen werden, Schritt für Schritt entfalten, welche Bedeutung das österliche Licht hat. Oder umgekehrt: Neben dem Wasser der Taufe stellt das Licht ein zentrales Symbol dar, in dem sich alles das bündelt, was an Ostern gefeiert wird. (…) Auch im Auferstehungsevangelium ist die Rede vom Licht: Die Frauen kommen am ersten Tag der Woche ‚in der Morgendämmerung/beim Morgenrot‘ zum Grab, um den Leichnam Jesu zu salben (Lk 24,1). Das ist keine Angabe der Uhrzeit, sondern eine Brücke über alle Texte der Bibel hinweg zur Schöpfungserzählung: Der Ostertag ist wie der erste Tag der Welt, als Gott das Licht erschafft und der Finsternis, dem Todesdunkel, ein Ende bereitet. Ostern ist Neuschöpfung. Dies erfahren die Frauen am Grab: ‚Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist auferstanden!‘.“

Egbert Ballhorn, Das Licht der Osternacht – Eine Einführung in das „Geheimnis des Glaubens“, katholische.de, 19. April 2025

 

Der Karsamstag „des Schweigens, der Betrachtung, der Vergebung und der Versöhnung mündet ein in die Osternacht, die uns in den wichtigsten Sonntag der Geschichte eintreten lässt, den Sonntag des Pascha Christi. Die Kirche wacht neben dem gesegneten neuen Feuer und betrachtet die große, im Alten und im Neuen Testament enthaltene Verheißung der endgültigen Befreiung von der alten Knechtschaft der Sünde und des Todes. Im Dunkel der Nacht wird am neuen Feuer die Osterkerze entzündet, Symbol für Christus, der glorreich aufersteht. Christus, Licht der Menschheit, vertreibt die Finsternis des Herzens und des Geistes und erleuchtet jeden Menschen, der auf die Welt kommt. (…) Von der strahlenden Osternacht breiten sich die Freude, das Licht und der Friede Christi im Leben der Gläubigen jeder christlichen Gemeinde aus und erreichen jeden Punkt des Raumes und der Zeit. Liebe Brüder und Schwestern, in diesen einzigartigen Tagen richten wir entschlossen das Leben auf eine großherzige und überzeugte Treue zum Plan des himmlischen Vaters aus; wir erneuern unser »Ja« zum göttlichen Willen, wie es Jesus mit dem Kreuzesopfer getan hat. (…) Der Geheimnisse Christi zu gedenken bedeutet auch, in tiefer und solidarischer Bindung an das Heute der Geschichte zu leben, in der Überzeugung, dass das, was wir feiern, lebendige und aktuelle Wirklichkeit ist.“

Benedikt XVI., Das österliche Triduum (Generalaudienz vom 19. März 2008; am 19. April 2005, vor zwanzig Jahren, wurde Joseph Ratzinger zum Papst gewählt)

 

Markus Lanz im Gespräch mit Joseph Ratzinger.: „Wir sprachen 2003 auch über Mystik. Die Kirche kümmere sich zu wenig um ihr großes mystisches Erbe, hielt ich ihm vor, überlasse die Spiritualität fernöstlichen Religionen. Ratzinger widersprach nicht, sondern begann stattdessen, den inneren, den verborgenen Sinn der Bibel zu erklären…“

Markus Lanz/ Manfred Lütz, Benedikt XVI. Unser letztes Gespräch, 2023

 

„‚Die Liebe als Tat stößt an Grenzen, die die Liebe als Gesinnung des Wohlwollens nicht kennt", schreibt der Moraltheologe Bruno Schüller SJ in seinem Buch ‚Die Begründung sittlicher Urteile. Typen ethischer Argumentation in der Moraltheologie‘ (Düsseldorf 21980). Dieser Grundsatz gehört zum Kern der biblischen und somit christlichen Botschaft und darf nicht durch schönes Gerede verschleiert oder verwässert werden. Der traditionelle Begriff, unter dem das Thema erörtert wurde, lautet: ‚Ordnung der Liebe‘ (ordo amoris). Wenn diese Ordnung nicht eingehalten wird, so das vielfältige Zeugnis der christlichen Tradition, bricht das Chaos, also die Unordnung, aus. (…) Im Rahmen der Auslegung der Zehn Gebote schreibt der allgemeine Lehrer der Katholischen Kirche, der heilige Thomas von Aquin: ‚Wir können aber nicht jedem Gutes tun. Daher sagt der heilige Augustinus, dass wir alle zu lieben (diligere) verpflichtet sind, aber nicht gehalten sind, allen Gutes zu tun (benefacere). Vor allen anderen müssen wir denen Gutes tun, die uns näherstehen, denn >wenn jemand für die Seinigen und besonders für seine Hausgenossen keine Sorge trägt, der hat den Glauben verleugnet und ist ärger als ein Ungläubiger< [1 Tim 5,8]‘ (Collationes in decem praeceptis, Nr. 1238). Mit dem letzten Satz spielt Thomas auf die sogenannten Vorzugsregeln an: der Nahe, der Nähere und der Nächste. Nicht jeder ist mein Nächster, sondern jeder kann mein Nächster werden, darum geht es im Gleichnis vom barmherzigen Samariter.“

Ludger Schwienhorst-Schönberger, Die Migrationspolitik und die Ordnung der Liebe, in: communio.de, 1. Febr. 2025

 

„Der Passauer Bischof Stefan Oster glaubt nicht, dass es der synodalen Bewegung in Deutschland gelingt, die katholische Kirche wieder attraktiver zu machen und zu verjüngen. (…) ‚Am Ende wird keiner deshalb näher zu Christus finden, weil wir kirchenpolitische Forderungen einer modernen Gesellschaft erfüllen, die aus meiner Sicht letztlich sogar in den Kern des Glaubens und unseres sakramentalen Verständnisses von Kirche zielen und diesen verändern würden, vor allem in den Fragen, zu was und für wen der Mensch eigentlich da ist.‘ Er sei überzeugt, dass sich die Kirche in ihrer ganzen Geschichte immer zuerst geistlich erneuert habe. ‚Durch die Rückkehr ins Zentrum des Evangeliums und die Rückkehr zu Christus als dem, der real gegenwärtig ist und zuerst unsere Herzen verändern will, ehe es dann zweitens auch mal an Strukturen geht‘, so der Passauer Bischof weiter. Wenn diese ‚Umkehr‘ nicht stattfinde, liefen aus seiner Sicht Reformforderungen oder Reforminitiativen ins Leere.“

Kirche müsse sich immer zuerst geistlich erneuern, in: katholisch.de, 23. Jan. 2025

 

„Angelus Silesius (1624–1677) trat mit 29 Jahren vom Protestantismus zur katholischen Kirche über. Sein Übertritt erregte großes öffentliches Aufsehen. Als einen der Gründe für seine Konversion nannte der Lyriker, Theologe und Arzt ‚die freventliche Verwerfung der Mystik (theologia mystica), die des Christen höchste Weisheit sei.‘ Im Protestantismus seiner Zeit sah er eine ‚Abgötterei der Vernunft‘. Sein Werk ‚Cherubinischer Wandersmann‘ ist ein beeindruckendes poetisches Zeugnis mystischer Einsicht und Erfahrung, das den breiten Strom christlicher Mystik in sich aufnimmt und nachfolgenden Generationen zu denken gibt. (…) Was Christus von Natur aus ist: Sohn Gottes, das können und sollen alle Menschen werden ‚aus Gnaden‘, wie Angelus Silesius sagt. Bei der Sendung seines Sohnes habe Gott die Absicht verfolgt, so lesen wir im Kommentar zum Prolog des Johannesevangeliums bei Meister Eckhart, dass ‚der Mensch durch die Gnade der Kindschaft das sei, was jener [Christus] von Natur ist.‘ Die Gottesgeburt in der Seele wurde zu einem Programmwort der rheinischen Mystik. In einer Weihnachtspredigt, die von Meister Eckhart oder von Johannes Tauler stammt, werden die drei Messen zu Weihnachten mit den drei Geburten Christi verglichen: der Geburt des Sohnes aus dem Vater ‚vor aller Zeit‘, der Geburt Christi zu Betlehem in der Zeit und der dritten Geburt, die darin ‚besteht, dass Gott alle Tage und zu jeglicher Stunde in wahrer und geistiger Weise durch Gnade und aus Liebe in einer guten Seele geboren wird.‘ Erst mit der dritten Geburt Christi, der Gottesgeburt in einem jeden Menschen, gelangt die Menschwerdung Gottes an ihr Ziel.“

Ludger Schwienhorst-Schönberger, „Wird Christus tausendmal zu Bethlehem geborn…“ Zum 400. Geburtstag von Angelus Silesius, in: communio.de, 22. Dez. 2024

 

Bildungsforscher Klaus Zierer „erklärte: ‚Der Mensch fragt nach dem Sinn und er gibt sich weder mit Triebbefriedigung noch irdisch begrenzter Vorläufigkeit und Unzulänglichkeit zufrieden. Kinder und Jugendliche wollen in Zeiten multipler Krisen mehr denn je von ihren Lehrerinnen und Lehrern wissen, was die Welt im Innersten zusammenhält, sie fragen nach dem Urgrund und dem Ziel menschlichen Lebens, sie sehnen sich nach Geborgenheit über die Familie hinaus und nach der Hoffnung, die den Tod überschreitet, zum Beispiel wenn Großeltern sterben.‘ Angesichts der veränderten Lebenswelt und erziehungswissenschaftlicher Forschungser-gebnisse gebe es für Schulen Reformbedarf. So verlangte Zierer, dass alle Fächer spirituelle Intelligenz berücksichtigen sollten. "Auch in Mathematik, in Deutsch, in Englisch, in Musik und in Sport ist der Förderung von Spiritualität nachzugehen. Hierfür nötig sind Antwortangebote auf Sinnfragen und die stete Offenlegung der Begrenztheit fachlicher Erkenntnisse.“

Bildungsforscher: Reli-Unterricht Mittel gegen Krisen junger Menschen, katholisch.de, 17. Dez. 2024 (KNA)

 

„Botho Strauß hat in einem Beitrag für die F.A.Z. Joseph Kardinal Ratzinger als den ‚Nietzsche unserer Zeit‘ bezeichnet, weil dieser in Absetzung zur kommunikativen Verflüssigung des Glaubens dessen Widerständigkeit und Prägekraft zur Geltung gebracht hat. Statt Glaubensgeheimnisse wie Jungfrauengeburt und Auferstehung des Fleisches raffiniert umzudeuten oder als nicht mehr zeitgemäß zu verabschieden, hat Ratzinger gerade darin den ‚skandalösen Realismus‘ des Christentums gesehen. Das scheint Strauß beeindruckt zu haben. Wie er selbst für eine ‚Ästhetik der Anhänglichkeit‘ wirbt, die die Anbindung an die Kultur der Vergangenheit sucht, ohne diese nostalgisch zu verklären, so scheint er denen, die glauben oder zu glauben versuchen, zu empfehlen, die Schätze der Tradition nicht um eines anpassungsflinken aggiornamento zu verspielen: ‚Wo Überlieferung nichts mehr bedeutet, wird auch Erinnerung, im Sinne von Realpräsenz, Vergegenwärtigung nicht möglich sein.‘ (…) Den heutigen Auslegern der Heiligen Schrift, die alles daran setzen, die Explosion der Christologie in den frühkirchlichen Bekenntnissen rückgängig zu machen, die nichts unversucht lassen, aus Jesus einen galiläischen Wanderrabbi zu machen und ihn historisch-kritisch in das Koordinatensystem des Wahrscheinlichen zu überführen, hält Strauß entgegen: ‚Unwahrscheinlicher als Jesus Christus ist nichts. Einen tieferen Glauben als den christlichen kann auch heute kein Mensch erlangen.‘“

Jan-Heiner Tück, Der Fortführer. Was die Theologie von Botho Strauß lernen kann, in: communio.de, 1. Dez. 2024

