Impulse zu den Bildwelten der Bibel

Ist der muslimische Gebetsruf Kirchengeläut vergleichbar?

 

Bild: In China galten die dort erstmals vor 5000 Jahren erwähnten Glocken als Bindeglied zwischen Himmel und Erde. Der jüdische Hohepriester musste am Jom Kippur mit der Glocke im Tempel den Ein-klang von ‚männlichem’ Klöppel und ‚weiblicher’ Glockenwand erzeugen. Im Buddhismus vereinigt die Glocke die Klänge aller Instrumente. Indische Christen feiern die Eucharistie mit den fünf Grundelementen, wobei das ‚fünfte’ (vereinigende) Element als Quint-essenz, der ätherische Raum, durch Glockenklang vergegenwärtigt wird. Turm-Glocken zeigen auch die Zeit an, die Wandlung bei der Eucharistie, die Freude bei Hochfesten und Hochzeiten, die Trauer bei Beerdigungen. Das ist weder ‚Propaganda’, noch das Credo – Glocke auf dem Turm der Kathedrale Santa Maria in Toledo im Herzen Spaniens, das von 712 bis 1085 unter der Herrschaft der Mauren stand.


Der Muezzin ruft fünfmal täglich Männer zum Gebet; zugleich verkündet er damit das Glaubensbekenntnis: „Allahu akbar …“ – „Allah ist der Allergrößte, mit nichts vergleichbar, und Mohammed ist der Gesandte Allahs“. Diesen öffentlichen Gebetsruf wird hierzulande dem Glockengeläut gleichgestellt. Aber: Mohammed ist kein Sohn Gottes, sondern Feldherr militärischer Siege, während Jesus seinen Ostersieg über Sünde und Tod zur Versöhnung und Verbindung von Himmel und Erde nicht durch Waffengewalt, sondern durch seine Selbsterniedrigung bis zum Tod am Kreuz erringt und so die (‚seit Adam’ hochmütigen) Menschen im Glauben (wieder) zu „Kindern Gottes“ macht, die im Heiligen Geist durch den Sohn zum gemeinsamen Vater im Himmel beten: In den Gläubigen betet der Geist und Christus selbst „ohne Unterlass“ zum Vater (1 Thess 5,17; Röm 8,26; Gal 2,20). Muslime verstehen sich hingegen nicht als „Kinder Gottes“; muslimische Frauen sind auch nicht gleichberechtigt, sondern ihren Männern, Väter oder Brüdern unterworfen, was sich auch beim nicht gemeinsamen Beten in der Moschee zeigt (Frauen sitzen hinter dem Bretterverschlag). Dass die Kirche keine Frauen zum Weihesakrament zulässt, ist dagegen nicht Ausdruck der Unterwerfung der Frau unter den Mann oder der Einschränkung ihrer freien Berufswahl. Vielmehr muss ein Weihekandidat von Gott (Christus) dazu berufen sein, ihn amtlich ‚als Haupt’ zu repräsentieren. Auch Paulus hat sich für das Apostelamt nicht beworben, sondern ihm wurde durch Christus der „Dienst der Versöhnung aufgetragen“ (2 Kor 5,18), weshalb er sich als „Knecht“ beziehungsweise „Sklave Christi Jesu“ (Röm 1,1) versteht, auf dem die Verkündigung des Evangeliums wie ein „Zwang“ liegt (1 Kor 9,16). Ein Weihekandidat verspricht bei seiner Weihe auf dem Boden ausgestreckt seinem Bischof lebenslangen „Gehorsam“. Jesus verlangt ihn natürlich auch von Petrus, bevor er ihn zum „Hirten“ seiner „Herde“ bestellt (Joh 21,18), und entsprechend dann auch von jedem Papst zur Ausübung des ‚Petrusdienstes’ der Einheit (Mt 16,18f). Durch die Weihe wird der Geweihte „Christus, dem Priester, gleichgestaltet“ (Querida Amazonia 87), der wiederum als der Herr der Diener aller geworden ist.

 

Warum ruht der Lieblingsjünger an Jesu Brust?

Bild: Das seit der Gotik beliebte Motiv der „Johannesminne“ geht zurück auf die Szene beim Abendmahl, wo sich der Jünger „an der Seite Jesu“, „den Jesus liebte“, „an die Brust Jesu“ lehnt (Joh 13,21-25). Lieblingsjünger hat er die intime Innenschau und Er-innerung (Minne) Jesu und aller Heilsgeheimnisse. Als solcher steht er mit Maria unter dem Kreuz und weist auf Jesu geöffnete Seite, aus der als Frucht seiner Liebeshingabe die Kirche als Braut hervorgeht (Joh 19,34f). Braut-sein heißt, „ganz in Ihm zu ruhen und Ihm erlauben, sich ganz in unserer Seele auszuruhen“ (Elisabeth von Dijon, gest. 1906) – Darstellung aus der Abteikirche des ehemaligen Zisterzienserinnen-Klosters Heiligkreuztal (Obeschwaben); nach römischen Recht wurde bei der Hochzeit die rechte Hand der Braut in die rechte Hand des Bräutigams gelegt.

 

 


Der Lieblingsjünger Jesu im Johannesevangelium ist namenlos, die Tradition identifiziert ihn mit dem Evangelisten selbst. Er wird von Jesus als erster berufen zusammen mit Andreas; es folgen dessen Bruder, Simon Petrus, Philippus, Natanael (Joh 1,35-51). Bei der Entdeckung des leeren Grabes liefert sich dieser Lieblingsjünger ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Petrus, dem ‚Haupt’ (Amt) der zwölf Apostel: „Aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als erster ans Grab. Er beugte sich vor, sah die Leinenbinden liegen, ging aber nicht hinein“, sondern lässt Petrus den Vortritt. Dann „ging auch der andere Jünger, der zuerst an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte“ (Joh 20,3-8). Der letzte Satz Jesu im 4. Evangelium vor dem Epilog und dem Nachtrag lautet in Bezug auf Thomas, dem er seine fünf verklärten Wundmale zum ‚Berühren’ darbot: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“ (20,29). Der Glaube der Kirche beruht auf der ‚Augen-Zeugenschaft’ der ersten Jünger und Apostel. In einem Gerichtsprozess machen Augenzeugen oft ganz unterschiedliche Angaben über das Gesehene, denn Sehen ist höchst subjektiv. Der Glaube aber, der darüber entscheidet, ob jemand „durch den Glauben das (ewige) Leben“ hat „in seinem Namen“ (20,31) oder nicht, braucht ein felsenfestes (‚objektives’) Fundament. Das kann nur ein tieferes, vom Heiligen Geist erleuchtetes Sehen sein, eine Ein-sicht, die auf der Er-innerung des Geistes beruht, der „euch an alles erinnern (wird), was ich euch gesagt habe“ (14,26). Auch die geisterfüllte Mutter Jesu „bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach“ Lk 2,19, vgl. 2,51). Diese Haltung der Innerlichkeit macht offen für das Wirken des Geistes im eigenen Leben. Im Alten Testament vermittelt der Priestersegen „die Ausgewogenheit zwischen Liebe und Grenze sowie zwischen Innerlichkeit und Äußerlichkeit“; das Resultat „ist Frieden – ein Wort, das im Judentum ebenfalls als Gottesname gilt“ (Gabriel Strenger, Die Kunst des Betens, 61). Der Auferstandene vermittelt diesen österlichen Frieden als vollkommene Einheit zwischen Innen- und Außenwelt, Geist und Natur (Materie), Seele und (auferstandenem) Leib allen, die die an ihn glauben und ihn lieben (Joh 20,19; 21,15-17).

Warum erscheint der auferstandene Jesus Maria Magdalena als Gärtner?

Bild: „In einem Garten ging die Welt verloren, in einem Garten wurde sie erlöst“ (Blaise Pascal). Besser: zu einem Garten. Die erlöste Welt soll wieder Paradies sein, Kirche, die die übernatürliche „Frucht der Gerechtigkeit“ sprießen lässt in Glaube und Liebe (Phil 1,11; Gal 4,27-31). Von Dornen, sagt Jesus, kann man keine Trauben und von Disteln keine Feigen ernten: „Jeder gute Baum [= gute Wille] bringt gute Früchte hervor, ein schlechter Baum aber schlechte“ (Mt 7,16f). Der Gerechte gleicht einem „Baum, der an Wasserbächen gepflanzt ist und zur rechten Zeit seine Frucht bringt“ (Ps 1,3). Der Auferstandene ist der wahrhaft Gerechte und Heilige, der alle in der Taufe als Mitsterben und Mitauferstehen mit ihm zur fruchtbaren „Gerechtigkeit und Heiligkeit“ zurückführt (Eph 4,24) –Fresko im Kreuzgang des Doms zu Brixen.