 

„Die Bedeutung der Sophia (Weisheit): Die weibliche Seite der göttlichen Weisheit schaut [Jacob] Böhme als perlengeschmückte Jungfrau, der nach dem Paradiesverlust seine Sehnsucht gilt. Nikolaj A. Berdjaev weist in seinen Studien über den Görlitzer Schuster darauf hin, dass dessen Sophiologie in der Geschichte des christlichen Denkens ursprünglich, einmalig und mit einem geschlechtlich-androgynen Bild verbunden ist. Sophia ist die Reinheit, Ganzheit, Jungfräulichkeit und Keuschheit des Menschen. Im Sündenfall erlitt Adam den Verlust seiner Sophienhaftigkeit und diese entflog in den Himmel. Auf der Erde entstand die Weiblichkeit: Eva. Das Sophianische ist für Böhme das grundlegende Kennzeichen des Menschen. Die Jungfrau ist aber auch die Göttliche Weisheit. Böhme schreibt: ‚Die Weisheit Gottes ist eine Ewige Jungfrau, nicht ein Weib, sondern die Zucht und Reinigkeit ohne Makel, und steht als ein Bildniß Gottes, ist ein Ebenbild der Dreizahl [= Dreifaltigkeit]‘ (Vom dreifachen Leben des Menschen, Nr. 70).“

Magdalena Gmehling, Jacob Böhme: Auf der Suche nach Gott. Vor 400 Jahren [17. Nov. 1624] starb der Mystiker Jacob Böhme, DT, 14. Nov. 2024

 

„Wir Menschen haben allesamt nur ein einziges Buch, das auf Gott hinweist. Jeder hat es in sich. Es ist der teure Name Gottes. Seine Buchstaben sind die Flammen der Liebe, die Gott aus seinem Herzen in dem teuren Namen Jesu in uns geoffenbart hat.“

Jakob Böhme, Apologia II (gest. vor 400 Jahren am 17. Nov. 1624).

 

„Ein Herz, das zur Reue fähig ist, kann in der Geschwisterlichkeit und in der Solidarität wachsen, denn es »entwickelt sich derjenige zurück, der nicht weint, er altert innerlich, während derjenige reift, der zu einem einfacheren und innigeren Gebet gelangt, das aus Anbetung und Ergriffenheit vor Gott besteht. Er klammert sich immer weniger an sich selbst und immer mehr an Christus, er wird arm im Geiste. Auf diese Weise fühlt er sich den Armen, den Geliebten Gottes, näher«. So entsteht ein echter Geist der Wiedergutmachung, denn »so fühlt sich derjenige, der im Herzen Reue empfindet, mehr und mehr wie ein Bruder aller Sünder der Welt, er fühlt sich mehr Bruder, ohne den Anschein von Überlegenheit oder Härte des Urteils, sondern immer mit dem Wunsch zu lieben und wiedergutzumachen«. Diese Solidarität, die durch die Reue entsteht, ermöglicht zugleich die Versöhnung. Der Mensch, der zur Reue fähig ist, wird, »anstatt über das Böse, das die Brüder und Schwestern begangen haben, zu zürnen und sich zu empören, […] über ihre Sünden« weinen. »Er nimmt keinen Anstoß. Es findet eine Art Umkehrung statt, bei dem sich die natürliche Neigung, mit sich selbst nachsichtig und mit den anderen hart zu sein, umkehrt und man durch die Gnade Gottes sich selbst gegenüber konsequent und den anderen gegenüber barmherzig wird«. […] Obwohl es nicht möglich ist, von einem erneuten Leiden des verherrlichten Christus zu sprechen, nimmt das Pascha-Mysterium Christi und alles, »was Christus ist, und alles, was er für alle Menschen getan und gelitten hat, […] an der Ewigkeit Gottes teil, steht somit über allen Zeiten und wird ihnen gegenwärtig«. Wir können jedoch sagen, dass er selbst zugestimmt hat, die raumgreifende Herrlichkeit seiner Auferstehung zu begrenzen, das Ausströmen seiner unermesslichen und glühenden Liebe einzudämmen, um Raum für unser freies Mitwirken mit seinem Herzen zu lassen. Das ist so real, dass unsere Ablehnung ihn in diesem Drang der Hingabe aufhält, genauso wie unser Vertrauen und unsere Selbsthingabe einen Raum öffnen, einen hindernisfreien Kanal für das Ausfließen seiner Liebe bieten. Unsere Ablehnung oder unsere Gleichgültigkeit beschränken die Wirkungen seiner Macht und die Fruchtbarkeit seiner Liebe in uns. Wenn er in mir kein Vertrauen und keine Offenheit findet, wird seine Liebe – weil er es selbst so wollte – daran gehindert, sich in mein einzigartiges und unwiederholbares Leben und in die Welt hinein auszudehnen, wo ich ihn seinem Ruf entsprechend gegenwärtig werden lassen soll. Das liegt nicht an seiner Schwäche, sondern an seiner unendlichen Freiheit, an seiner paradoxen Macht und an seiner vollkommenen Liebe zu einem jeden von uns. Wenn sich die Allmacht Gottes in der Schwäche unserer Freiheit zeigt, vermag »einzig der Glaube sie […] wahrzunehmen«.“

Papst Franziskus, Enzyklika Dilexit nos (Er hat uns geliebt). Über die menschliche und göttliche Liebe des Herzens Jesu Christi, 24. Okt. 2024, Nr. 190; 193.

 

„Wenn wir über die menschliche Ökologie nachdenken, kommen wir zu einem Thema, das euch und noch mehr mir und meinen Vorgängern am Herzen liegt: die Rolle der Frau in der Kirche. (…) Wer ist die Frau und wer ist die Kirche? Die Kirche ist Frau, sie ist nicht „der“ Kirche, sie ist „die“ Kirche, sie ist die Braut. Die Kirche ist das Volk Gottes, kein multinationaler Konzern. Im Volk Gottes ist die Frau Tochter, Schwester und Mutter. So wie ich Sohn, Bruder und Vater bin. Das sind die Beziehungen, die unsere Gottesebenbild-lichkeit zum Ausdruck bringen, Mann und Frau, zusammen, nicht getrennt! (…) Was für die Frau charakteristisch ist, was weiblich ist, wird nicht durch Konsens oder Ideologien festgelegt. Und die Würde wird durch ein ursprüngliches Gesetz gesichert, das nicht auf Papier geschrieben, sondern dem Leib eingeschrieben ist. Die Würde ist ein unschätzbares Gut, eine ursprüngliche Qualität, die kein menschliches Gesetz geben oder nehmen kann. Ausgehend von dieser gemeinsamen und geteilten Würde entfaltet die christliche Kultur in verschiedenen Kontexten immer wieder aufs Neue die Sendung und das Leben des Mannes und der Frau und ihr gegenseitiges Füreinandersein, in Gemeinschaft. Nicht einer gegen den anderen, das wäre Feminismus oder Machismus, und nicht in gegensätzlichen Ansprüchen, sondern der Mann für die Frau und die Frau für den Mann, gemeinsam. Denken wir daran, dass die Frau im Heilsgeschehen eine zentrale Stellung einnimmt. Durch da ‚Ja‘ Marias kommt Gott in Person in die Welt. Die Frau ist fruchtbare Aufnahme, Fürsorge, lebendige Hingabe. Deshalb ist die Frau wichtiger als der Mann, aber es ist schlecht, wenn die Frau wie der Mann sein will: Nein, sie ist eine Frau, und das ist ‚schwerwiegend‘, es ist wichtig. Öffnen wir unsere Augen für die vielen täglichen Beispiele der Liebe, die sichtbar wird in Freundschaft, Arbeit und Studium; wenn jemand in Kirche und Gesellschaft Verantwortung übernimmt; in Bräutlichkeit und Mutterschaft, in der Jungfräulichkeit für das Reiches Gottes und für den Dienst. Vergessen wir nicht, ich wiederhole es: Die Kirche ist Frau, sie ist nicht Mann, sie ist Frau.“

Ansprache von Papst Franziskus vor Studenten der Universität Löwen, 28. Sept. 2024

 

„Das Hochfest der Kreuzeserhöhung markiert eine Zeitenwende im orthodoxen Kirchenjahr: Hier schlägt die nachpfingstliche Zeit der Erfüllung um in die vorösterliche Zeit der Erwartung. (…) Dabei wird in den Stichiren von Vigil und Festprozession die Heilsdimension des Kreuzes mittels biblischer Vorabbildungen auf mannigfache Weise ausgelotet, beispiels-weise: Der Baum im Garten Eden: Am Kreuz sprießt das neue Leben des himmlischen Paradieses (Gen 2: 9-15). Die Arche Noah: Das Holz des Kreuzes rechtfertigt und rettet die Sünder, bewahrt sie von den Wassern des Todes und birgt sie in der neugestalteten Welt Gottes (Gen 6:9 – 9:17). Jakob kreuzt die Arme, um die Söhne des Joseph zu segnen: Aller Segen geht vom Kreuz aus (Gen 48: 8-20). Mose streckt seine Arme aus, um das Rote Meer zu öffnen und zu schließen: Der Gekreuzigte öffnet durch sein Pascha den Weg in das Reich Gottes und verschließt die Pforten der Unterwelt (Ex 14: 21-29). Mose wirft Holz in die Quelle von Mara, um ihr die Bitterkeit zu nehmen: Das Holz des Kreuzes nimmt die Bitterkeit des Todes (Ex 15: 25-26). Mose schlägt mit dem Holz seines Stabes auf den Felsen, aus dem sogleich Wasser hervorströmt: Wunderbares Leben entspringt dem Kreuz des Herrn (Ex 17: 1-7). Der Stab Aarons erblühte: Am Kreuzesholz erblüht uns das Hohepriestertum Christi (Num 17: 1-10). Die eherne Schlange wurde in der Wüste auf einem Pfahl erhöht, so dass jeder von einer Schlange Gebissene, der sie anschaute, nicht starb, sondern am Leben blieb: Wer auf den gekreuzigten Christus schaut und an ihn glaubt, wird nicht sterben, sondern das ewige Leben haben (Num 21: 4-9; Joh 19: 37). Das Volk Israel lagerte am Berg Sinai kreuzförmig um das Bundeszelt: Das Kreuz ist die Lebensordnung des neuen Gottesvolkes (Num 2: 3-31). Alle diese und viele weitere Bilder wollen deutlich machen, dass das Kreuz Christi, d.h. sein Tod und seine Auferstehung, die Mitte des Heilsgeschehens und der christlichen Existenz ist und dass es als Mitte angenommen und verkündigt werden muss.“

Orthodoxie in Deutschland, zum Hochfest Kreuzerhöhung am 14. September

 

„Papst Franziskus hat die Christen aufgerufen, ihren Glauben spürbar positiv zu leben. Sie sollten ‚Liebe, Freude, Frieden, Großmut, Güte, Zuverlässigkeit, Sanftheit und Selbstbeherrschung‘ ausstrahlen, sagte der Papst am Mittwoch [21. August] vor Tausenden Pilgern bei der Generalaudienz in der vatikanischen Audienzhalle. Ein Wort des Apostels Paulus zitierend sprach der Papst vom ‚Duft Christi‘, den die Gläubigen verströmen sollten. ‚Doch leider wissen wir‘, so der Papst weiter, ‚dass die Christen oft nicht den Wohlgeruch Christi verbreiten, sondern den Gestank ihrer eigenen Sünden.‘ Dies dürfe aber die Gläubigen nicht davon abhalten, ihren speziellen Auftrag zu erfüllen und den ‚Duft Christi‘ in der Welt zu verbreiten. Jeder sei aufgerufen, dies in seinem Umfeld zu tun.“

Papst: Christen sollen Duft Christi verströmen, katholisch.de, 21. Aug. 2024

 

„Der ungeborene Johannes der Täufer hüpft im Bauch seiner Mutter Elisabeth, als sie der mit Jesus schwangeren Maria begegnet. König David hüpft und tanzt vor der Bundeslade, als sie nach Jerusalem übertragen wird. Der Thron der Anwesenheit Gottes verdient Über-schwang und Huldigung. Die Liturgie des Hochfestes Mariä Aufnahme in den Himmel ist durchzogen vom Motiv der Lade des Herrn, die nach Jerusalem in den Tempel hinaufgebracht wird oder gar schon ganz oben im Himmel zu sehen ist. Damit parallelisiert die Liturgie Maria mit der Bundeslade, wie ja auch die Lauretanische Litanei die Muttergottes als Foederis Arca anruft. (…) Der Gott Israels heißt auch ‚der auf den Kerubim thront‘ (2Sam 6,2; Ps 80,2; 99,1). Die Lade ist ‚der Schemel seiner Füße‘ (Ps 99,5; 132,7). In altorientalischen Tempeln wurden inter-nationale Vertragsurkunden zu Füßen der Gottesstatue niedergelegt. In Israels Tempel wird die Urkunde des Bundes zwischen Gott und seinem Volk, die Dekalogtafeln, in der Lade deponiert. So ist die Bundeslade zugleich der Thron des unsichtbaren Gottes und der Behälter des Wortes Gottes. Wo immer sie hingetragen wird, macht sie Gott gegenwärtig. David brachte die Lade nach Jerusalem hinauf (2 Sam 6; 1Chr 15-16) und Salomo stellte sie im Allerheiligsten des Tempels auf (1 Kön 8,1-13). Bei der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier 587 v. Chr., ging der Tempel in Flammen auf (2 Kön 25,9). Seither ist die Lade verschollen (Jer 3,16). (…) Johannes‘ Hüpfen vor der Jesus in sich tragenden Maria ist Überschwang und Huldigung. Hymnische Marienverehrung ist nichts für prosaische Gemüter, sondern für davidgleiche Lyriker, Sänger und Tänzer.“

Dieter Böhler, Tanzen und Hüpfen. Zum Hochfest Mariä Aufnahme in den Himmel, communio.de, 14. Aug. 2024

 

„Ein gutes Buch öffnet den Geist, regt das Herz an, schult für das Leben. Diese Worte brachte Papst Franziskus zu Papier, um künftigen Priestern, aber auch ‚allen in der Pastoral Tätigen‘ und ‚jedem Christen‘ den ‚Wert des Lesens von Romanen und Gedichten auf dem Weg der persönlichen Reifung‘ nahe zu bringen. Mit dem am 17. Juli verfassten und am 4. August veröffentlichten ‚Brief über die Rolle der Literatur in der Ausbildung‘ will der Papst ‚die Liebe zum Lesen wiedererwecken‘ und vor allem ‚einen radikalen Tempowechsel‘ bei der Vorbereitung der Priesteramts-kandidaten vorschlagen, damit der Lektüre literarischer Werke mehr Raum gegeben wird. (…) In dem Schreiben weist der Papst auch auf die positiven Folgen hin, die sich nach Ansicht der Gelehrten aus der ‚Gewohnheit des Lesens‘ ergeben, die dazu beiträgt, ‚einen breiteren Wortschatz zu erwerben‘, ‚verschiedene Aspekte‘ der eigenen Intelligenz zu entwickeln, ‚auch die Phantasie und Kreativität anzuregen‘, ‚zu lernen, die eigenen Erzählungen reicher auszudrücken‘, ‚auch die Konzentrationsfähigkeit zu verbessern, den Grad des kognitiven Verfalls zu verringern, Stress und Angst zu lindern‘. Konkret ‚bereitet uns das Lesen darauf vor, die verschiedenen Situationen, die im Leben auftreten können, zu verstehen und sich ihnen zu stellen‘, fährt Franziskus fort, ‚beim Lesen tauchen wir in die Charaktere, die Sorgen, die Dramen, die Gefahren, die Ängste von Menschen ein, die die Herausforderungen des Lebens letztlich gemeistert haben‘. Und mit Borges könnten wir auch so weit gehen, Literatur als ‚Zuhören der Stimme eines Menschen‘ zu definieren. Die Literatur diene dazu, ‚das Leben wirksam zu erfahren‘.“

Papst Franzikus: Literatur bildet das Herz und den Verstand, vatican-news, 4. Aug. 2024

 

„Als wahrer Sohn des Poverello [= Franziskus] betrachtete Bonaventura den Allerhöchsten als ein unendliches Geheimnis der Güte, das sich durch Christus in allen Wirklichkeiten zeigt. Der Vater, die unerschaffene Quelle der Güte, teilt seinem geliebten Sohn, der ‚mittleren Person‘ der Dreifaltigkeit, seine eigene göttliche Natur vollständig und unendlich mit. In ihrem gegenseitigen Liebeshauch sind sie durch das Band des Geistes vereint, der ‚Gabe, in der alle anderen Gaben gegeben wurden‘. Sie dehnt sich dann auf die gesamte Schöpfung und jedes Geschöpf aus und bringt alles zurück in die Fülle der göttlichen Liebe, die das höchste Gut und alles Gute ist. Das ausdrucksstarke und produktive Moment des Guten ist der schöpferische Akt des Kosmos, der sich nicht nur in Bezug auf die Natur, sondern auch in Bezug auf das Wissen ständig weiterentwickelt. Sowohl das Sein als auch das Wissen offenbaren denselben Ursprung und Zweck: die Fülle und Ausdehnung des Guten. Beides steht im ‚Buch der Schöpfung‘ geschrieben und kann von der Erkenntnis und Liebe des Menschen gelesen werden, der dazu berufen ist, den dreieinigen Gott in allen Dingen zu erkennen und zu lieben. Genau daran erinnert uns Papst Franziskus in Laudato Si’, indem er Bonaventura noch einmal ausdrücklich bezieht, wenn er schreibt, ‚dass jedes Geschöpf eine typisch trinitarische Struktur in sich trägt‘ (Nr. 239); daraus soll – weiter unter Berufung auf den Heiligen von Bagnoregio – eine universale Versöhnung mit allen Geschöpfen (vgl. Nr. 66) folgen. Und das ist möglich, denn wie Bonaventura sagt: ‚Das göttliche Wort ist in jeder Kreatur und deshalb spricht jede Kreatur von Gott‘ (Kommentar zu Kohelet, c. 1 ad resp.). (…) In der Geschichte ist Bonaventura vielleicht eher als Mystiker denn als Seelsorger und Lehrer in Erinnerung geblieben, so dass er von Leo XIII. als ‚Fürst unter allen Mystikern‘ bezeichnet wurde. Und es ist wahr: Für Bonaventura erfüllt sich der Weg sowohl der auf den Glauben angewandten Verstandeskraft als auch des Gefühls der Zugehörigkeit zum Minderbrüder-orden in der Mystik, denn in beiden Fällen ist das Ziel immer dasselbe: der ‚Geschmack‘ Gottes. (…) Als Mystiker zeigt er uns das Zentrum, von dem alles ausgeht und sich erfüllt, nämlich den gekreuzigten Christus, der vom Kreuz aus ‚das Feuer des Heiligen Geistes‘ spendet, durch das wir unser letztes Ziel erreichen: ‚zu Gott gebracht‘ und ‚in Gott verwandelt‘ zu werden, den Einen, der alle Dinge erfüllt und sie gut und schön macht.“

Auszug aus: Der hl. Bonaventura, Brief der Generalminister des Ersten Ordens und des Regulierten Dritten Ordens zum 750. Todestag des heiligen Kirchenlehrers (15. Juli 2024)

 

„57. Im Hinblick auf die Gender-Theorie … erinnert die Kirche daran, dass das menschliche Leben in all seinen Bestandteilen, körperlich und geistig, ein Geschenk Gottes ist, von dem gilt, dass es mit Dankbarkeit angenommen und in den Dienst des Guten gestellt wird. Über sich selbst verfügen zu wollen, wie es die Gender-Theorie vorschreibt, bedeutet ungeachtet dieser grundlegenden Wahrheit des menschlichen Lebens als Gabe nichts anderes, als der uralten Versuchung des Menschen nachzugeben, sich selbst zu Gott zu machen und in Konkurrenz zu dem wahren Gott der Liebe zu treten, den uns das Evangelium offenbart. 58. Ein zweiter Punkt der Gender-Theorie ist, dass sie versucht, den größtmöglichen Unterschied zwischen Lebewesen zu leugnen: den der Geschlechter. Dieser fundamentale Unterschied ist nicht nur der größtmöglich vorstellbare, sondern auch der schönste und mächtigste: Er bewirkt im Paar von Mann und Frau die bewundernswerteste Gegenseitigkeit und ist somit die Quelle jenes Wunders, das uns immer wieder in Erstaunen versetzt, nämlich die Ankunft neuer menschlicher Wesen in der Welt. 59. In diesem Sinne ist der Respekt vor dem eigenen Leib und dem der anderen angesichts der Ausbreitung und des Anspruchs auf neue Rechte, die von der Gender-Theorie propagiert werden, wesentlich. Diese Ideologie „stellt eine Gesellschaft ohne Geschlechterdifferenz in Aussicht und höhlt die anthropologische Grundlage der Familie aus.“ Es ist daher inakzeptabel, „dass einige Ideologien dieser Art, die behaupten, gewissen und manchmal verständlichen Wünschen zu entsprechen, versuchen, sich als einzige Denkweise durchzusetzen und sogar die Erziehung der Kinder zu bestimmen. Man darf nicht ignorieren, dass ,das biologische Geschlecht (sex) und die soziokulturelle Rolle des Geschlechts (gender) unterschieden, aber nicht getrennt werden [können]‘.“ Deshalb sind alle Versuche abzulehnen, die den Hinweis auf den unaufhebbaren Geschlechtsunterschied zwischen Mann und Frau verschleiern: „[M]an [kann] das, was männlich und weiblich ist, nicht von dem Schöpfungswerk Gottes trennen […], das vor allen unseren Entscheidungen und Erfahrungen besteht und wo es biologische Elemente gibt, die man unmöglich ignorieren kann“. Nur wenn jede menschliche Person diesen Unterschied in Wechselseitigkeit erkennen und akzeptieren kann, wird sie fähig, sich selbst, ihre Würde und ihre Identität voll zu entdecken.“

Vatikan-Erklärung Dignitas infinita über die menschliche Würde, 2. April 2024

 

„Eine hochbetagte Ordensschwester lag im Sterben. Ihr war deutlich anzusehen, dass ihre Zeit auf dieser Erde bald enden sollte. Zum letzten Mal in ihrem Leben empfing sie den Leib Christi in der heiligen Kommunion und die Krankensalbung. Dies tat sie sehr andächtig. Nachdem sie die Sakramente empfangen hatte, geschah etwas für alle Unerwartetes: Die sterbende Frau strahlte über das ganze Gesicht, ihre Augen leuchteten und sie rief voller Begeisterung: ‚Ich fühle mich wie neu geboren!‘ Dieser Moment brachte alle zum Lächeln, so wunderschön war er: Ein Augenblick purer Lebensfreude – im Angesicht des sicheren Todes! Es war zu spüren, wie eine neue Wirklichkeit ins Leben dieser Frau hineinschien, wie aus einer anderen Welt: die Begegnung mit dem lebendigen Christus, mit Gottes Liebe, die stärker ist als der Tod. Seitdem ist diese Ordensschwester für mich eine wichtige Zeugin der Auferstehung! Die Begegnung mit ihr stärkte meine Gewissheit, dass es uns einmal ebenso gehen wird wie ihr: Wir werden sein wie neu geboren!“

Dominikanerpater Philipp König zu Lk 24,35-48, in: katholisch.de, 13. April 2024

 