Gottes Geschichte mit dem Menschen beginnt im Garten Eden (= Wonne): „Dann legte Gott, der Herr, in Eden, im Osten, einen Garten an und setzte dorthin den Menschen, den er geformt hatte …, damit er ihn bebaue und hüte“ (Gen 2,8.15). Des Menschen Urberufung ist die ‚Gärtnerei’: das reiche Fruchtbringen. Die „alte Schlange“, der „feuerrote Drache“ (Offb 12,3.9), durchkreuzt dieses fruchtbar-hoffnungsfrohe Leben auf „grünen Auen“ (Ps 23,2) in Gottes Gegenwart: Indem sich das Geschöpf hochmütig aufschwingt zum Schöpfer, wird es erniedrigt zum „Wurm“: „Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet“, betet der Gekreuzigte , und: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ (Ps 22,2. 7). Die von Jesus ertragene Gottverlassenheit ist die des gefallenen Adam, der eigentlich gotterfüllt hätte sein sollen: en-thusiastisch. Jesus stirbt für ihn am Holz des Kreuzes, das er in seiner Auferstehung zum neuen Holz des Lebens macht. Und er selbst wird zum neuen Gärtner des Lebens im wieder erschlossenen Paradies, das er dem mitgekreuzigten reumütigen Schächer verheißt: „Noch heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43). Als neuer Adam und wahrer Gärtner des Lebens wird Jesu Leichnam in einen Garten gebracht, „und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war“ (Joh 19,41). Am Ostermorgen erscheint der Auferstandene der weinenden Maria aus Magdala unerkannt als „Gärtner“ und ruft sie bei ihrem Namen, so dass sie ihn erkennt (Joh 20,11-16). Der Apostolische Administrator von Augsburg, Bertram Meier, hat all diese Motive in seiner Predigt am „Hochfest der Auferstehung des Herrn 2020“ aufgegriffen. Ostern sei „ein Gartenfest des neuen Lebens“: „Am Karfreitag wird der Garten vorbereitet, in dem dieses Leben sprießen soll. (…) Damit korrigiert Jesus die Arbeit eines anderen Gärtners. Es ist Adam.“ Während Jesus als das Wahrheitswort des Lebens, als Gottes Samen-Wort, in die ‚Mutter Erde’ fällt und „reiche Frucht“ bringt (Joh 12,24), erntet Adam im Hören auf das hochmütige Lügenwort der Schlange statt Lebensfrüchten „Dornen und Disteln“ (Gen 3,18).

Warum nennt Jesus am Kreuz seine Mutter „Frau“?

Bild: Der neue Adam gebiert in „Blut“ (Eucharistie) und „Wasser“ (Taufe) aus seiner Seitenwunde die neue Eva: die Ekklesia als gekrönte Frau und Braut des Lammes (Joh 19,30). Am Paschalamm darf man „kein Gebein zerbrechen“ (V. 36; Ex 12,46). Jesu Opfer als wahres Osterlamm vollzieht sich parallel zur Schlachtung der Osterlämmer im Tempel am „Rüsttag des Paschafestes“ (Joh 19,14). Vorausgebildet ist das Heilsgeschehen im Alten Testament (Mose mit den zwei Gesetzestafeln), besonders im Hohelied der Liebe als „Vorausdarstellung der christlichen Initiation“: „Die Vermählung Christi mit der Kirche, die sich am Kreuze vollzog, geschieht weiter in der Kirche durch Taufe und Eucharistie: ‚Der Logos stieg herab, um sich seiner Braut zu vermählen. Er starb für sie aus freiem Willen, damit sie herrlich und makellos aus dem Bade der Reinigung hervorgehe…‘ (…) In der gesamten Initiation verwirklicht sich das eine hochzeitliche Mysterium“ (Jean Daniélou, Liturgie und Bibel) – Miniatur, Bible moralisée (um 1220/30).

 


Die Christenheit feiert ihr höchstes Fest Ostern im Anschluss an das jüdische Paschafest am ersten Sonn-tag nach dem Frühlings-Vollmond. Die Symbolik von (männlicher) Sonne und (weiblichem) Mond, die für die ganze Schöpfung stehen, ist für das biblische Weltbild – aber auch das der alten Kulturen –, grundlegend. Ostern ist das Fest der Erlösung, weil in Jesu Heilstod am Kreuz in seinem vergossenen „Blut des Bundes“ (Mt 26,28; Ex 24,8; Eph 2,13) der neue und ewige Liebesbund wieder geschlossen wird, und zwar mit der im Blut erworbenen ‚makellosen Braut’ der einen Kirche aus Juden und Heiden (Eph 2,11-22; 5,25-32), repräsentiert durch Maria-Eklesia unter dem Kreuz: „Als Jesus seiner Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er liebte, sagte er zu seiner Mutter: Frau, siehe, dein Sohn! Dann sagte er zu dem Jünger: Siehe, deine Mutter! Und von jener Stunde an nahm sie der Jünger zu sich“ (Joh 19,26f). Zuvor ist Maria beim (eucharistischen) Weinwunder auf der Hochzeit zu Kana (Joh 2,1-11) „als Braut und Mutter dargstellt. Sie ist die Braut des menschgewordenen Wortes und die Mutter der Kirche.“ Der „Ausdruck ‚Frau’ [griech. gyné] macht aus ihr die ‚neue Eva’, die ‚Frau’ des Neuen Bundes, die ‚Frau’ der messianischen Hochzeit, die ‚Frau’, welche die ‚Mutter Sion’, des neuen Israels, das ist die Kirche, ist“ (Stefano Manelli, Biblische Mariologie, 313; 336). Wegen des ‚Sündenfalls’ als ‚Bundesbruch’ tritt zunächst die Jungfrau Israel (Jes 62,4f), mit Ostern-Pfingsten dann die Jungfrau-Mutter Kirche an die Stelle der ursprünglich bräutlichen, mit dem Fall aber der ‚Herrschaft des Todes’ unterworfenen Schöpfung (Röm 8,20ff). Dass wegen der Corona-Pandemie 2020 erstmals in der Geschichte in der Karwoche keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden durften, empfanden nicht alle als schmerzlich. Eine evang. Kirchenmusikerin schrieb: „Geht die Kirche auch digital? Auf Dauer sicher nicht. Andererseits wird mir bewusst, dass Glaube und Spiritualität nicht an eine Institution gebunden sind.“ Für evangelische Christen bleibt die Kirche äußerlich, für katholische Christen gehört sie als geliebte Braut innerlich zum Kreuzmysterium als wiederhergestellten Bund der Liebe wesentlch dazu, gefeiert in jeder Eucharistie als „Hochzeitsmahl des Lammes“ (Offb 19,9).

Wie hängen Ostern, Eucharistie und Vollmond zusammen?

Bild: Am Vorabend zu seinem Leiden und Tod (am Freitag als 6. Schöpfungstag) aus erlösender Liebe zur geschaffenen Welt (Joh 3,16) setzt Jesus die heilige Eucharistie ein: Zeichen des neuen und ewigen Bundes in der Teilhabe an seinem Kreuzestod und seiner glorreichen Auferstehung. Brot und Wein werden zum Fleisch und Blut des österlichen verklärten Christus. Neben dem „Sakrament der Liebe“ ist das Kreuz, die Verbindung von Vertikaler (Himmel) und Horizontaler (Erde), das Zeichen dieses ewigen Bundes. Bei der Kreuzigung Jesu verdunkelt sich die Sonne (durch den Mond) für drei Stunden (Mt 27,45): Das himmlische Jerusalem und die in der Eucharistie begründete Kirche „braucht weder Sonne noch Mond“, „denn der Herr, ihr Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung, ist ihr Tempel, er und das Lamm“ (Offb 21,22f) – Darstellung äthiopisch, der Totenschädel am Kreuz verweist auf den alten Adam.


Der Frühlingsvollmond fällt in diesem Jahr auf den Mittwoch der Karwoche (8. April). Seit dem Konzil von Nikaia (325) feiert die Christenheit Ostern am ersten Sonn-tag nach dem Frühlingsvollmond, die Judenheit in der Vollmondnacht vom 14. auf den 15. Nissan (Ex 12,2.6). Denn das Pessach- oder Osterlamm hat seine kosmische Entsprechung im ersten Tierkreiszeichen Widder, Ostern ist daher auch ein Frühlingsfest (Chag ha-Awiw), aber in Erinnerung an die Herausführung Israels aus dem ‚Sklavenhaus’ Ägypten (Dtn 16,1). Der Frühling ist die Zeit der aufblühenden Liebe (Hld 2,11f) und des österlich auferstehenden neuen Lebens. Der Mond oder Luna symbolisiert mit dem Zyklus der vier Lichtphasen das Leben der geburtlichen und sterblichen Körperwelt. Die aus Adams ‚Rippe’ (= Sichelmond) ‚gebaute’ Erste Frau Eva ist die „Mutter aller Lebendigen“ (Gen 2,21f; 3,20), das heißt aller Sterblichen; Maria-Ekklesia als neue Eva (2 Kor 11,2) gebiert jungfräulich in der Taufe (in der Osternacht) das unvergängliche Leben der Teilhabe am auferstandenen Christus des Ostermorgens „am ersten Tag der Woche…, als eben die Sonne aufging“ (Mk 16,2). Der ‚erste Tag’ nach dem Sabbat (siebter Tag) ist auch der ‚achte Tag’ (Sonntag) oder die Oktav als Symbol der Ewigkeit (Lemiskate: ∞) in der Verbindung zweier Ringe: des Himmeläquators mit den Fixsternen und der Ekliptik, des Sonnenlaufs auf dem Band der zwölf Tierkreiszeichen als kosmisches Symbol des ‚Bundes’. Die beiden Ringe schneiden sich im Frühling und Herbst in den beiden Tagundnachtgleichen. Mit dem im Kreuzestod Jesu vergossenen „Blut des Bundes“ (Mt 26,28; Ex 24,8) in der Zeit der Schlachtung der Paschalämmer wird der im Sündenfall Adams gebrochene Gottesbund wieder geschlossen. Der Gekreuzigte ist daher das wahre Osterlamm (1 Kor 5,7; vgl. Joh 12,36 und Ex 12,46). Das liturgische Festjahr verbindet Sonnen- und Mondjahr. Als im Jahr 1209 die 16-jährige Augustinernonne Juliana von Lüttich mehrmals in einer Vision die von einem Fleck verdunkelte helle Vollmondscheibe schaute, wurde ihr dies als Fehlen eines eigenen Festes zu Ehren der hl. Eucharistie bedeutet, was Papst Urban IV. 1264 universalkirchlich einführte: das Hochfest Fronleichnam (= lebendiger Leib des Herrn).