„Die Schöpfung ist so strukturiert, dass sie mit dem Sabbat endet, alles ist geschaffen, damit es einen Ort gibt, an dem Gott verehrt und angebetet werden kann, und alles ist gerade im Hinblick auf diesen Tag des Zusammenseins von Schöpfer und Geschöpf geschaffen. Der Sabbat bestimmt die Struktur der Zeit, ja des menschlichen Wesens. Nun sehen wir, dass diese Revolution im Verständnis der Zeit [mit der Auferstehung Jesu am Sonntag] auch die erste Schöpfung betrifft: nicht mehr der Sabbat, sondern der erste Tag bestimmt die Struktur der Woche; wir begreifen, dass etwas Radikales geschehen ist. Ohne ein Ereignis von unglaublicher Wucht, das alles verändert hat, kann man diesen Wandel in der Zeitstruktur, den Übergang vom Sabbat als dem inneren Dreh- und Angelpunkt der jüdischen Existenz hin zum Sonntag nicht erklären. Für mich ist diese Revolution im Zeitverständnis einer der sichersten Beweise dafür, dass an diesem ersten Tag etwas absolut Außergewöhnliches geschehen ist, nämlich tatsächlich die Begegnung mit dem Auferstandenen. Seitdem hat sich die Struktur der Zeit verändert, und der erste Tag ist der Tag, an dem die Gemeinschaft der Gläubigen Jesus begegnet; die Zeit wird durch den Sonntag strukturiert. Damit ändert sich auch die Symbolik der Vision dieses Tages: Während der Sabbat der Tag der Ruhe war, der zwischen Gott und Mensch, zwischen dem Menschen und der ganzen Schöpfung geteilt wurde, ist der erste Tag der Tag der Schöpfung, für die Christen der Tag der neuen Schöpfung. Wir sehen, dass mit diesem Tag die Schöpfung von Neuem beginnt und wir in die Dynamik der neuen Schöpfung eintreten. (...) Wie am ersten Tag dringt der Atem Gottes in uns ein und verleiht uns eine neue Dimension der Zugehörigkeit zu Gott. Die Kirchenväter haben in diesem Zusammenhang gesagt, dass das Wort ‚nach dem Bilde Gottes geschaffen‘ bedeutet: im Vorgriff auf Christus. Alle Menschen sind nach dem Vorbild Christi geschaffen und damit Ebenbilder Gottes. Es bedeutet, dass wir in dem Maße, in dem wir Christus gleich werden, Ebenbilder Gottes sind, und wir werden wie Christus, das Ebenbild Gottes, nicht aufgrund von etwas Äußerem, sondern aufgrund dessen, was in uns atmet. Wir atmen den Atem Christi. Wir leben innerlich wie Christus und werden so wirklich zu Ebenbildern Gottes, zu Kindern Gottes, zu Mitgliedern der Familie Gottes.“

Benedikt XVI., Predigt vom 11. April 2010 (vgl. communio.de, 7. April 2024).

 

 

„Während im Tempel [von Jerusalem] die Osterlämmer verbluten, stirbt draußen vor der Stadt ein Mensch, stirbt Gottes Sohn, getötet von denselben, die ihn im Tempel zu verherrlichen meinen. Gott stirbt als Mensch – er gibt sich selber ganz den Menschen, die sich ihm nicht zu geben vermögen, und setzt so an die Stelle des vergeblichen kultischen Ersatzes die Wirklichkeit seiner allgenügenden Liebe. Der Brief an die Hebräer hat die kleine Anspielung des Johannesevangeliums weiter ausgebaut und die jüdische Liturgie des Versöhnungstages als bildhaftes Vorspiel für die wirkliche Lebens- und Sterbensliturgie Jesu Christi ausgelegt. Was sich vor den Augen der Welt als durchaus profaner Vorgang darstellte, als die Hinrichtung eines Mannes, der als politischer Verbrecher verurteilt war, das war tatsächlich die einzige wirkliche Liturgie der Weltgeschichte – kosmische Liturgie, in der nicht im abgezirkten Bereich des liturgischen Spiels – im Tempel –, sondern vor der Öffentlichkeit der Welt Jesus durch den Vorhang des Todes hindurch in den wirklichen Tempel: vor das Angesicht des Vaters trat und nicht das Blut von Ersatzwesen brachte, sondern sich selbst – wie es wahrer Liebe gemäß ist, die nicht weniger schenken kann als eben sich. Die Wirklichkeit der Liebe, die sich selber gibt, ist an die Stelle des Spiels mit dem Ersatz getreten, das nun für immer ausgespielt ist. Der Tempelvorhang ist zerrissen; fortan gibt es keinen Kult mehr als die Teilhabe an der Liebe Jesu Christi, die der immerwährende kosmische Versöhnungstag ist.

Joseph Ratzinger, Mediationen zur Karwoche, 1969.                                                                               

 

„Benedikt XVI. beklagt in dem jetzt veröffentlichten Text [Was ist das Christentum?], dass sich das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) ‚nicht mit der grundsätzlichen Infragestellung des katholischen Priestertums durch die Reformation des 16. Jahrhunderts auseinandergesetzt‘ habe. Das sei eine ‚Wunde, die sich nun bemerkbar macht und die nach meiner Ansicht nun endlich einmal offen und grundsätzlich angegangen werden muss‘. Der ehemalige Papst gibt zu bedenken, dies sei ‚ebenso wichtig wie schwierig, weil daran das gesamte Problem der Schriftauslegung hängt, deren Hermeneutik durch Luther definiert wurde‘. Benedikt XVI. sieht Luthers grundsätzlichen Fehler darin, dass er einen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen dem Priester-Begriff des Alten Testaments und dem von Jesus gestifteten Priestertum konstruiere. Luthers gesamte Konstruktion gründe auf dem Kontrast von Gesetz und Evangelium, zwischen Rechtfertigung durch Werke und Rechtfertigung allein durch den Glauben. In Wahrheit habe aber schon die frühe Kirche das Priestertum des Alten Testaments mit den Dienstämtern des Neuen Testaments verbunden und die Rechtfertigung durch Glauben und durch Werke nicht als Gegensatz gesehen. (…) ‚Es ist offensichtlich, dass das moderne Denken (...) mit Luthers Ansatz besser zurechtkommt als mit dem katholischen. Denn eine pneumatologische Schriftauslegung, die das Alte Testament als einen Weg hin zu Jesus Christus deutet, ist für das moderne Denken beinahe unzugänglich. Aber dennoch ist klar, dass Jesus nicht im Sinne eines radikalen >sola fide< [allein der Glaube] gedacht hat, sondern im Sinne einer Erfüllung des Gesetzes und der Propheten. Es ist Aufgabe der neuen Generation, die Voraussetzungen für ein erneuertes Verständnis dessen zu schaffen, was ich hier dargelegt habe‘.“

Benedikt XVI.: Mahlfeier mit Protestanten theolisch unmöglich, katholisch.de, 18. Jan. 2023

 

„Das Verdienst von Benedikt XVI. ist es, immer wieder an das unterscheidend Christliche erinnert zu haben: Gott ist keine anonyme Instanz, er hat im Leben und Sterben Jesu sein Angesicht gezeigt, jeder Mensch ist Adressat der frei machenden Wahrheit des Evangeliums. Die Kirche aber ist Glaubensgemeinschaft, die um das Heilige zentriert ist und zu einem Lebensstil in den Spuren Christi einlädt. Zugleich hat Benedikt die Sorge geäußert, dass mit dem Verblassen des Gottesglaubens gerade in Europa die moralischen Grundlagen der Gesellschaft erodieren. Die Forderung nach einem Recht auf Abtreibung im Namen reproduktiver Selbstbestimmung oder die gesetzliche Freigabe des assistierten Suizids wird seine Skepsis gegenüber dem modernen Autonomie-Denken weiter verstärkt haben. Wenn die Moderne für Schöpfung, Sünde und Erlösung kaum angemessene Kategorien bereithält, läuft dann eine nachholende Selbstmodernisierung der Kirche nicht auf eine Abflachung zentraler Sinngehalte des Glaubens hinaus? Die Provokation dieser Frage haben die Verfechter des Autonomiedenkens stets registriert und teils bissig kommentiert. Die Gefahr einer entgleisenden Moderne wird indes auch von religiös unmusikalischen Zeitgenossen gesehen, die für die humanisierende Kraft des Christentums ein waches Gespür haben.“

Jan-Heiner Tück, Benedikt XVI.: Größe und Grenze eines Pontifikats, in: katholisch.de, 31.12.2022

 

„Am Morgen des 24. Oktober [1962] ließ der Papst [Johannes XXIII.] in der amerikanischen und in der sowjetischen Botschaft [angesichts der Kuba-Krise] seinen Friedensappell überreichen: ‚Wir flehen alle Regierenden an, vor dem Schrei der Menschheit nach Frieden nicht taub zu bleiben (...), die Verhandlungen wiederaufzunehmen (...). Gespräche auf allen Ebenen und zu jeder Zeit in Gang zu bringen, zu begünstigen und zu akzeptieren, ist eine Regel der Weisheit und Klugheit (...).‘ Diese Botschaft sei ‚der einzige Hoffnungsschimmer‘ gewesen, sagte später der ehemalige Ministerpräsident der Sowjetunion, Nikita Chruschtschow. Am 26. Oktober 1962, als Chruschtschow sich zum Abzug seiner Raketen aus Kuba bereit erklärte, druckte die Moskauer "Prawda" den Friedensappell des Papstes.“

Simon Kajan (KNA), Vor 60 Jahren: Als der Atomkrieg beinahe Wirklichkeit geworden wäre

 

„Mit der Option für eine Hermeneutik der Vielfalt und der Vieldeutigkeit [in der Bibel] vollzieht der Orientierungstext [des Synodalen Weges] einen raffinierten exegetischen Schachzug. (…) Die Bedeutungsvielfalt biblischer Texte, von der die Kirchenväter ausgehen, ist nicht unbegrenzt. Sie sprechen von einem zweifachen Schriftverständnis, das in ein vierfaches, jedoch nicht in ein vielfaches weiter entfaltet werden kann. Die einzelnen Schriftsinne stehen nicht beziehungslos nebeneinander und können nicht ins Unendliche multipliziert werden, sondern bauen logisch aufeinander auf und entfalten so eine Dynamik, die letztlich auf das Verständnis der einen, im Text verborgenen Wahrheit zielt. (…) Das Modell des vierfachen Schriftsinnes, das auch vom Katechismus der Katholischen Kirche vorausgesetzt wird (KKK 115–119), zielt also darauf ab, in den vielen Worten – auch des Alten Testaments – das ein Wort, das verbum incarnatum, Christus zu finden.“

Ludger Schwienhorst-Schönberger, Logisch mangelhaft…, in: Welt&Kirche, Beilage DT, 29. Sept. 2022

 

„In der durch Ostern neu gewordenen Zeit feiert die Kirche alle acht Tage am Sonntag das Heilsereignis. Der Sonntag ist, bevor er ein Gebot ist, ein Geschenk Gottes an sein Volk (weshalb er von der Kirche mit einem Gebot geschützt wird). Die sonntägliche Feier bietet der christlichen Gemeinschaft die Möglichkeit, sich durch die Eucharistie formen zu lassen. Von Sonntag zu Sonntag erhellt das Wort des Auferstandenen unsere Existenz und will in uns wirken, wozu es gesandt wurde (vgl. Jes 55,10-11). Von Sonntag zu Sonntag will die Gemeinschaft mit dem Leib und dem Blut Christi auch unser Leben zu einem dem Vater wohlgefälligen Opfer machen, in geschwisterlicher Gemeinschaft, die zum Teilen, zur Aufnahme und zum Dienst wird. Von Sonntag zu Sonntag stärkt uns die Kraft des gebrochenen Brotes in der Verkündigung des Evangeliums, in der sich die Authentizität unserer Feier zeigt“ (n. 65).

Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben „Desiderio desideravi“ über die liturgische Bildung des Volkes Gottes (29. Juni 2022)

 

„Die Entscheidung [der Jesuiten], in großer Zahl ‚Schulen für alle‘ zu gründen, für Arm und Reich, war für das bisherige Ordenswesen völlig neu. Diese Art von Volksbildung im Sinne des katholischen Glaubens, der Gegenreformation und des Humanismus brachte die Jesuiten mitten in die Geschäfte der Welt: in die Physik, Alchimie, Literatur, ins Theater, die Astronomie und Architektur - und an die schnöde Geldbeschaffung. Denn da sie kein Schulgeld verlangten, mussten die mitunter riesigen Komplexe anderweitig finanziert werden. ‚Wer nicht in die Welt passt, passt auch nicht zu den Jesuiten‘, sagte Ignatius einmal – wohl auch in Abgrenzung zur Weltflucht in manchen traditionellen Orden. Die ‚Gesellschaft Jesu‘ breitete sich mit Tempo über ganz Europa aus und war bald so angesehen wie beneidet. Ignatius von Loyola war der Macher, zugleich geistlicher Vater und Wächter. Mehr als 1.000 Mitglieder in 100 Niederlassungen gab es bei seinem Tod 1556. Unfassbar, wie er sein Werk auf Kurs bringen und in den letzten Lebensjahren halten konnte, trotz Nierensteinen und den Folgen seiner Kriegsverletzung. Der stolze Baske starb allein in seiner Kammer. Die Brüder hatten gedacht, es gehe ihm besser.“

Alexander Brüggemann, Der Feuereifrige aus dem Baskenland. Vor 400 Jahren Heiligsprechung des Ignatius von Loyola (KNA, 31, Juli 2022)

 

„Auf die Frage, ob es ein gemeinsames Gebet mit den Muslimen geben könne, antwortet [der Islamologe] Pater François Jourdan: ‚Natürlich nicht.‘ Man könne zwar an einem neutralen Ort – weder in einer Kirche noch einer Moschee – ‚eine Zeit des Gebets abhalten, bei dem jeder zu seinem Gott betet. Das habe ich schon erlebt. Ich bete in meinem Herzen, während der andere auf seine Art betet, die nicht die meine ist‘. Einfach deshalb, weil wir ‚nicht die gleiche Beziehung zu Gott haben‘. Doch selbstverständlich sei der islamisch-christliche Dialog notwendig, meint Pater Jourdan. Doch die Fatiha – die erste Sure des Korans – mit zwei Imamen in einer Kirche beten, wie man es in Saint-Sulpice tat: ‚Nein, das ist nicht akzeptabel. Die Fatiha ist die erste Sure des Korans, es ist ein rituelles Gebet, das die Muslime siebzehnmal täglich aufsagen. Dieses kurze fundamentale Gebet endet mit den Worten ‚Führe uns nicht den Weg derer, die irregehen‘. Hierbei geht es laut der Gesamtheit der islamischen Auslegungs-tradition um Christen‘.“

Islamologe kritisiert gemeinsames Gebet von Katholiken und Muslimen; Interview mit der franz. Zeitschrift Famille Chréienne, DT, 21. Febr. 2022

 

„Auf die Frage einer Teilnehmerin, wie er dazu stehe, wenn Frauen sich durch Gottes Geist zum Priestertum berufen fühlten, verwies [Kardinal Kurt] Koch auf den Unterschied zwischen Berufung und Beauftragung. Gottes Geist berufe und beauftrage ‚alle in der Kirche, ihre besonderen Charismen zu leben‘. Die katholische Kirche sei aber überzeugt, dass ‚das geweihte Priesteramt an das männliche Geschlecht gebunden‘ sei. Daher müsse auch vor dem Hintergrund der Polarität von Frauen und Männern sorgfältig diskutiert werden, weshalb das Amt in der katholischen und orthodoxen Kirche an das männliche Geschlecht gebunden ist. (…) Zwischen katholischer und orthodoxer Kirche etwa gebe es fast vollkommene Übereinkunft, was die Bedeutung von Eucharistie, Amt und apostolische Sukzession angeht. Im Verhältnis zu den Kirchen der Reformation gebe noch sehr viel zu klären, so Koch, nicht nur mit Bezug auf die dort praktizierte Frauenordination. Zwar gebe es einen theoretischen Konsens, dass das kirchliche Amt von Gott eingesetzt sei. In der vielfach sehr unterschiedlich gehandhabten Praxis von Ordination und Beauftragung zeige sich aber eine sehr unterschiedliche Theologie.“

Kardinal Koch sieht Hindernisse bei Priester-weihe von Frauen (KNA 19. Febr. 2022)

 

„Christus wird geboren,/ um das einst gefallene Bild Gottes [= den Menschen Adam] wieder aufzurichten.“

Troparion (kurzer hymnischer Gesang des Jubels) in der Ostkirche

 

„Unser Gott hat sich also uns zur Speise gegeben, weil der zum Tod verdammte Mensch nur durch dieses Mittel wieder zum Leben gelangen konnte. Von der verbotenen Frucht genießend, war er dem Tode verfallen, und durch den Genuss vom Baum des Lebens wurde er wiedererkauft. In jener war die Angel des Todes, in diesem die Speise des Lebens. Indem er jene aß, wurde er verwundet, und der Genuss dieser machte ihn gesund; der Genuss hat verwundet, der Genuss hat geheilt. Die Heilung ist aus demselben hervorgegangen, welche die Wunde verursachte, und was uns den Tod brachte, hat uns das ewige Leben zurückgegeben. Denn von jenem ist gesagt: ‚An dem Tage, da ihr davon esset, werdet ihr des Todes sterben‘, und von diesem: ‚Wer von diesem Brot isst, der wird ewig leben.‘ O wesentliche Speise, die nicht den Körper, sondern das Herz, nicht das Fleisch, sondern die Seele vollkommen sättigt und wahrhaft nährt.“

Papst Urban IV., Bulle „Transiturus de hoc mundo“ zur Einführung des Fronleichnam-Festes (11. August 1264)

 

„Das Fest [Fronleichnam] selbst geht – einzigartig in der Kirche – auf die Eingebungen einer Ordensfrau zurück. Juliana von Lüttich hatte im Jahr 1209 im Alter von 16 Jahren eine Vision, die sich später mehrmals wiederholte. Sie sah die Mondscheibe mit einer schwarzen Linie darauf, ein seltenes Himmelsphänomen, das sie nach Gesprächen mit Theologen schließlich als Weisung Christi deutete: Der Mond stehe für das Kirchenjahr, die schwarze Trübung für das Fehlen eines Festes zur Verehrung der heiligen Hostie. Juliana suchte den Rat kluger Mitchristinnen, mit denen sie in Stille für die Eucharistie und die Einführung des Festes betete. Als die belgische Augustinernonne zur Oberin ihres Klosters gewählt wurde, warb sie unermüdlich für ihr großes Anliegen. ‚Nach anfänglichem Zögern nahm der Bischof von Lüttich, Robert von Thorote, den Vorschlag Julianas und ihrer Gefährtinnen an und führte erstmalig das Fronleichnamsfest in seiner Diözese ein‘… Sechs Jahre nach dem Tod der Ordensfrau wurde Fronleichnam ein Fest für die Weltkirche: Papst Urban IV., der zuvor Erzdiakon in Lüttich und Julianas Beichtvater gewesen war, setzte es 1264 als gebotenen Feiertag für die Universalkirche ein.“ 

Vatican News, 2. Juni 2021

 

„Einmal ging er (Ignatius) in Andacht dahin und setzte sich eine Weile mit dem Gesicht zum Fluss (Cardoner bei Manresa), der tief unten floss. Als er so dasaß, begannen sich die Augen des Verstandes zu öffnen. Nicht, dass er eine Erscheinung (visión) gehabt hätte, vielmehr verstand und erkannte er viele Dinge, sowohl geistliche als auch solche des Glaubens und der Wissenschaft; und dies mit einer so großen Erleuchtung (ilustración), dass ihm alle Dinge neu erschienen. Was er damals verstand, lässt sich nicht in Einzelheiten erklären, obgleich es viele waren, nur dass er eine große Klarheit im Verstand empfing. Wenn er im gesamten Verlauf seines Lebens bis zum Alter von 62 Jahren alle von Gott erhaltenen Hilfen zusammennnähme sowie all sein Wissen über die Dinge, so schien ihm nicht auch wenn er alles in einem Punkt zusammenbringen würde, dass er soviel erlangt hat wie jenes einzige Mal. Durch dieses Ereignis wurde sein Verstand so nachhaltig erleuchtet, dass ihm erschien, er sei ein anderer Mensch geworden und habe einen anderen Intellekt erhalten, als er zuvor hatte.“

Iñigo de Loyolas (1491–1556), Bericht des Pilgers (n. 30), autobiographisches Zeugnis (übersetzt von Michael Sievernich SJ).

 

„Die Todeswunden des Herrn sind Liebes-Wunden, Zeichen der Herrlichkeit der Liebes-Armut des Ewigen Lebens der gekreuzigten Liebe. In ihnen wird das Geheimnis des Todes im Reichtum der unendlichen ‚Liebes-Wonne‘ (Augustinus) offenbar. ‚Aus seinen Wunden fließen her, halleluja, fünf Freudenseen, fünf Freudenmeer, halleluja‘ [Friedrich Spee von Langenfeld SJ]. Der Liebes-Tod: tiefste Sprache der göttlichen Allmacht, die nicht in sich gefangen, nicht von sich selbst be-sessen ist, die an ihrer Herrlichkeit nicht wie an einem Raub festhält (Phil 2,6).“

Ferdinand Ulrich, Virginitas foecunda. Krippe und Kreuz – Fruchtbare Jungfräulichkeit, Einsiedeln 2021, 19

 

 „Der heilige Maximus der Bekenner hat uns gezeigt, dass sich mit der Kreuzigung Jesu die Dinge umgekehrt haben: Als der Teufel in das Fleisch des Herrn biss, hat er ihn nicht vergiftet – in ihm hat er nur unendliche Sanftmut und Gehorsam zum Willen des Vaters vorgefunden –, sondern im Gegenteil, er hat zusammen mit dem Angelhaken des Kreuzes das Fleisch des Herrn verschluckt, welches Gift für ihn war und für uns zum Gegengift geworden ist, das die Macht des bösen Feindes ausschaltet. (…) Es gibt in der Verkündigung des Evangeliums das Kreuz, es ist wahr, aber es ist ein Kreuz, das rettet. Durch das Blut Jesu geglättet ist es ein Kreuz mit der Kraft des Sieges Christi: Er besiegt das Böse und befreit uns vom bösen Feind. Es mit und wie Jesus zu umfassen, schon bevor man zum Predigen hinausgeht, erlaubt uns, das Gift des Ärgernisses zu erkennen und zurückzuweisen, mit dem der Teufel versuchen wird, uns zu vergiften, wenn in unser Leben unerwartet ein Kreuz eintreten wird. (…) Wir nehmen keinen Anstoß, weil die Verkündigung des Evangeliums ihre Wirksamkeit nicht von unseren gewandten Worten erhält, sondern aus der Kraft des Kreuzes (vgl. 1 Kor 1,17).“

Papst Franziskus, Gründonnerstag, Homilie bei der Chrisammesse am  (1. April 2021)

 

Die Menschen sind geboren „für viel größere Freuden und ein viel größeres Glück, als wir sie auf dieser Erde erleben können. Wir werden die Toten dereinst wiederfinden, und zwar mit der Erinnerung an das Vergangene, denn in uns befindet sich ein intellektuelles Gedächtnis, das ganz zweifellos unabhängig von unserem Körper ist.“

René Descartes, geboren vor 425 Jahren, in einem Brief nach dem Tod seiner Tochter Francine, gestorben 1640 mit nur fünf Jahren (vgl. Paula Konersman, KNA)

 

„Das Hochzeitslied der heiligen Vermählung Marias mit dem Hl. Geist und der Menschenwerdung des WORTES, das ihre Frucht sein sollte, ist das Hohelied, wo die Braut – sogar in wörtlichem Sinn – in erster Linie die heilige Menschheit des Herrn, in zweiter Linie die Muttergottes, in dritter Linie die heilige Kirche, in vierter Linie jede heilige Einzelseele ist, sowohl jene, die stets ihre Jungfräulichkeit bewahrt hat, als jene, die sie verloren hat, aber sich im heiligen Bade der Buße wieder gewaschen hat und dann zum größten Grad der Keuschheit gelangt ist. Wir sollten ohne Unterlass das Fest der göttlichen Hochzeit unserer Seele mit Jesus Christus feiern…“

Jesuitenpater Louis Lallemant, Die geistliche Lehre (Luzern 1948, 106).