Warum reitet Jesus auf einer Eselin nach Jerusalem?

Bild: Wenn Abraham und Isaak gemeinsam den Berg „Mori-jah“ (= JHWH ist mein Lehrer) hinaufsteigen, dann lassen sie die zwei Jungknechte mit dem Esel zurück (Gen 22,5). Die Zweiheit und der Esel stehen für die körperliche Welt, der Aufstieg mit dem Feuerholz und dem Feuer ist ein mystischer Aufstieg zur Einheit mit Gott im ‚Brandopfer’ und der Öffnung des Himmels (V.11). Auch der Einzug Jesu im Damensitz auf einer Eselin in seine Stadt Jerusalem ist der Einzug des messianischen Königs und Bräutigams zur mystischen Hochzeit, die sich dann am Kreuz vollzieht im Bundesblut des Lammes als Brautgabe (Hildegard von Bingen). In der Orthodoxie ist Palmsonntag eines der zwölf Hauptfeste des Kirchenjahres und vermittelt schon eine Vorahnung von Christi triumphierender Wiederkunft; Jerusalem wird dabei manchmal personifiziert als königliche Jungfrau – orthodoxe Ikone aus dem Höhlenkloster David Garedscha in Georgien nahe Aserbaidschan.


Im Segen Jakobs über seine zwölf Söhne heißt es: „Er (Juda) bindet an den Weinstock seinen Esel, an die Rebe das Füllen seiner Eselin“ (Gen 49,11). Diese auf den Messias bezogene Stelle greift Mt 21,2 auf: Jesus sagt zu seinen Jüngern, sie finden „eine Eselin angebunden und ein Fohlen bei ihr“, und Mk 11,2 ergänzt: „auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat.“ Von Juda heißt es zuvor, von ihm weicht nicht „das Zepter, der Herrscherstab von seinen Füßen, bis der kommt, dem er gehört, dem der Gehorsam der Völker gebührt“ (V.10). Gemeint ist „eine königliche Gestalt mit endzeitlicher Bedeutung aus dem Königsgeschlecht Juda, dem Haus Davids“ (Ralf Rothenbusch). Diese Stelle findet Widerhall beim Propheten Sacharja: „Juble laut, Tochter Zion! Jauchze, Tochter Jerusalem! Siehe, dein König kommt zu dir. Er ist gerecht und hilft; er ist demütig und reitet auf einer Eselin und auf einem Fohlen, dem Jungen eines Lasttiers.“ „Er vernichtet die Streitwagen aus Efraim... Er verkündet für die Völker den Frieden“ (Sach 9,9f; Mt 21,5). Der endzeitliche Friedensfürst kommt demütig auf einem Esel, nicht hoch zu Ross wie ein Kriegsheld. Die Stadt begrüßt ihn bei seinem Einzug als messianischen König: „Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn!“ „Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt“ (Mt 21,9; Mk 11,9f; vgl. Ps 118,25f). Der Gegensatz von Demut und Hochmut spiegelt sich in Esel und Pferd. Esel ist hebr. chamor, der Struktur nach gleich wie chemer = Lehm als „Ausdruck der Materie dieser Erde und des Körpers“. Wie das den Körper tragende Knochenskelett Ausdruck für die ‚männliche’ Seele ist, so steht der Körper aus Lehm (Esel) für die ‚weibliche’ Fleischseite: „Der ganze Leib in dieser Welt ist somit der weibliche Teil gegenüber der Seele als dem männlichen Teil des ganzen Menschen“ (Friedrich Weinreb, Schöpfung im Wort, 262; 264). Mose setzt seine Frau auf einen Esel und zieht mit ihr nach ‚Ägypten’ (= irdische Körperwelt), um ‚Israel’ (= göttliche Seele) daraus zu befreien (Ex 4,20). Der Pharao will Israels Auszug aus Ägypten verhindern: Mit „600 Streitwagen“, gezogen vom Pferd, hebr. sus, 60-6-60, zieht er hinter den „600.000“ Mann her (12,37; 14,7). Das Pferd als ‚Tier Ägyptens’ ist der unerlöste Körper vom 6. Tag.

Warum ist Jesus beim toten Lazarus zutiefst erschüttert?

Bild: Während der tote Freund Lazarus vier Tage im Grab ist und den Geruch des Todes verbreitet (Joh 11,39), verströmt der Geist-Gesalbte Jesus, der nach ‚drei Tagen’ aufersteht, bei seiner vorweggenommen Totensalbung den Wohlgeruch des Lebens: „Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt“ (Joh 12,3) – Capella Santo Stefano, Soleto (Südapulien).

 


Gott ist der „Freund des Lebens“, der „kein Gift des Verderbens“ geschaffen und „den Tod nicht gemacht“ hat (Weish 11,26; 1,13f); so auch Jesus: Gott „ist doch nicht der Gott der Toten, sondern der Gott der Lebenden“ (Mt 22,32). Alles natürlich Geborene muss auch sterben; auch Corona ist „natürlich“: „Die Natur ist zugleich die lebenschaffende und zerstörerische Kraft. Zum Anbeten der Natur gibt es keinen Grund, zum Staunen und Fürchten aber umso mehr. Wir Kreaturen haben kein Recht auf Gesundheit, Unverwundbarkeit oder gar Unsterblichkeit“ (Gotthard Fuchs, Dennoch Frühling, in: CiG 13/2020, 135). Anders die Bibel: „Gott hat den Menschen zur Unvergänglichkeit erschaffen“ (Weish 2,23). Die Hoffnung der Gerechten „ist voll Unsterblichkeit“ (3,4), die gottlosen Frevler aber sehnen sich nach dem Tod „wie nach einem Freund und schließen einen Bund mit ihm“ (2,16). Furcht gebührt nicht der Kreatur Natur, sondern dem Schöpfer des (ewigen) Lebens: Gottesfurcht ist der „Anfang der Weisheit“ (Spr 1,7). Gottes Sohn kommt in die Welt, „um durch seinen Tod den zu entmachten, der die Gewalt über den Tod hat, nämlich den Teufel, und um die zu befreien, die durch die Furcht vor dem Tod ihr Leben lang der Knechtschaft verfallen waren“ (Hebr 2,14f). Befreit werden sie im übernatürlichen Osterglauben als Sieg über die Welt, die „unter der Macht des Bösen“ steht (1 Joh 5,4.19). Jesus bringt der Welt (wieder) das Leben „in Fülle“ (Joh 3,16; 10,10) – durch die liebende Hin-gabe seiner selbst: „Der gute Hirt gibt sein Leben hin für seine Schafe. (…) Ich habe Macht, es hinzugeben, und ich habe Macht, es wieder zu nehmen“ (10,11.18). Bei der Erweckung des schon vier Tage toten Lazarus demonstriert Jesus seine Macht des Lebens und so seine göttliche Herrlichkeit: „Ich bin die Auferstehung und das Leben. Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt“ (11,25). Viermal ist Jesu „im Innersten erregt und erschüttert“, zweimal bei Lazarus (11,33.38), je einmal bei der Ankündigung des Verrats des Judas (13,21) und des Hinauswurfs des „Herrschers dieser Welt“, des Teufels (13,27), des Dia-bolos (Entzweiers, Verderbers). Jesus ist „eins“ mit dem Vater (10,30); ebenso sollen auch die Jünger, die an ihn glauben, „alle eins sein“ (17,21).

Was hat das Hochfest Mariä Verkündigung mit Ostern zu tun?

Bild: Das Hochfest der „Verkündigung Mariä“ feiert die jungfräuliche „Fleischwerdung des Herrn“, den Anfang des irdischen Lebens Jesu. Der 25. März, neun Monate vor Weihnachten, richtet sich nach dem Sonnenkalender, Ostern – am ersten Sonntag nach dem Frühlingsvollmond – nach dem Mondkalender. Anfang und das Ende des Lebens Jesu (am Karfreitag) können daher zusammenfallen, wofür die Orthodoxie einen eigenen Ritus hat. Da Weihnachten dem Osterfest nachgebildet ist, sind die Inhalte im Kern dieselben – eine von vier Außentafeln des Freiburger Hochaltars (Marienkrönung) von Hans Baldung Grien (das herabkommende Jesuskind oben rechts trägt schon sein Kreuz).