 

„Das Tragen eines Kreuzes diskriminiert niemanden, das Tragen eines Kopftuchs schon. Frauen werden im Islam als Verkörperung verführerischer Kräfte für Männer gesehen. Deshalb sollen sie sich verhüllen und möglichst auch ganz aus der Öffentlichkeit verschwinden. Das ist der Grund für die Geschlechtertrennung, die wir auch bei den konservativen Muslimen hier haben: In den Moscheen ist der prunkvolle Eingang nur den Männern vorbehalten, die Frauen gehen über ein Hintertreppchen in einen Hinterraum.“ Zur Selbstrelativierung von Kirchenvertretern gegenüber dem Islam „gehört auch, dass Bilder im Vatikan verhängt wurden, als eine iranische Delegation kam. (…) In Jerusalem haben die Kirchenoberen ein Zeichen gesetzt, das – wohl auch von den Muslimen – so verstanden wurde, dass der eigene Glaube als nicht wirklich vollwertig gesehen wurde. (…) Christen werden in fast allen islamisch geprägten Ländern massiv verfolgt. Ihre Zahl und die der Juden nimmt hier kontinuierlich ab, der Bau von Kirchen wird erschwert oder verboten, die Organisation wird erschwert oder verboten, Einzelpersonen sind im Visier, es gibt Anschläge gegen Christen, da muss man sich nicht wundern, wenn sie das Land verlassen.“

Susanne Schröter, Professorin für Ethnologie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main und Leiterin des Forschungszentrums Globaler Islam, Interview  Jüdische Allgemeine (12. Okt. 2020).

 

„Das Wort des Allerhöchsten stieg zur Erde und kleidete sich/ in einen schwachen Leib mit zwei Händen./ Er nahm abwägend die beiden Harfen/ der Testamente links und rechts;/ die dritte (die Schöpfung) stellte er vor sich hin,/ damit sie den beiden anderen Zeuge werde./ Denn die mittlere Harfe bewies,/ dass er der Herr war, der auf ihnen spielte./ Wer schaute staunend unseren Herrn,/ wie er auf drei Harfen spielte!/ Er mischte in Weisheit, was in ihnen ähnlich klang,/ damit die Zuhörer (seine Göttlichkeit) nicht leugnen sollten./ Er einte Zeichen, Hinweise und Bilder/ aus Natur und Schrift, damit diese die Leugner widerlegten./ Mit der einen Natur verband er die beiden Testamente,/ damit die Leugner (seiner Gottheit) beschämt würden.“

Auszug aus den „Hymnen über die Jungfräulichkeit“ des Dichters und Mystikers Ephräm der Syrer (um 306–373), der am 5. Okt. 1920, vor 100 Jahren, von Papst Benedikt XV. zum Kirchenlehrer erhoben wurde.

 

„Der hl. Hieronymus sagt: ‚Die Heilige Schrift nicht kennen heißt, Christus nicht zu kennen.’ (…) Wir dürfen die Heilige Schrift nicht als Wort der Vergangenheit lesen, sondern als Wort Gottes, das sich an uns wendet, und müssen versuchen zu verstehen, was der Herr uns sagen will. Um aber nicht in den Individualismus zu verfallen, müssen wir uns vergegenwärtigen, dass das Wort Gottes uns gerade deshalb gegeben ist, um Gemeinschaft aufzubauen, um uns auf unserem Weg zu Gott hin in der Wahrheit zu vereinen. Obwohl es also immer ein persönliches Wort ist, ist es auch ein Wort, das Gemeinschaft errichtet, das die Kirche auferbaut. Deshalb müssen wir es in der Gemeinschaft mit der lebendigen Kirche lesen. Der bevorzugte Ort des Lesens und Hörens des Wortes Gottes ist die Liturgie, in der wir durch das Feiern des Wortes und durch die Vergegenwärtigung des Leibes Christi im Sakrament das Wort in unserem Leben verwirklichen und es unter uns gegenwärtig machen. Wir dürfen nie vergessen, dass das Wort über die Zeiten hinausreicht. Die menschlichen Meinungen kommen und gehen. Was heute sehr modern ist, wird morgen uralt sein. Das Wort Gottes hingegen ist das Wort des ewigen Lebens, es trägt in sich die Ewigkeit, das, was für immer gilt. Indem wir in uns das Wort Gottes tragen, tragen wir also in uns das Ewige, das ewige Leben.“

Papst Benedikt XVI., Kirchenväter und Glaubenslehrer (2008,, 144f) zum heiligen Kirchenlehrer Hieronymus, gestorben vor 1600 Jahren am 30. September 420 in Bethlehem.

 

„Die christliche Verkündigung ist etwas Schönes. Denn sie verheißt den Nachlass der Sünde, die Gerechtigkeit, die Heiligkeit, die Erlösung, die Gotteskindschaft, das Erbe des Himmels und die Stammesverwandtschaft mit dem Sohne Gottes. Was könnte also solcher Frohbotschaft noch irgendwie gleichkommen? Gott auf der Erde, der Mensch im Himmel!“

Johannes Chrysostomos von Antiochia († 14. Sept. 407), vgl. HerKorr 9/2020, 12.

 

„Es gibt in der Geschichte des Christentums sapientale [weisheitlich] und wissenschaftliche Theologie. Bis ins 13. Jahrhundert war Theologie das von Liturgie, Verkündigung und Meditation nicht getrennten Verstehen des kirchlich gelebten Glaubens, also ‚verstehenden Eindringen in den Glauben’ (‚intellectus fidei’). Erst im 13. Jahrhundert entsteht eine wissenschaftliche Theologie, die klar unterscheidet zwischen dem gelebten Glauben der Kirche einerseits und andererseits der Verantwortung dieses Glaubens vor dem Forum der philosophisch (später auch historisch-kritisch und naturwissenschaftlich) argumentierenden Vernunft. Durch wissensch. Theologie … gelangt man nicht zum Glauben. (…) Nur wo Theologie dem gelebten Glauben dienen will, ist sie gegen die Krankheit der Ideologie gefeit.“

Der emeretierte Bonner Dogmatiker Karl-Heinz Menke im Interview „Theologie ist Christologie“ (DT 13. Aug. 2020).

 

„Die islamische Theologie ist ein Spiegelbild der politischen Verhältnisse ihrer Zeit. Schon 30 Jahre nach Mohammeds Tod begann unter den Omayyaden die lange Epoche der Kalifendynastien. Die Kalifen verstanden sich als Stellvertreter Gottes auf Erden, Staat und Religion wurden eine Einheit. Um ihren politischen Machtanspruch zu legitimieren, förderten sie eine Theologie, die ein streng autoritäres Gottesbild erschuf. Allah wurde zu einem strafenden Wesen, das totalen Gehorsam und Unterwerfung fordert – genau wie die politischen Machthaber. Von Gottes Liebe und Barmherzigkeit blieb nicht mehr viel übrig.“ Die islamischen Theologen konzentrierten „sich auf Aussagen, aus denen sich hierarchische Unterwerfungsstrukturen ableiten ließen: die Unterwerfung der Untertanen unter den Herrscher, der Frau unter den Mann, der Kinder unter den Vater, der Nichtmuslime unter die Muslime. Das Patriarchat wurde sozusagen von oben nach unten durchgereicht. Diese Strukturen ziehen sich bis heute durch die meisten islamischen Gesellschaften und verhindern Demokratie und individuelle Freiheit. (…) Einerseits nimmt der Einfluss des politischen Islam und seiner Unterwerfungsstrukturen zu. Auch in Deutschland. Die Ideologie der radikalen Muslimbrüder ist in einigen Islamverbänden durchaus vertreten und wird aus dem Ausland gefördert. Diesen Kräften geht es nicht um die Integration der Muslime, sondern um den Erhalt dieser seit Jahrhunderten anerzogenen Muster von Unterwerfung. Es ist perfide, wenn sie sich dabei auf die Religionsfreiheit berufen und sich als Opfer von ‚Islamophobie’ darstellen.“ Andererseits sind es nur „wenige Theologen, die sich für eine konsequente Spiritualisierung des Islam einsetzen.“

Der Islamwissenschaftler Mouhanad Khorchide im KNA-Interview zu seinem neuen Buch „Gottes falsche Anwälte - Der Verrat am Islam“, Herder 2020 (vgl. KNA-ÖKI, 7. 7. 20).

 

„Wenn wir nämlich die intime Zusammengehörigkeit von Christus und seiner Kirche, die sein Leib ist, bedenken, dann ergibt sich eine elementare Einsicht für die ökumenische Suche nach der Einheit der Kirche. Es wird neu bewusst, dass Jesus nur eine Kirche gewollt hat und es letztlich nur eine Kirche geben kann, wie das Dekret des Zweiten Vatikanischen Konzils über den Ökumenismus „Unitatis redintegratio“ bereits in seinem ersten Artikel bekennt: ‚Christus der Herr hat eine einzige Kirche gegründet.’ In der heutigen Situation ist es vielleicht notwendig, diese Glaubenswahrheit einmal in pointierter Weise auszudrücken: Da die Beziehung Jesu Christi zu seinem Leib so eng und intim ist, dass man von einem Verhältnis zwischen Bräutigam und Braut sprechen darf, drängt sich die glaubenslogische Konsequenz auf, dass Christus auf keinen Fall polygam, sondern konsequent monogam und treu zu seiner einen Braut ist. Denn Christus hat nicht viele Leiber, sondern verbindet sich mit dem einen Leib seiner Kirche. Die Suche nach der sichtbare Darstellung dieses einen Leibes Christi ist für die Glaubwürdigkeit der Sendung Christi und seiner Kirche in der heutigen Welt von grundlegender Bedeutung.“

Kardinal Kurt Koch, Gottes Freude und Freude an Gott. Perspektiven heutiger Glaubens-verantwortung, Freiburg 2020, 469f.

 

„Gottes Offenbarung hat nach dem Zeugnis der Bibel dieses Ziel: Gott will, dass Menschen ihm ähnlich werden. Das geschieht, indem sie seine Einheit nachahmen. (…) Bernhard von Clairvaux begreift dies als Wiederherstellung der paradiesischen Ähnlichkeit mit Gott. Statt lost paradise als Menschenschicksal beklagen zu müssen, kommt das Verlorene als greifbare Möglichkeit wieder auf uns zu. Wenn wir Gott wieder ähnlich werden, nennt man das Frieden. (...) Bei dem mittelalterlichen Franziskaner-Theologen Bonaventura stoßen wir auf den Satz: ‚Die Liebe ist unter allen theologischen Tugenden die einendste, weil es ihr Akt ist, der den Menschen am gottförmigsten macht.’ (…) Er macht darauf aufmerksam, dass jeder Verlust der Einheit auch ein Verlust der Liebe ist. Die Geschichte der Kirchenspaltungen hat das hinreichend gezeigt. Weil aber Gottes Offenbarung darauf zielt, dass wir ihm ähnlich werden, ist eine Zerstörung der Einheit Verrat an Gott, wie und weil es Verrat an der Liebe ist.“

Klaus Berger, Glaubensspaltung ist Gottesverrat. Wege aus der zerrissen Christenheit, München 2006, 40f (der Heidelberger Neutestamentler ist am 8. Juni im Alter von 79 Jahren gestorben).