 


Das Hochfest Verkündigung des Herrn feiert die „Fleischwerdung des Herrn“ im Schoß der Jungfrau: Maria ermöglicht mit ihrem gläubigen Ja-Wort gegenüber dem „Heiratsantrag“ (Benedikt XVI.) Gottes durch den Engel Gabriel, dass Gottes Sohn Mensch werden kann als Auftakt der ‚ewigen Hochzeit’ von Schöpfer und Schöpfung. Papst Franziskus predigte am Hochfest der Gottesmutter Maria (1. Januar 2020): „Am Neujahrstag feiern wir diese Hochzeit zwischen Gott und Mensch, die im Schoß einer Frau ihren Anfang genommen hat.“ Dieser Anfang ist eben der Moment der Verkündigung, gefeiert am 25. März, dem alten Datum der Tagundnachtgleiche (julianischer Kalender) und zugleich Anfang des Frühlings, des Jahres und der Schöpfung. Neun Monate später wird die Jungfrau „Mutter der herrlichen Sonne“ (äthiop. Liturgie). Maria, aus der Christus seinen menschlichen Leib formt, gilt „als Miturheberin der Eucharistie“ (orth. Lexikon). Ihre Jungfrauengeburt ist Urbild der Taufgeburt als Wiederherstellung der Gottebenbildlichkeit des Menschen in „wahrer Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Eph 4,24). Das Gehen durch verschlossene Türen des Auferstandenen (Joh 20,19) wird vorweggenommen im Gehen durch die ‚verschlossene Tür’ der ‚immerwährenden Jungfräulichkeit’ Mariens. Daniel Munteanu bemerkt: Bei Athanasius und Maximus Confessor wird schon „die Menschwerdung des Logos als Anfang seiner Auferstehung“ gesehen; Christus hatte „schon seit seiner Geburt die Kraft der Auferstehung“ in sich, so dass „der achte Tag [der Neuschöpfung] mit seiner Menschwerdung beginnt“, so Cyrill von Alexandrien (Die Wirklichkeit der Auferstehung, 121-138). Im Papstschreiben Querida Amazonia heißt es (n. 236): „In der Eucharistie findet die Schöpfung ihre größte Erhöhung“; denn sie „vereint Himmel und Erde, umfasst und durchdringt die gesamte Schöpfung. Die Welt, die aus den Händen Gottes hervorging, kehrt zu ihm zurück in seliger und vollkommener Anbetung: Im eucharistischen Brot ‚ist die Schöpfung auf die Vergöttlichung, auf die hl. Hochzeit, auf die Vereinigung mit dem Schöpfer selbst ausgerichtet’ [Benedikt XVI.].“

In welchem Sinn heilt Jesus die Blindheit des Herzens?

Bild: Gott erschafft den Menschen durch den Anhauch seines lebensspendenden Geistes (Gen 2,7) und durch das Licht seiner Weisheit (Weish 9,2): „Sie ist strahlender als das Licht; denn diesem folgt die Nacht, doch über die Weisheit siegt keine Schlechtigkeit“ (7,29f). Die gefallenen Menschen hingegen glauben: „Durch Zufall sind wir geworden… Der Atem in unserer Nase ist Rauch", das Denken nur „ein Funke..., verlöscht er, dann zerfällt der Leib zu Asche, und der Geist verweht wie dünne Luft“ (Weish 7,2-4). So verurteilen sie den gerechten „Sohn Gottes“ zu einem „ehrlosen Tod“; „denn ihre Schlechtigkeit macht sie blind“ (Vv. 12-21) – Glasfenster aus der Kathedrale von Chartres (12. Jh.).


„Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12), sagt Jesus, der fleischgewordene Logos Gottes, „das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet“ (Joh 1,9) und die Blindheit des Herzens (Gewissens) heilt (Joh 9,1-12). Diese geistige Blindheit kommt von der Finsternis der falschen Selbst- und Weltliebe: „Die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht“ (Joh 3,19-21). John Henry Newman (1801–1890), der im Alter von 44 Jahren – „wegen der Kirchenväter“ – von der anglikanischen zur katholischen Kirche konvertierte, der am 12. Mai 1879 in Rom zum Kardinal erhoben und am 13. Oktober 2019 von Papst Franziskus heilig gesprochen wurde, liebte das milde Licht („friendly light“) der Wahrheit. Auf seinem Grabstein steht das Motto seines Leben: „Ex umbris et imaginibus in veritatem” – „Aus Schatten und Bilder zur Wahrheit“. Die katholische Schriftstellerin Ida Friederike Görres schreibt über Newman: „Diese Leidenschaft für die Wahrheit macht ihn – vielleicht verwundert das manchen – zum Gegenteil des Fanatikers. Weil die Wahrheit das Innerste, Wichtigste, Intimste, das unausweichlich Verpflichtende ist, kann nicht ehrfürchtig, diskret, behutsam genug mit ihr umgegangen werden: darf nirgends weniger mit Gewalt, List und Überredung versucht, darf die Glaubenswilligkeit der Menschen niemals unbillig belastet werden“ (Der Geopferte, ²2015, 120). Er sah die katholische Kirche mit ihrem Lehramt der Wahrheit verpflichtet, seine anglikanische Kirche hingegen nicht. Er erkannte, dass sie „die Wahrheitsfrage überhaupt nicht stellte – nur die nach der öffentlichen Meinung, der Opportunität und der Erhaltung der Macht“ (145). Er selbst wollte sich nur von „der zwingenden Wahrheitserkenntnis“ leiten lassen: „Ohne diese feste Entschlossenheit wäre ich schon früher katholisch geworden“ (176). Das Gewissen ist für Newman „der erste und ursprüngliche Statthalter Christi“, aber „die Unzulänglichkeit dieses Lichtes ist die Rechtfertigung jenes Amtes“, das heißt des Lehramtes der Kirche (237). „Die katholischen Heiligen allein bekennen ihre Sündhaftigkeit, weil sie … allein Gott schauen“ (238). „Selbsterkenntnis ist der Schlüssel zu den Geboten und Lehren der Schrift“ (239) – und der Kirche.

Ist der Heilige Geist eine weibliche „Geisteskraft“?

Bild: Die überlebensgroße Holzskulptur auf dem gläsernen Windfang am Hauptportal der Jesuiten-Kirche  „Heilig Geist“ in Heidelberg zeigt eine rot gewandete Frau mit roten Pumps, Feuerhaarschopf und nach draußen weisendem Gestus als Darstellung der weiblichen Geistekraft, hebr. „Ruach“ (Geist, Wind), geschaffen vom Leimener Holzbildhauer Bernhard Apfel. „Ruach“ ist im Hebräischen dem grammatikalischen Geschlecht nach überwiegend weiblich. Die dazu ausgehängte Erklärung nimmt auch Bezug auf die Jakobuskirche im oberbayerischen Urschallig aus dem 13. Jh. (richtig: Ende 14. Jh.), wo der Heilige Geist „als Frau dargestellt wird“; richtig ist, dass hier die 3. göttliche Person vielleicht feminine Züge hat, mehr aber auch nicht.


Im IV. Eucharistischen Hochgebet bittet die Kirche, dass der Heilige Geist das Erlösungswerk Christi auf Erden weiterführt „und alle Heiligung vollendet“. Heiligung bedeutet Angleichung an Christus, „den Heiligen und Gerechten“ (Apg 3,14), der „ohne Sünde“ ist und „erschienen ist, um die Sünde wegzunehmen“ (1 Joh 3,3-5). Der Heilige Geist ist dabei die „Salbung“, die in jedem ‚Christen’ (= Gesalbten) bleibt und ihn in der Wahrheit „belehrt“ (1 Joh 2,27). Zur Rechtfertigung der Darstellung des Heiligen Geistes als weibliche „Ruach“ in der Heidelberger Jesuitenkirche schrieb Pastoralreferent Hermann Bunse im Pfarrbrief 6/2018 unter dem Titel „Geisteskraft. Kein Stein bleibt auf dem anderen“: Bereits sei Ostern 2017 „bläst diese dritte göttliche Person das abgestandene Pneuma aus dem Kirchenschiff, zieht an den alten Bärten und verweist Ankommende und Gehende nach draußen, um die Welt immer neu, geistfrisch zu gestalten“. Mit Bezug auf die Pfingstsequenz „Komm herab, o Heiliger Geist“ (Gotteslob Nr. 344) und auf Papst Franziskus wird darauf abgehoben, „erhärtete Strukturen aufzulösen“ (gemeint ist die dogmatische Verfasstheit der Kirche und ihre soziale Gestalt), „die sich nicht auf den Grundstein gesetzt haben, der Christus selbst ist. Augenscheinlich verdünnt sich alles, was im Volks-Kirchen-Bewusstsein gespeichert ist. Kirchenauflösungen, Schließung vieler theologischer Fakultäten, Mitgliederschwund auf breitester ökumenischer Front.“ Was die sich die nach „Kirchenreform“ heute sehnenden Katholiken vom Papst und vom Heiligen Geist wünschen, ist bekannt: Frauenordination, Interkommunion, mehr oder weniger Abschaffung der kirchlichen Hierarchie. Papst Franziskus hat ihnen diesen Gefallen nicht getan, der Heilige Geist wird es auch nicht tun. Dieser ist in der Bibel durchaus ‚männlich’, denn der über den „Wassern“ schwebende „Geist Gottes“ (Gen 1,2), hebr. „Ruach Elohim“, ist in Zahlen 200-6-8 1-30-5-10-40, in der Summe 300; eng verwandt damit ist der beim Brandopfer dargebrachte „Wohlgeruch für Gott“, reach nichoach 200-10-8 50-10-8-6-8 = 300. Die 300 ist der Wert des vorletzten Buchstabens Schin ש: drei züngelnde Flammen. Das reinigende, heiligende „Feuer“ ist hebr. esch (1-300), „Mann“ ist isch (1-10-300).