 

„Ein besonderes Gestaltungselement ist die Zahlensymbolik. Sie beruht auf der Tatsache, dass die Dinge dieser Welt, das Ganze und die Teile, in quantitativen Relationen zueinander stehen, so dass sich durch die Zahl Verhältnisse und Inhalte aussagen lassen. Die Drei ist beispielsweise in der christlichen Symbolik als Zeichen für den dreieinigen Gott eine heilige Zahl; sie stellt Vollkommenheit dar. Die Vier ist Symbol des irdischen Kosmos mit seinen Himmelsrichtungen. Hervorragende Bedeutung wird auch der Sieben, der unteilbaren Summe aus dem Göttlichen und dem Irdischen beigemessen, die, im Unterschied zur Sechs, der Zahl der irdischen Tage und Weltzeitalter, auf die Vollendung hinweist: auf den Tag, auf den Gott nach seinem Schöpfungswerk ruhte; auf den ‚letzten Tag’, der keinen Abend mehr hat, weil an ihm die Welt in Gott ihre Erfüllung erfährt; sieben Sakramente begleiten den Menschen auf seinem Weg in die Vollendung. Die Acht gewinnt für den Christen ihre Sinnhaftigkeit aus der Auferstehung des Herrn am achten Tag; sie überbietet die Sieben des alttestamentlichen Sabbat, wie der Neue Bund den Alten Bund überbietet.“

Hans Bernhard Meyer SJ, Was Kirchenbau bedeutet. Ein Führer zu Sinn, Geschichte und Gegenwart (Freiburg 1984, 11f).

 

„Wenn Ambrosius die Kirche betrachtet, so erscheint sie ihm unermesslich wie die Welt und wie der Himmel selbst, mit Christus als ihrer Sonne. Er stellt sich vor, der ganze orbis terrarum ruhe in ihrem Schoß, denn er ist sich bewusst, dass alle Menschen, ohne Rücksicht aus Ursprung, Rasse oder Lebenslage, zur Einheit in Christus berufen sind und dass die Kirche grundsätzlich schon jetzt diese Einheit darstellt.“ „Ich war … immer darauf bedacht, die Tradition der Kirche in dem bekannt zu machen, was sie an Universalstem, am wenigsten dem zeitlichen Wandel Unterworfenem bietet.“

Henri Kardinal de Lubac SJ (1896–1991), den Joseph Ratzinger als seinen „bedeutendsten und prägendsten Theologen bezeichnete“ (zit. nach Peter Seewald, Benedikt XVI. Ein Leben, 2020, 250; 253; 256).

 

„Pfingsten ist Ostern! Pfingsten ist kein eigenes, abgeschlossenes Ereignis, weit entfernt vom Osterfest: Nein, Pfingsten zeigt, was Ostern bedeutet. Pfingsten zeigt, wohin es führt, wenn wir nicht nur hören, dass der Gekreuzigte auferweckt wurde, sondern uns rufen lassen – aus dem Gewohnten, aus dem Normalen, aus dem Sicheren. Pfingsten heißt sich bewegen lassen. Pfingsten heißt Ostern ins Heute übersetzen. Pfingsten heißt durchlässig werden für das Wehen des Geistes, der wie ein Sturm kam. Pfingsten zeigt, wohin uns Ostern führen kann.“

Dorothee Sandherr-Klemp, in: „Magnificat. Das Stundenbuch” (2020).

 

„Der Heilige Geist ist der Geist der Vollendung, der Ausrüstung, des strömenden Reichtums… Wo die Kreatur an sich selbst krank und müde ist und ihrer Armut sich bewusst wird, soll sie ihn rufen. Er ist der Spender. Durch die Mitteilung seiner selbst macht er uns zu Ebenbildern des Sohnes. Er macht uns des neuen Lebens teilhaftig und fähig. Er schafft in uns den höheren Sinn, den höheren Willen und das höhere Herz, auf dass wir glauben, hoffen und lieben – das heißt: gottnah und gottverbunden leben können. Er ist der Spender der Gaben im engeren Sinne, der oft vergessenen, der unbekannten sieben Gaben des Heiligen Geistes.“

Pater Alfred Delp SJ, Novene zum Heiligen Geist (geschrieben wenige Wochen vor seiner Ermordung durch die Nazis am 2. Febr. 1945).

 

„Schon in dem ältesten nachösterlichen liturgischen Text, den wir kennen – in der Didache (um 100) – erscheint vor der Verteilung der heiligen Gabe das Hosanna zusammen mit dem Maranatha: ‚Es komme die Gnade und es vergehe die Welt. Hosanna dem Gott Davids. Wenn einer heilig ist, trete er hinzu; wenn einer es nicht ist, kehre er um. Maranatha. Amen’ (10,6). Sehr früh ist auch das Benedictus in die Liturgie eingegangen: Für die werdende Kirche was der ‚Palmsonntag’ nichts Vergangenes. Wie der Herr damals auf dem Esel in die Heilige Stadt einzog, so sah ihn die Kirche in der demütigen Gestalt von Brot und Wein immer neu kommen. Die Kirche begrüßt den Herrn in der heiligen Eucharistie als den, der jetzt kommt, der in ihre Mitte getreten ist. Und sie begrüßt ihn zugleich als den, der immerfort der Kommende bleibt und uns auf sein Kommen zuführt.“

Benedikt XVI., Jesus von Nazareth, Bd. 2: Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung (2010, 25)

 

„Das Ziel des Gelehrten ist die Vereinigung seines eigenen Geistes mit der dem Weltall eingeprägten geheimnisvollen Weisheit. Wie also könnte es zwischen dem Geist der Wissenschaft und dem der Religion einen Gegensatz oder gar eine Trennung geben? Die wissenschaftliche Forschung ist nur eine Form der religiösen Kontemplation.“

Die französische Philosophin und Mystikerin Simone Weil, „Die Einwurzelung“ (1942/43)

 

„Esau ist im Bild der Erzählungen dasjenige, was wir das Körperliche nennen, was andererseits auch das Weibliche ist, das immer schon fertig ist in dem Sinn, das es einen biologischen Entwicklungsweg von der Urzelle bis zum Übermenschen geht. Dieser ist dann Herr über alles. ‚Esau‘, 70-300-6, heißt ‚fertig, vollendet‘. Der Name stammt vom Wort ‚osse‘, 70-300-5, ‚tun‘. Esau möchte seinem Vater Isaak zeigen, dass der Traum von der Errichtung des Reiches hier in dieser Welt bis zu einem gewissen Grad erfüllt werden kann.“

Friedrich Weinreb, Leben in Freiheit. Die Erzväter in uns, Zürich 2017, 85

 

„Die Kirchenväter und großen Heiligen waren der Überzeugung, dass im Hohenlied [der Liebe] die tiefste und letzte Bestimmung des Menschen und der eigentliche Sinn seines Daseins aufleuchten, nämlich teilnehmen zu dürfen an der Liebesgemeinschaft Gottes. Damit ist dieses Gedicht gleichsam der Schlüssel für das Verstehen der Heilsgeschichte, die ja im Grunde nichts anderes ist als die ‚Geschichte der Liebe Gottes zu den Menschen’.“ „Theodoret hält das wörtliche Verständnis für eine Lästerung des Heiligen Geistes.“

Regina Willi, Die mariologisch-marianische Deutung des Hohenliedes, in: Manfred Hauke, Maria und das Alte Testament, 2015, 67; 72.

 

„Eingeladen kam der Herr zur Hochzeit (Joh 2,1-11). Was Wunder, dass er in jenes Haus zu einer Hochzeit ging, der in diese Welt kam, um Hochzeit zu feiern. Denn wenn er nicht zur Hochzeit gekommen wäre, so hatte er hier keine Braut. (...) Der Herr aber geht voll Sicherheit für seine Braut in den Tod. Er gibt sein Blut für jene hin, die in der Auferstehung sein eigen wird, der er sich aber schon verbunden hatte im Schoß der Jungfrau. Ist ja der Bräutigam das Wort [Gottes], die Braut das menschliche Fleisch, beides in eins der eine Sohn Gottes, der zugleich der Menschen Sohn ist. Als er das Haupt der Kirche wurde, war der Schoß der Jungfrau das Brautgemach. Aus ihr ging er hervor wie ein Bräutigam aus seinem Brautgemach, nach dem Worte der Schrift: ‚Heraus tritt er [der Sonnenstern] wie ein Bräutigam aus dem Brautgemach, wie ein Held in stolzer Freude zu laufen seinen Weg‘ (Psalm 19,6). Aus dem Brautgemach tritt er hervor als Bräutigam – und eingeladen kommt er zur Hochzeit.“

Augustinus (354–430), Kommentar zum Johannesevangelium

 

„Am Neujahrstag feiern wir diese Hochzeit zwischen Gott und Mensch, die im Schoß einer Frau ihren Anfang genommen hat. In Gott wird für immer unsere Menschheit sein, und Maria wird für immer die Mutter Gottes sein. Sie ist Frau und Mutter, das ist das Wesentliche. Von ihr, der Frau, ist das Heil ausgegangen, und folglich gibt es ohne die Frau kein Heil. Dort hat sich Gott mit uns verbunden und, wenn wir uns mit ihm verbinden wollen, geht es über denselben Weg: über Maria, Frau und Mutter. Deshalb beginnen wir das Jahr im Zeichen der Gottesmutter, der Frau, die die Menschheit Gottes geformt hat.“

Papst Franziskus am Hochfest der Gottesmutter Maria am Neujahrstag 2020

 

„Keiner hat in 300 Jahren so tiefe Gedanken gehabt wie er [Benedikt XVI.] – niemand. (…) Der tiefste Denker. Ich denke mit Verachtung daran, dass er vor dem Bundestag gesprochen hat und viele Abgeordnete das Plenum verließen. Und so wahrscheinlich die beste Rede verpassten, die dort je gehalten wurde. Einfach empörend!“

Filmregisseur Werner Herzog (77) über den emeritierten Papst Benedikt XVI. im Interview mit der „Welt“ vom 7. Dez. 2019, Feuilleton, „Natürlich lese ich auf Griechisch“.

 

„Karl Rahner hat mit Recht darauf aufmerksam gemacht, dass es sich hier [bei der ‚unbefleckt’, das heißt ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau Maria] nicht einfach um eine chronologische Aussage handeln kann: früher gerechtfertigt als die anderen. (…) Das Auseinanderfallen dessen, was der Mensch von Gott her ist, und dessen, was er in sich selber ist, der Widerspruch zwischen dem Wollen des Schöpfers und dem empirischen Sein des Menschen, das ist die Erbsünde. Die Erbsündefreiheit besagt dann, dass der Widerspruch zwischen dem Ist Gottes und dem ‚Nicht-Ist’ des Menschen bei Maria fehlt und daher das Urteil Gottes über sie reines Ja ist, wie sie selber als reines Ja zu ihm steht: Das Ineinanderfallen seines Ja mit Ihrem Sein als Ja, das ist Erbsündelosigkeit. (…) Die Immaculata-Lehre ist damit zuletzt Ausdruck der Gewissheit des Glaubens, dass es die heilige Kirche wirklich gibt – als Person und in Person. (…) Dazu gehört das Wissen, dass Gottes Bund in Israel nicht gescheitert ist, sondern zum Reis wurde, aus dem die Blüte, der Erlöser kam.“

Joseph Ratzinger, Die Tochter Zion. Betrachtungen über den Marienglauben der Kirche (1977)

 

„ ... ich freue mich, es zu sagen: gegen ein großes Zeitübel habe ich von Anfang an angekämpft: seit dreißig, vierzig, fünfzig Jahren habe ich nach meinen besten Kräften den Geist des Liberalismus im Religiösen abgewehrt. Nie waren der heiligen Kirche Vorkämpfer gegen ihn dringender nötig als heute, da er wie ein Netz der Versuchung über die ganze Welt hin verbreitet ist ... Liberalismus im Religiösen ist die Lehre, dass es keine bestimmte Wahrheit im Religiösen gebe, sondern dass ein Bekenntnis so gut wie ein anderes sei ... Die Menschen könnten in höheren Gedanken und Gefühlen brüderlich miteinander verbunden sein, ohne überhaupt gemeinsame Lehranschauungen zu haben oder deren Notwendigkeit einzusehen.“

Kardinal John Henry Newman – aus der Rede bei seiner Ernennung zum Kardinal am 12. Mai 1879 (im religiösen Liberalismus oder Relativismus sah Newman den größten Feind der Kirche und des Glaubens).