 

Ist der alttestamentliche Gott grausam?

Bild: Die von Gott geforderte Opferung Isaaks durch Abraham gilt als Ausweis der Grausamkeit des alttestamentlichen Gottes. In Wahrheit ist der feuerholztragenden Isaak das alttestamentliche Vorausbild für den kreuzesholztragenden Jesus, der wie Isaak als „geliebter Sohn“ von seinem Vater aus Liebe zur Welt hingegeben wird (Joh 3,16; 19,17). Nach Paulus hat Gott „seinen eigenen Sohn nicht verschont“ (Röm 8,32) – in Anspielung auf den ‚verschonten’ Isaak, dessen Opfer im letzten Augenblick verhindert wird, aber gleichwohl als erbracht gilt. Cornelis de Vos und Jan Wildens malten um 1635 „Das Opfer Abrahams“ so, dass Isaaks Kopf auf gekreuzten Holzscheiten liegt, links im Gestrüpp ist der Widder (Lamm Gottes) – Städel Museum Frankfurt/Main.

 


Der alttestamentliche Gott, so der Philosophiehistoriker Kurt Flasch („Warum ich kein Christ bin“), sei „ein Gott der Rache, des exklusiven Bundesschlusses und des Zornes“: „Er ersäuft sie (die Menschheit) in der Sintflut, nur Noah kommt davon.“ „Der alttestamentliche Gott … ist archaisch-grausam.“ Der Gott der Philosophen hätte niemals „sagen können, dass er Jakob liebt und Esau hasst“ (vgl. Mal 1,2f; Röm 9,13). Nicht verstanden wird, dass sich Jakob/Israel und der ‚rote’, ‚haarige’ Zwillingsbruder Esau (Gen 25,25) wie ‚Geist’ und ‚Fleisch’ verhalten. Vor der Sintflut (als ‚Gericht’) sagt Gott: „Mein Geist soll nicht für immer im Menschen bleiben, weil er auch Fleisch ist“; „alle Wesen aus Fleisch auf der Erde lebten verdorben“ (Gen 6,3.12). Rettung gibt es nur durch den, der auch ‚Geist’ und deshalb ein ‚Gerechter’ ist wie Noah (6,9), der Zehnte nach Adam. Abraham wiederum ist der Zehnte nach Noah, seine ‚zehnte Versuchung’ ist die Opferung des ‚geliebten Sohnes’ Isaak auf dem Berg „Mori-jah“: „Gott ist mein Lehrer“ (der Weisheit der Thora). Gott erprobt damit Abrahams „Gottesfurcht“ (Gen 22,1.12) als „Anfang der Weisheit“ (Ps 111,10; Spr 1,7). Gottes Weisheit „tritt in heilige Seelen ein und schafft Freunde Gottes und Propheten; denn Gott liebt nur den, der mit der Weisheit zusammenwohnt“ (Weish 7,27f). Sie ist das „Bild seiner (Gottes) Vollkommenheit“ (V. 26), hebr. schalom: Friede, Harmonie des Ganzen. Durch die Weisheit wird der Gegensatz von Geist und Fleisch auf höherer Ebene geeint. Abraham und Isaak steigen „gemeinsam“ (Gen 22,8) den Berg hinauf, um das geforderte Opfer darzubringen: Isaaks Körper wird „hochgebracht“ (griech. ana-phora), Gott „nähergebracht“ (hebr. korban), ‚vergeistigt’ oder ‚verklärt’. Gen 22 ist daher Sinnbild für Tod und Auferstehung (Hebr 11,17-19) und Lesungstext in der christlichen Osternacht. Isaak ist bei seiner „Bindung“ 37 Jahre alt (seine Mutter Sarah bekommt ihn mit 90 und stirbt mit 127 Jahren: Gen 17,17; 23,1). Die Summe der ersten 36 Zahlen ergibt 666: Symbol der bloßen Diesseitigkeit (Erschaffung des Menschen am 6. Tag) oder sterblichen Körperlichkeit. Im ‚Aufstieg’ übersteigt der Mensch das ‚Fleisch’ und wird wieder „Bild Gottes“ in Weisheit, Gerechtigkeit und Heiligkeit (Weish 9,2f).

Warum ist das Hohelied der Liebe die Kehrseite des Sündenfalls?

Bild: Zur Zeit der Festlegung des jüdischen Bibelkanons (um ca. 90 n. Chr.) wurde unter den Schriftkundigen das Hohelied der Liebe allegorisch ausgelegt. Für Rabbi Akiba (2. Jh.) ist das Hohelied nicht nur heilig, sondern „hochheilig“ (Mischna Jadajim, Kap. 3). Mit dem Zeitalter der Aufklärung wurde aus dem innersten, allerheiligsten Kern des Alten Testaments eine Sammlung weltlicher Liebeslieder. Im kleinen Chagall-Museum in Nizza sind sechs großformatige Bilder des jüdischen ‚Meisters der Farbe’ (aus den Jahren 1957–1963) zu sehen, darunter dieses Bild von einem Liebespaar, das auf einem Pferd in den siebten, ganz ins Rot der Liebe getauchten Himmel reitet (Ausschnitt). Das Pferd als Symbol der Triebnatur und die Braut sind weiß, weil die Liebe geläutert sein muss.


Der 1. Fastensonntag wird liturgische mit der Sündenfall-Erzählung eröffnet. Denn der „neue Adam“ setzt den „alten Adam“ voraus, die Erlösung den Sündenfall als Bruch des Bundes. Das Hohelied der Liebe zeigt dagegen, wie der Liebesbund Gottes mit Israel gelebt wird, obwohl auch hier die roten „Füchse“ (als Sinnbild der Sinnlichkeit) nicht fehlen: „Sie verwüsten die Weinberge“ (Hld 2,14). In der jüdischen Liturgie ist das Hohelied als eine von „fünf Festrollen“ (Megillot), die den fünf wichtigsten jüdischen Festen entsprechen, Ostern als Frühlingsfest (Chag ha-Awiw) zugeordnet, weil es „wie kein anderes das Erwachen des Eros in Mensch und Natur besingt: ‚Steh auf, meine Freundin, meine Schöne, und komm! Siehe, dahin ist der Winter, vorbei, vorüber der Regen. Die Blumen sind im Land zu sehen…(Hld 2,10f)“ (Gabriel Strenger, Jüdische Spiritualität in der Tora, 378). Ostern feiert die Befreiung Israels aus dem „Sklavenhaus“ Ägypten: aus der Triebbestimmtheit und Todverfallenheit von ‚Fleisch’ und ‚Welt’. Das Hohelied zeigt die positive Kehrseite der Sündenfallgeschichte: Achtmal ist in dem Lied vom „Garten“ die Rede. Dass „sich im Mund der Frau insgesamt 26-mal“ die Bezeichnung „mein Geliebter“ (hebr. dodi, vgl. David) findet, verweist auf den Gottesnamen JHWH (10-5-6-5 = 26): „Die Liebe ist eine Flamme Jahs, eine Flamme Gottes“ (Hld 8,6). „Feuer und Flamme sind im Alten Testament ein Symbol für Gottes geheimnisvolle Gegenwart“ (Schwienhorst-Schönberger, Das Hohelied der Liebe, 2015). Vordergründig geht es um profane, erotische Liebeslieder, was heute gern christliche Theologen aufgreifen, um die Attraktivität der Bibel zu zeigen: „Mitten in der Bibel gibt es ein Buch, das im sexuellen Verlangen, in der Lust am Körper des Anderen, im Liebesrausch keine Sünde sieht, sondern die von Gott im Paradies gewollte Gleichberechtigung der Geschlechter ermöglicht. In der Geliebten oder dem Geliebten kann man das persönliche Paradies finden“ (Till Magnus Steiner, katholisch.de, 14. Febr. 2020). Nur: Ostern ohne Kreuz oder „Eros ohne Nomos [Gesetz] führt zur Lüsternheit, zu einem triebhaften Verlorengehen…“ (Strenger, s. o. 379), und gerade nicht ins verlorene Paradies der Gottesliebe und Gottesnähe.

Warum rettet Gott die Menschheit nicht vor dem Ertrinken?

Bild: Noah baut die Arche in den Maßen 30 (= Lamed), 300 (= Schin) und 50 (= Nun) = Laschon: Sprache (vgl. Gen  6,15): Im ewigen Wort Gottes geht nichts unter. Die Arche war bei den Kirchenvätern auch Typos für das rettende „Holz“ des Kreuzes: „Denn Segen ruht auf dem Holz, durch das Gerechtigkeit geschieht“ (Weish 14,7). Im Unterschied zu allem ‚verdorbenen Fleisch’ ist Noah der einzige „Gerechte“ (Gen 6,9.12), der dem Wort glaubt. In Hans Baldung Griens „Die Sintflut“ (1516) schwimmt der geschlossene Kasten der Arche mit kreuzförmigem Verschlag in einem Meer von ums nackte Überleben kämpfenden Menschen, nimmt aber niemanden auf, weil die „Tür“ der Glaube ist –  Landesausstellung „Heilig/unheilig“, Karlsruhe (2020).


Mit dem Klimawandel, der Meereserwärmung und dem Anstieg des Meeresspiegels sitzt die Menschheit mehr denn je in einem Boot. Passend dazu sendet die evangelische Kirche ein eigenes Schiffes zur Seenotrettung im Mittelmeer: „Wir können nicht wegschauen, wenn Menschen ertrinken, wir müssen jetzt etwas tun: helfen!“ (Landesbischof Jochen Cornelius-Bundschuh). Dagegen kritisiert der Theologe Richard Schröder die private Seenotrettung und die moralisierende Haltung der Kirchen dazu, weil dies nicht dem Seerecht entspricht, „den nächstgelegenen sicheren Hafen anzulaufen“, etwa in Nordafrika, sondern die Boote fahren nach Europa und liefern damit „de facto die Dienstleistungen, für die Migranten Schlepper teuer bezahlen“: „Die Kirche kann barmherzig sein, der Staat darf das nicht. Er muss nach dem Maßstab der Gerechtigkeit handeln, auch wenn die Ergebnisse die Barmherzigen verstören. (…) Die Barmherzigkeit darf die Gerechtigkeit nicht torpedieren“ (Interview, NZZ, 30. Aug. 2019; ähnlich Ulrich Körtner im Interview „Die Kirchen haben die Seenotrettung nicht zu Ende gedacht“, 7. Febr. 2020, ref.ch). Die Kirche hat nicht das Geschäft der Schlepper-Banden oder einer Hilfsorganisation zu betreiben, denn: „Ohne den Geist jedoch ist die Kirche eine Organisation“ (Papst Franziskus, Pfingsten 2019). Mit dem Geist aber ist sie selbst das Schiff der eschatologischen Seenotrettung aus dem „zweiten Tod“ (Offb 2,11; 20,6) durch den übernatürlichen Glauben und die Taufe, vorausgebildet in der Rettung der Acht und im „Bund“ (8 x in Gen 6 – 8). Der Kirchenvater Cyprian (3. Jh.) bezieht das Bild von der Sintflut als Vorausbild der Taufe (1 Petr 3,20f; 2 Petr 2,4f) und das von der rettenden Arche auf die Kirche: „Wenn irgendeiner zu entrinnen vermochte, der außerhalb der Arche Noahs war, dann mag auch einer entkommen, der draußen, außerhalb der Kirche ist.“ Daraus ergab sich das Axiom Extra ecclesiam nulla salus: Außerhalb der Kirche kein Heil. Allein der Glaube an Gottes ewiges Wort (hebr. teba = Arche) trägt durch die Fluten der vergänglichen Zeit (Wasser). Diesen Glauben hat schon Abel (Hebr 11,4), entsprechend gibt es die Ekklesia ab Abel: „von dem gerechten Abel bis zum letzten Erwählten" (II. Vatikanum, Lumen getium 2).

Ist die Bibel das unvergängliche Samen-Wort Gottes?

Bild: Vincent van Gogh hat mehrfach den  „Sämann“ gemalt, der in der männlichen Kraft der aufgehenden strahlenden Gottessonne das Korn – den unvergänglichen Samen des Wortes Gottes – in die (weiblichen) Ackerfurchen der Welt aussät: Tod und Auferstehung fallen hier zusammen (so besonders 1888). Als Vorbild dienten ihm die ländlichen Szenen des französischen Malers Jean François Millet, wobei er das Landleben des einfachen Volkes als ursprünglicher ansah als das Leben der Städter. Van Gogh entwickelte dabei seine eigene Bildsprache, die vor allem auch in der Darstellung der Sonne als lodernder Stern ihren originären, außergewöhnlichen Ausdruck fand. Das Städel Museum (Frankfurt/M) zeigt in der Ausstellung „Making van Gogh“ (2019/20) nur dieses eine Bild vom Sämann von 1890.

 


Christen sind „neu geboren … aus unvergänglichem Samen: aus Gottes Wort, das lebt und das bleibt“ (1 Petr 1,23). Dagegen ist für Konrad Schmid/ Jens Schröter, Die Entstehung der Bibel (2019), die Bibel eine zeitbedingte „Sammlung vielfältiger Texte“; sie wird „aufgelöst und historische Hypothesen und Wahrscheinlichkeiten an deren Stelle gesetzt“: „Der Inspirationslehre, derzufolge die biblischen Texte göttlich inspiriert und somit von aller anderen Literatur zu unterscheiden seien, (wird) eine Absage erteilt.“ Die Bibel hat keine innere Einheit, es gibt keinen Heilsplan, zwischen Bibel und kirchlichem Glaubensbekenntnis besteht ein Gegensatz. Nach Origenes von Alexandrien (3. Jh.) ist „jede Rede der göttlichen Schrift einem Samenkorn vergleichbar, dessen Natur es ist, in die Erde geworfen, wiederaufzuerstehen in der Ähre oder was sonst die Gestalt seiner Frucht ist, und so sich zu vervielfältigen und auszubreiten, und das umso üppiger, je mehr Mühe der kundige Landmann aufgewandt hat und je größere Wohltat die fruchtbare Erde spendet. Solange die Brote unversehrt sind, wird niemand gesättigt, niemand erquickt, und man sieht auch nicht, wie sich die Brote vermehren. Erwäge nun also, wie wir die wenigen Brote brechen: wir nehmen aus den göttlichen Schriften ein paar wenige Worte, – und wieviel tausend Menschen werden nicht gesättigt!“ (in: Geist und Feuer, 141). Schrift, wunderbare Brotvermehrung, das Pascha-Mysterium Christi und die Mission werden in eins zusammen gesehen, weil es von Pfingsten her die ‚christologische’ oder ‚pneumatologische’ Auslegung des Alten Testaments gibt. Sie ist die Weise, „in der das Alte Testament zur Bibel der Christen werden und bleiben konnte“ (Benedikt XVI. em.). „Die pneumatische Überschreitung des alttestamentlichen Buchstabens in den Dienst des Neuen Bundes hinein erfordert so immer neu den Aufbruch vom Buchstaben zum Geist. Im 16. Jh. hat Luther aufgrund einer völlig anders gearteten Lektüre des Alten Testaments diesen Überschritt nicht mehr vollziehen können.“ Ebenso die heutige Exegese: Gottes Wort, „unser wahres Brot, unser wirkliches Leben“, wird hier zum toten Stein (vgl. Mt 4,3). „Das ist das schlechteste aller Wunder“ (Bonaventura, Hexaemeron).

Ist die Schlange im Paradies eine Kreatur wie alle anderen?

Bild: Nach Philo von Alexandrien ist die männliche Schlange im Paradies „Inbegriff der ‚Wollust’“ (Hedoné); auch für Friedrich Weinreb ist die Schlange „das Bewusstwerden der Lust des Geschlechtstriebes“ (Leiblichkeit, 72). Franz von Stuck malte 1920 dieses Bild: Eva präsentiert Adam kokett gemeinsam mit der Schlange den leuchtend roten Apfel zur Verführung: „Das listige Tier windet sich zwischen Evas Beinen an ihrem Körper empor und wird eins mit der rothaarigen Frauenfigur. Der abgewandte Adam greift nicht nach dem verlockenden Apfel, sondern zeigt auf den exponierten Körper Evas. Der Künstler rückt damit die weibliche Erotik in den Fokus und identifiziert die selbstbewusste Frau als ein ins Verderben führendes Wesen“ (Städel Museum, Frankfurt/M).


Die Exegese sieht heute in der Schlange im Paradies nicht die Verkörperung des gefallenen Engels oder Teufels (Offb 12,9), sondern eine Kreatur wie alle anderen. Nach dem Alttestamentler Michael Konkel ist die Verfluchung der Schlange durch Gott (Gen 3,14) „Höhepunkt der Erzählung“, die „das Vorhandensein einer für den Menschen tödlichen Macht in der Tierwelt“ erkläre. Ähnlich Thomas R. Elßner: „Die Schlange ist eine Kreatur wie jede andere auch, die JHWH Elohim gemacht hat; nur ist sie klüger/schlauer als andere Tiere: ‚Der Schlangerich war schlauer/listiger als alle Tiere des Feldes, welche JHWH Elohim gemacht hatte’ (Gen 3,1a)“ (in: Manfred Hauke, Maria und das Alte Testament, 33). ‚Schlange’ ist im Hebräischen männlich, deshalb ‚Schlangerich’. Zu ‚klug/schlau/weise/ einsichtig’ verweist Elßner auf das Wortspiel im Hebräischen mit ‚nackt’ (34), ohne die schambesetzte ‚Nacktheit’ nach dem Fall (Gen 3,7) mit dem Verlust des Paradieskleides der ‚Herrlichkeit’ (Gnade) Gottes in Verbindung zu bringen. Die Übersetzung ‚listig’, die an „teuflische Listen“ erinnert (Eph 6,11), weist Elßner zurück. Übersehen wird, dass Jakobs „List“ gegenüber seinem roten und haarigen Zwillingsbruder Esau (Gen 25,25) „tatsächlich die List gegenüber der List der Schlange ist. Wie die Schlange listig ist und sagt: ‚Ich bin gut’, obwohl sie das Böse in sich trägt, so ist Jakob listig und sagt: ‚Ich bin nur ein gewöhnlicher Mensch’, obwohl er das Göttliche in sich trägt. Das ist die entgegengesetzte List, das Kompensierende“ (Friedrich Weinreb, Der Weg durch den Tempel, 362). Das Göttliche, die Neschama oder Geist-Seele, bildet den Gegensatz zur Nephesch, der Körper oder Blut-Seele, die auch die Tiere haben. Jakob-Israel verkörpert den inneren, Esau den äußeren Menschen: Seele und Körper. Wie Adam im Paradies muss sich auch Israel zwischen Gott und den Götzen, Leben und Tod entscheiden (Dtn 30,19f). Zur von Gott gesetzten „Feindschaft“ zwischen dem Menschen und der Schlange (Gen 3,15) sagt der Mariologe Anton Ziegenaus, sie „bezieht sich auf Personen und nicht auf vernunftlose Geschöpfe, deshalb ist nicht die Schlange als Tier gemeint, sondern als Symbol für die Dämonen, d h. für die Götzen“ der Fruchtbarkeit (in: Hauke, s. o., 181).