 

„Das Verstehen der Lehramtsentscheidung (der katholischen Kirche gegen die Frauenordination) steht und fällt mit dem Glauben an die Inkarnation. Weil Jesus als wahrer Mensch personal (hypostatisch) identisch war mit dem göttlichen Logos, ist sein Mannsein  ebenso von Bedeutung wie sein Judesein. Man muss das Thema Frauenpriestertum integrieren in die generelle Verhältnisbestimmung von Erlösung und Schöpfung; man muss neu nachdenken über den Zusammenhang zwischen der die Schöpfung bestimmenden Geschlechter-differenz und dem die Erlösungsordnung bestimmenden Verhältnis zwischen Christus und der Kirche. Und Schätze wie die von Hans Urs von Balthasar, Clive Staples Lewis und Louis Bouyer vorgelegten ‚Theologien der Geschlechter’ sind bis dato weithin ungehoben. Sie könnten wesentlich beitragen zu einem sakramentalen statt funktionalen Verstehen des besonderen Priestertums der Ordinierten.“

Dogmatiker Karl-Heinz Menke (Bonn) im Interview mit Domradio Köln „Kirche kann nie Demokratie werden“ vom 11. Sept. 2019.

 

Der Heilige Geist „ist der Tröster, der uns die Zärtlichkeit Gottes übermittelt. Ohne den Heiligen Geist löst sich das christliche Leben auf, da die Liebe fehlt, die alles zusammenhält. Ohne den Geist bleibt Jesus eine Figur der Vergangenheit, mit dem Heiligen Geist ist er eine heute lebende Person; ohne den Geist ist die Heilige Schrift toter Buchstabe, im Heiligen Geist ist sie Wort des Lebens. Ein Christentum ohne den Heiligen Geist ist ein freudloser Moralismus; mit dem Heiligen Geist ist es Leben. Der Heilige Geist bringt nicht nur Harmonie im Inneren, sondern auch im Äußeren und zwischen den Menschen. Er macht uns zur Kirche, er setzt aus verschiedenen Teilen ein einziges harmonisches Gebäude zusammen. (…) Das tut er seit der Schöpfung, denn er ist ein Spezialist darin, Chaos in Kosmos zu verwandeln und alles in Einklang zu bringen. (…)  Ohne den Geist jedoch ist die Kirche eine Organisation, die Mission Propaganda, die Gemeinschaft eine Anstrengung. (...) Das, was die Kirche am meisten braucht, ist der Heilige Geist (PAUL VI.). Er ‚kommt dorthin, wo er geliebt wird, wo er eingeladen ist, wo er erwartet wird' (Bonaventura) .“

Papst Franziskus in seiner Predigt an Pfingsten 2019

 

„Vater des Funkens hienieden ist das Feuer, seine Mutter ist das Holz, seine Brüder und Schwestern sind die anderen Funken; auf sie wartet das erste Fünklein [= Geistseele] nicht. Es jagt schnell hinauf zu seinem rechten Vater, welches der Himmel ist; denn wer die Wahrheit erkennt, der weiß wohl, dass das Feuer, sofern es Feuer ist, nicht ein rechter, wahrer Vater des Funkens ist. Der rechte, wahre Vater des Funkens und alles Feuerartigen ist der Himmel.“

 Meister Eckhart, Buch der Göttlichen Tröstung, Traktat I

 

„Durch den Namen Jod he vav he [JHWH], was der unaussprechliche Name [Gottes] ist, von dem die Kabbalisten sagen, dass er der Name des Messias sein wird, wird klar erkannt, dass er Gott und der Sohn Gottes sein wird, der durch den Heiligen Geist zum Menschen gemacht wurde, und dass nach ihm der Tröster [paraclytum] für die Vollkommenheit der Menschheit hinabsteigen wird.“ „Wie die wahre Astrologie uns lehrt, im Buch Gottes [= Kosmos] zu lesen, lehrt uns die Kabbala, im Buch des Gesetzes [= Thora] zu lesen.“

Giovanni Pico della Mirandola, 72 kabbalist. Konklusionen (Nr. 15 und Nr. 72), letzter Teil der 900 (400 + 500) Thesen, die der Graf von Concordia 1486, im Alter von 23 Jahren, an die Gelehrten der Welt verschickte, um sie dazu einzuladen, durch Disputation seiner Thesen in Rom nach einer Synthese der philosophischen und theologischen Traditionen zu suchen.

 

„Das Konzil [II. Vatikanum] hat die Kirche als eine charismatische Größe herausgestellt. Heute fällt man leider wieder auf ein rein institutionelles Kirchenverständnis zurück, indem wieder nur nach Reformen gerufen wird. Man muss die Kirche wieder als eine geistliche und universale Wirklichkeit ins Bewusstsein bringen. Das ist durch das Konzil angestoßen worden.“

Kardinal Walter Kasper im Interview „Es war die Erfüllung einer Sehnsucht“ am 9. Okt. 2012 in der Rheinischen Post

 

„Als Psychologe kann ich nicht beweisen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Aber ich weiß um die Weisheit der Seele. Und die Weisheit der Seele weiß, dass der Tod nicht das Ende ist.“

Carl Gustav Jung (1875–1961), Schweizer Psychiater, der Religion als praktische Hilfe zur Individuation verstand, als Analogie zum alchemistischen Wandlungsprozess.

 

„Weil diese Sefira [Bina/Verstand, die dritte des zehngliedrigen Sefiroth-Baums] die Welt des Lebens ist, wird sie `Olam ha-ba [die kommende Welt] genannt, und zwar weil sie beständig ihre Segnungen herausfließen lässt und täglich und allezeit, zu jeder Stunde kommt und Segnungen in die Welt ergießt, wie es heißt: ‚Und ein Fluss geht aus von Eden’ (Gen 2,10), ‚geht aus’, das heißt er bricht niemals ab (…) und er wird `Olam ha-ba genannt, weil er hervorgeht und beständig kommt.“

Josef Gikatilla, Tore des Lichts (1293), Tor VIII

 

„Wenn Gott sagt: ‚Eure Neumonde und Sabbate ertrage ich nicht’ [Jes 1,13], meint er: Nicht die jetzt gefeierten Sabbate will ich, sondern allein den Sabbat, den ich selbst gemacht habe, den Sabbat, an dem ich selbst die ganze Weltgeschichte zur Ruhe bringen und den Anfang des achten Tages machen werde, das heißt: den Anfang einer anderen, neuen Welt. Deswegen begehen wir auch den achten Tag, den Sonntag, uns zur Freude als ersten Tag. Denn an diesem Tag ist Jesus auferstanden von den Toten und den Jüngerinnen und Jüngern erschienen und in den Himmel hinaufgestiegen.“

Frühchristl. Barnabasbrief (1./2. Jh.), Kap. 15.

 

„Indem er (Jesus) seine Stunde mit den Undrehungen von Mond und Erde, mit den Gezeiten der Natur verbindet, stellt er seinen Tod in einen kosmischen Zusammenhang hinein und bezieht so umgekehrt den Kosmos auf den Menschen. In den großen Festen der Kirche feiert die Schöpfung mit, oder umgekehrt: In diesen Festen stimmen wir in den Rhythmus der Erde und der Gestirne ein und nehmen ihre Kunde an. Deshalb ist auch der neue Morgen der Natur, den der erste Frühlingsvollmond markiert, ein Zeichen, das wirklich zur Osterbotschaft gehört.“

Joseph Ratzinger, Schauen auf den Durchbohrten (1984; „Das Lamm erlöste die Schafe“).

 

„Darum wird der Mensch Olam Katan, Mikrokosmos, genannt, weil in ihm die Gestalt (Ähnlichkeit) von allem ist, das es in der Welt gibt. Sein Körper entspricht der körperlichen Welt und seine rationale Seele entspricht der geistigen Welt, darum sagten die Philosophen (…), dass Philosophie die Selbsterkenntnis des Menschen ist, denn durch die Selbsterkenntnis erkennt er alles, d. h. die materielle Welt und die geistige Welt, und das ist Philosophie, denn sie ist die Weisheit der Weisheiten und deren Ziel, denn sie ist die Treppe und der Weg zur Erkenntnis des Schöpfers von Allem.“

Josef Ibn Zaddik, Sefer ha-Olam ha-Katan (Buch vom Mikrokosmos, 12. Jh.).

 

„Die heute vorherrschende Kultur des schönen Scheins, die den Menschen dazu verleitet, für vergängliche Dinge zu leben, ist eine große Täuschung. Denn sie ist wie eine Stichflamme: Sobald sie vorbei ist, bleibt nur noch Asche übrig. (...) Fastenzeit bedeutet wiederzuent-decken, dass wir für das Feuer geschaffen sind, das immer weiter brennt, nicht für die Asche, die sofort verglüht; für Gott sind wir geschaffen, nicht für die Welt; für die Ewigkeit des Himmels, nicht für den trügerischen Schein des Irdischen; zur Freiheit der Kinder Gottes, nicht zu einer Versklavung durch die Dinge. (...) Jesus, der am Holz des Kreuzes vor Liebe brennt, beruft uns zu einem von ihm entflammten Leben, das sich nicht in der Asche der Welt verliert; zu einem Leben, das vor Liebe brennt und nicht in der Mittelmäßigkeit erlischt.“

Papst Franziskus, Predigt am Aschermittwoch (6. März 2019) in der Bsasilika Santa Sabina auf dem Aventin in Rom.

 

„Was die Seele im Körper ist, das sind die Christen in der Welt. (...) Die Seele wohnt im Leib, aber sie hat dort nicht ihren Ursprung. Und die Christen leben in der Welt, aber sie haben drt nicht ihren Ursprung. (...) Die Seele hindert den Körper daran, sich ganz des Lüsten hinzugeben. So hasst die Welt auch die Christen, obwohl diese ihr nichts Böses getan haben, nur weil die Christen sich den maßlosen Trieben widersetzen.“

Brief an Diognet (2. Jh., Kap. VI)

 

„Jesus Christus, der aus unermesslicher Liebe das geworden ist, was wird sind, um uns zu dem zu vollenden, was er ist.“

Hl. Irenäus, Bischof von Lyon (um 135–um 200), Kirchenvater und „Vater der katholischen Dogmatik“

„Das einzigartige Wunderwerk der sinnenhaften Welt (ist) eine Quelle der Weisheit, eine unerschöpfliche Schatzkammer des Wissens, die schweigende Verkündigung Gottes selbst, der uns aus der Vielheit des Geschaffenen als dessen letztes gemeinsames Urbild anblickt.“

Hl. Maximos der Bekenner (580–662), der bedeutendste Theologe des 7. Jahrhunderts.

 

„Eigentlich sollte man jeden Hörer dieser Weisheit wie einen willkommenen Gast empfangen. (…) Der Anfang aller Weisheit ist ‚Das Sehen Gottes’ [Psalm 111,10]. (…) Es kann wohl einmal Furcht bedeuten, ist aber eher als ‚Ehrfurcht’ zu verstehen. Im Eigentlichen ist es aber das ‚Sehen’. Sehen in dem Sinne, dass man davon ganz überwältigt wird, dass man sich mit dem, was man sieht, eins fühlt. Das ist der Anfang der Weisheit; von dort also, vom Baum des Lebens aus, kannst du die Dinge der Welt richtig verstehen.“

Friedrich Weinreb, Die jüdischen Wurzeln des

Matthäus, Bd. I (Gast bei der Tradition).

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