Warum stellt Maria Jesus im Haus Gottes dar?

Bild: Im Kirchenlied heißt es: „Zu seinem Tempel kommt der Herr. Maria bringt ihn freudig dar./ Als kleines Kind hält Einzug der, der aller Seher Sehnsucht war“ (Gotteslob 374.2). Der greise Seher Simeon erkennt in dem Jesusknaben, den er auf den Armen hält, „ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel“ (Lk 2,32). Ebenso weiß die „84-jährige“ Prophetin Hanna, dass jetzt der Erlöser Jerusalems gekommen ist (Lk 2,38). Die Zahl 84 ist 7 x 12, 7 Jahre davon hat sie „mit ihrem Mann gelebt“ (V.36): ein Siebtel, wie der Sabbat ein Siebtel der Woche ist. Der jetzt zu seinem Tempel kommt, ist der wahre Bräutigam des ‚8. Tages’ – Relief Kathedrale S. Maria Assunta in Altamura, Apulien.


Das Fest am 2. Februar, 40 Tage nach Weihnachten, wenn die Tage wieder länger werden, trug früher den Namen „Maria Lichtmess“ oder „Mariä Reinigung“; heute ist es ein Herrenfest: „Darstellung des Herrn“ im Tempel, im Haus Gottes. Die liturgische Lesung aus dem letzten Buch des Alten Testaments, dem Propheten Maleachi (3,1-4), spricht vom plötzlichen Kommen Gottes „zu seinem Tempel. (…) Doch wer erträgt den Tag, an dem er kommt? Wer kann bestehen, wenn er erscheint? Denn er ist wie das Feuer im Schmelzofen und wie die Lauge im Wachtrog.“ Gottes Kommen erfordert einen von allem Unrat der Sünde gereinigten, geläuterten Tempel: „Dann werden sie dem Herrn die richtigen Opfer darbringen.“ Der äußere Tempel steht für den inneren Tempel des Herzens oder der Seele. Der Mystiker Johannes Tauler (1300–1361) sagt: „Der Tempel, in den der gute Jesus eintrat, ist die edle, liebenswerte Seele mit ihrer lauteren Innerlichkeit.“ Doch „weil das Innere des Menschen mit vielen Dingen, Wünschen, Vorstellungen und Bildern besetzt ist, kann Gott nicht darin wohnen, obwohl er nichts sehnlicher begehrt als dies.“ Der heilige Franziskus (1181–1226) erhielt am Anfang seines Weges von Christus den Auftrag, „mein Haus“ wiederherzustellen, was er zunächst von der Portiunkula-Kapelle im Tal von Assisi versteht, die er eigenhändig wieder aufbaut. Tatsächlich ist aber zuerst das innere ‚Haus’, der geistige Tempel des Herzens zu reinigen und aufzubauen, bevor auch die Erneuerung des äußeren Baus der Kirche oder gar der großen Kirchenreform begonnen werden kann: „Als Gegenpol zur weit ausgespannten Sendung, die gesamte Kirche zu erneuern, ist es gut, hier auf die eigene Personmitte verwiesen zu werden, den Kreuzesauftrag also nicht nur in seiner universalen Weite, sondern auch in seiner mystischen Tiefe zu verstehen. Wer immer nur nach außen schaut, auf das, was zu bauen und zu reparieren ist, verliert sich leicht in Geschäftigkeit und äußerem Betrieb“ (Leonhard Lehmann, „Geh hin, stelle mein Haus wieder her!“, in: Geist und Leben 2/1991). Heutige Bemühungen um eine Kirchenreform könnten von diesem Beispiel sicher lernen.

Warum wirkt Jesus sein „erstes Zeichen“ bei einer Hochzeitsfeier?

Bild: „Hochzeiten empfindet das Volk immer als die eigentliche Mitte des Lebens, und feiert sie so“ (Eugen Rosenstock-Huessy). Im Judentum wurde die Hochzeit sieben Tage gefeiert analog zur Schöpfung in sieben Tagen mit dem Sabbat als „Vollendung“ (Gen 2,2). „Am Schabbat vereinigen sich nicht nur Himmel und Erde, sondern auch Mann und Frau“ (Gabriel Strenger). Diese Vereinigung bleibt vorläufig; denn erst mit Jesu Heilstod am Kreuz und seiner Auferstehung am „achten Tag“ (Sonntag) wird das Schöpfungswerk von Sünde und Tod befreit und so ‚hochzeitlich’ vollendet. Die 6 Wasserkrüge verweisen daher auf die sechs Schöpfungstage, an dem der Mensch männlich-weiblich erschaffen wird (Gen 1,26) – Krippendauerausstellung in der Hofburg von Brixen.


Im 4. Evangelium wirkt Jesus insgesamt sieben Wunder-„Zeichen“ seiner göttlichen Herrlichkeit, das erste bei der Hochzeit zu Kana mit der Verwandlung des Wassers in sechs Krügen (zu je ca. 100 Liter) in den ‚besseren’ Wein (Joh 2,1-11) des neuen Bundes. Maria initiiert das Zeichen, die nur hier und dann wieder unter dem Kreuz mit drei anderen Frauen auftaucht (Joh 19,25-27); viermal ist dort von der „Mutter“ die Rede, Jesus spricht sie wie in Joh 2,4 als „Frau“ (griech. gyné) an. Maria bildet so die Klammer zwischen dem ersten und dem letzten Zeichen: der „Erhöhung“ am Kreuz in der „Stunde“ des Todes als  „Verherrlichung“ Jesu durch den himmlischen Vater (Joh 2,4; 7,30; 8,20; 12,23; 13,1). Denn als fleischgewordenes Schöpferwort führt Jesus mit seiner Liebeshingabe am Kreuz zur Rettung der geliebten Welt (Joh 3,16) das Schöpfungswerk des Vaters „zu Ende“ (Joh 4,34) und kann sagen: „Es ist vollbracht“ (Joh 19,30). „Das letzte Wort des Gekreuzigten (teléstai, 19,30) ist durch seine intentionale Doppeldeutigkeit ein typisch johanneisches Schlüsselwort und kann sowohl ‚es ist zu Ende‘ wie auch ‚es ist vollbracht‘ bedeuten. (…) Jesus stirbt zum Anbruch des Paschafestes, so dass seine Erhöhung sein Königtum vom Kreuz her ist, das an die Stelle des jüdischen Hauptfestes tritt. Die Kreuzigung ist ein Inthronisationsgeschehen (‚Seht euren König‘; 19,14; 19,19). Für Jesus ist sein Tod das allerletzte ‚Werk‘, die Vollendung seines Weges. Die Glaubenden können sprechen: ‚Wir sahen seine Herrlichkeit‘ (1,14) – am Kreuz“ (Karl M. Woschitz). Die Vollendung der Schöpfung besteht in ihrem ‚hochzeitlichen’ Einsseins mit ihrem Schöpfer im ‚Bund’, der in Jesu ‚Blut’ geschlossen wird (Mt 26,28) wie beim jüdischen Osterfest im Blut des Paschalammes; Jesus ist das wahre Osterlamm, das die „Sünde der Welt“ hinwegnimmt (Joh 1,29.36) und dessen Gebein nicht zerbrochen werden darf (Joh 19,36; Ex 12,46). In der Johannes-Apokalypse ist das Lamm der Bräutigam des himmlischen Jerusalem als seiner „Braut“ und „Frau“ (21,9). Die „Hochzeit des Lammes“ (19,7) mit diesem Jerusalem als Bild der Kirche und Marias ist das biblische Hoffnungsbild der Weltvollendung.

Warum kommt der Mann nicht schon beschnitten zur Welt?

Bild: Als jüdischer Knabe wird Jesus am „achten Tag“ als Zeichen des Bundes mit Gott beschnitten (Lk 2,21); der achte Tag symbolisiert Erlösung und Auferstehung. Das dabei fließende Blut verweist schon auf „das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden“ (Mt 26,28). Die Sündenvergebung geschieht zugleich durch den am Kreuz ‚überlieferten’ (ausgehauchten) und eingehauchten Geist Gottes (Joh 19,30; 20,22f) – Beschneidung Jesu im Tempel, Relief im rechten Kastenflügel des Altaraufsatzes der Krämergilde (um 1430) in der St. Nikolaikirche in Wismar.

 

In der Bibel ist dem Schöpfer die Knabenbescheidung am „achten Tag“ so wichtig, dass er den unbeschnittenen Mose sogar töten will (Ex 4,24-26). Auf die Frage, warum das männliche Kind nicht gleich beschnitten zur Welt kommt, antwortet der große Rabbi Akiba (2. Jh.): Der freie Mensch solle selbst zur „Veredlung seiner Natur“ beitragen, wozu die Knabenbeschneidung der erste Schritt ist – als Zeichen des „Bundes“ mit Gott. Zugleich ist sie alttestamentliches Vorausbild der christlichen Taufe als Teilhabe am neuen Bund und der  „göttlichen Natur“ (2 Petr 1,4). Weil „die ganze Welt unter der Macht des Bösen“ steht (1 Joh 5,19), ist „die gesamte Geschichte der Menschen … ein hartes Ringen gegen die Mächte der Finsternis“ (II. Vaticanum, GS 37). Dazu braucht es die Kraft des Geistes von oben und die Tugend der Hoffnung auf den „Gott der Lebenden“, „nicht der Toten“ (Mt 22,32; Weish 11,26). Die Hoffnung bildet die Mitte zwischen den Extremen der Vermessenheit (Rousseau: Der Mensch ist von Natur aus gut) und der Verzweiflung (Luther: Der Mensch ist von Geburt ein verlorener Sünder, dessen freier Wille ganz „vom Teufel geritten“ wird). Mit der Beschneidung am „achten Tag“ erfüllt Abraham die Forderung Gottes, „ganz“, „vollkommen“ oder „makellos“ zu sein (Gen 17,1), das heißt kultfähig. Der Kult als Ausdruck der Gottesliebe erfordert einen ‚gottähnlichen’ (inneren) Menschen, der aber durch den Sündenfall ‚tierähnlich’ (sterblich) geworden ist (vgl. das „Tierfell“: Gen 3,21). Die Knabenbeschneidung „ausgerechnet dort, wo der Körper unsere stärksten Triebe produziert“ (Oberrabiner Arie Folger) ist der erste Schritt wieder hin zur Gottähnlichkeit, der sich in der Herzensbeschneidung bzw. Taufe vollendet. Entscheidend ist nicht, ob jemand (äußerlich) beschnitten oder unbeschnitten ist“, sondern „dass er eine neue Schöpfung ist“ (Gal 6,15; 2 Kor 5,17). Bei Ezechiel (36,26f) sagt Gott: „Ich nehme das Herz von Stein aus eurer Brust und gebe euch ein Herz von Fleisch. Ich lege meinen Geist in euch und bewirke, dass ihre meinen Gesetzen folgt…“

Warum freut sich der himmlische Vater über seinen Sohn?

Bild: Der Abstieg Jesu ins Wasser des Jordans bei seiner Taufe ist schon Abstieg in den Hades, den Abgrund des Todes: „In die Fluten des Jordans, in den Abgrund des Tods,/ lässt du, Herr, dich versenken: So teilst du unser Los“ (Gotteslob, Eigenteil Freiburg/Rottenburg, Nr. 777). Vom Himmel her wird Jesus mit dem Geist gesalbt und so gestärkt zum Kampf mit dem, „der die Gewalt über den Tod hat“ (Hebr 2,14). Der sterbliche Mensch neigt dazu, gegen Gott aufzubegehren und sein Herz zu verhärten; dann kann er „seine Stimme“ nicht mehr hören (Hebr 3,15; 4,7) – byzantinisches Deckenfresko aus der berühmten Minas-Kathedrale in Heraklion, Kreta.

 


Die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer bildet den Auftakt, die öffentliche Vorstellung Jesu als Sohn des himmlischen Vaters und Retters der Welt. Dazu erscheint mit der Öffnung des Himmels der Heilige Geist in Gestalt der weißen Taube und Gott Vater in Gestalt der Stimme vom Himmel: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe“ (Mt 3,17). Gott freut sich über seinen Sohn, weil er sich von Anfang an frei dazu bestimmt hat, sich von seinem Vater „bestimmen zu lassen“ (Jan-Heiner Tück) und seinen Willen vollkommen zu tun (Hebr 10,7). So erreicht er – „gehorsam bis zum Tod“ (Phil 2,8) – auf Golgatha den Gipfel der menschlichen Freiheit als vollkommene Übereinstimmung mit Gottes Willen. In der Vereinigung des menschlichen mit dem göttlichen Willen wird der Mensch selbst ‚göttlich’. Im Zeitalter der Aufklärung und des ‚Lichts’ hat man sich moralisch darüber empört erhoben, wie Gott ein solch amoralisches Sohnesopfer zunächst von Abraham und seinem ‚geliebten Sohn’, dann auch von Jesus überhaupt wollen kann. Das menschliche Wollen widersetzt sich natürlicherweise diesem göttlichen Wollen, so auch Petrus, der von Jesus hören muss: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen. Du willst mich zu Fall bringen“ (Mt 16,23). In Getsemani, wo Petrus wie die anderen zwei Jünger einschläft, wird Jesus noch einmal in seiner Entschiedenheit für Gottes Willen erprobt: „Nicht wie ich will, sondern wie du willst“ (Mt 26,39). Im Vaterunser betet die Christenheit zum himmlischen Vater: „dein Wille geschehe“ (Mt 6,10). Ist das Heteronomie? Oder höchste Autonomie? Gott bejaht das natürliche Sittengesetz des lumen naturale der Vernunft; aber dieses ist nicht einfach deckungsgleich mit dem Licht des Schöpferlogos, „das jeden Menschen erleuchtet“ (Joh 1,9). Denn im (‚normalen’) Zustand der Sünde liebt der Mensch „die Finsternis mehr als das Licht“ (Joh 3,19). Gott ruft den Menschen in seine Freiheit, das heißt angesichts der faktischen Sünde zur Umkehr. Wie Gott an seinem Sohn Freude hat, so herrscht im Himmel Freude über jeden, der aufrichtig zu Gott umkehrt (Lk 15,7.32). Dazu erhält der Gläubige in der Taufe die Macht, Kind Gottes zu werden (Joh 1,12), was er von Natur aus gerade nicht ist.

Wie kommen die „heiligen drei Könige“ zum Kind in der Krippe?

Bild: Der Weg zur Krippe mit dem Hindernis des potentielle Rivalen tötenden „Königs Herodes“ ist der Weg zu dem Ziel, zu dem Gott den Menschen seit jeher beruft: zur Heiligkeit, Vollkommenheit und Seligkeit (1 Thess 4,3; Mt 5,48). Die Hirten als Hüter der Schafe sind dazu ebenso berufen wie die Könige als Hüter ihrer Schätze, auch der Schätze des Wissens um die Weisungsmacht der Sterne, die nicht selbst göttlich sind, aber zum Gott im Kinde führen – achtstrahlig wie die Seligpreisungen (Mt 5,3-10), weil im fleischgewordenen Wort des Schöpfers schon die Auferstehung am ‚achten Tag’ gegenwärtig ist – Relief vom „Löwenportal“ der Kathedrale Santa Maria Assunta (13./16. Jh.) in Altamura, Apulien.

 

 

Zum Hochfest Epiphanie sind evangelikale Publikationen wieder darauf aus, biblizistisch zu beweisen, dass die „heiligen drei Könige“ weder Könige, noch drei, noch heilig waren, noch Caspar, Melchior und Balthasar hießen. Eine Gruppe von Astrologen (griech. Magoi) sei nur deshalb zu ‚drei Königen’ geworden, weil sie drei ‚königliche’ Geschenke bringen: Gold, Weihrauch und Myrrhe (Mt 2,7). „Weihrauch und Gold“ auf „Kamelen“ bringen auch die heidnischen Völker zum gesegneten Jerusalem auf ihrer ‚Wallfahrt’ zum Zion, dem Berg, über dem nach der Verheißung des Propheten Gottes Herrlichkeit aufstrahlt (Jes 60,2.6), was Lesungstext an „Erscheinung des Herrn“ ist. Das heißt, auch die Heiden finden zum Gott Israels: Die „heiligen drei „Könige“ repräsentieren die Heidenvölker aus den drei damals bekannten  Kontinenten Europa, Asien und Afrika (deshalb ein Schwarzer). Von jüdischer Seite wird das Heidentum immer als Götzenanbetung und Gestirns-Idolatrie identifiziert. Seine Vertreter werden entsprechend als weise „Sterndeuter“ vom „Stern“ zum Kind in der Krippe und zum Glauben geführt, allerdings nicht ohne die Heilige Schrift Israels zu konsultieren mit ihrer Verheißung, dass der Messias in Bethlehem geboren wird, der Geburtsstadt von König David als Vorausbild des Messias (Mt 2,6; Mi 5,1.3): Schöpfungs- und Wort-Offenbarung gehören so zusammen. Der von Ost nach West führende „Stern“ könnte die Venus sein, die in acht Erdjahren „nahezu exakt dreizehn Mal“ die Sonne umläuft und dabei fünfmal der Erde begegnet sowie fünfmal als Morgenstern im Osten und als Abendstern im Westen aufgeht. Werden die hellsten Konstellationen auf den Fixsternhimmel mit fünf Intervallen von 72° projiziert, entsteht der Fünfstern, wobei 72 der volle Wert des Namens JHWH ist (alle Buchstaben-Zahlen ausgeschrieben); die Fünf als 5. Buchstabe He ist ein Symbol der fruchtbaren Braut (vgl. Uwe Markstahler, Das Neue Testament im Licht der jüdischen Tradition, 70f). Wie die Sterndeuter am Anfang des Evangeliums im „Kind und Maria“ das Ziel ihres Lebens finden, so werden die Jünger am Ende des Evangeliums vom Auferstandenen zu allen Völkern gesandt (Mt 28,19).