Impulse zu den Bildwelten der Bibel

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2. Warum freut sich der himmlische Vater über seinen Sohn?

1. Wie kommen die heiligen drei Könige zum Kind in der Krippe?

 

 

2. Warum freut sich der himmlische Vater über seinen Sohn?

Bild: Der Abstieg Jesu ins Wasser des Jordans bei seiner Taufe ist schon Abstieg in den Hades, den Abgrund des Todes: „In die Fluten des Jordans, in den Abgrund des Tods,/ lässt du, Herr, dich versenken: So teilst du unser Los“ (Gotteslob, Eigenteil Freiburg/Rottenburg, Nr. 777). Vom Himmel her wird Jesus mit dem Geist gesalbt und so gestärkt zum Kampf mit dem, „der die Gewalt über den Tod hat“ (Hebr 2,14). Der sterbliche Mensch neigt dazu, gegen Gott aufzubegehren und sein Herz zu verhärten; dann kann er „seine Stimme“ nicht mehr hören (Hebr 3,15; 4,7) – byzantinisches Deckenfresko aus der berühmten Minas-Kathedrale in Heraklion, Kreta.

 


Die Taufe Jesu im Jordan durch Johannes den Täufer bildet den Auftakt, die öffentliche Vorstellung Jesu als Sohn des himmlischen Vaters und Retters der Welt. Dazu erscheint mit der Öffnung des Himmels der Heilige Geist in Gestalt der weißen Taube und Gott Vater in Gestalt der Stimme vom Himmel: „Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe“ (Mt 3,17). Gott freut sich über seinen Sohn, weil er sich von Anfang an frei dazu bestimmt hat, sich von seinem Vater „bestimmen zu lassen“ (Jan-Heiner Tück) und seinen Willen vollkommen zu tun (Hebr 10,7). So erreicht er – „gehorsam bis zum Tod“ (Phil 2,8) – auf Golgatha den Gipfel der menschlichen Freiheit als vollkommene Übereinstimmung mit Gottes Willen. In der Vereinigung des menschlichen mit dem göttlichen Willen wird der Mensch selbst ‚göttlich’. Im Zeitalter der Aufklärung und des ‚Lichts’ hat man sich moralisch darüber empört erhoben, wie Gott ein solch amoralisches Sohnesopfer zunächst von Abraham und seinem ‚geliebten Sohn’, dann auch von Jesus überhaupt wollen kann. Das menschliche Wollen widersetzt sich natürlicherweise diesem göttlichen Wollen, so auch Petrus, der von Jesus hören muss: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen. Du willst mich zu Fall bringen“ (Mt 16,23). In Getsemani, wo Petrus wie die anderen zwei Jünger einschläft, wird Jesus noch einmal in seiner Entschiedenheit für Gottes Willen erprobt: „Nicht wie ich will, sondern wie du willst“ (Mt 26,39). Im Vaterunser betet die Christenheit zum himmlischen Vater: „dein Wille geschehe“ (Mt 6,10). Ist das Heteronomie? Oder höchste Autonomie? Gott bejaht das natürliche Sittengesetz des lumen naturale der Vernunft; aber dieses ist nicht einfach deckungsgleich mit dem Licht des Schöpferlogos, „das jeden Menschen erleuchtet“ (Joh 1,9). Denn im (‚normalen’) Zustand der Sünde liebt der Mensch „die Finsternis mehr als das Licht“ (Joh 3,19). Gott ruft den Menschen in seine Freiheit, das heißt angesichts der faktischen Sünde zur Umkehr. Wie Gott an seinem Sohn Freude hat, so herrscht im Himmel Freude über jeden, der aufrichtig zu Gott umkehrt (Lk 15,7.32). Dazu erhält der Gläubige in der Taufe die Macht, Kind Gottes zu werden (Joh 1,12), was er von Natur aus gerade nicht ist.

 

1. Wie kommen die „heiligen drei Könige“ zum Kind in der Krippe?

Bild: Der Weg zur Krippe mit dem Hindernis des potentielle Rivalen tötenden „Königs Herodes“ ist der Weg zu dem Ziel, zu dem Gott den Menschen seit jeher beruft: zur Heiligkeit, Vollkommenheit und Seligkeit (1 Thess 4,3; Mt 5,48). Die Hirten als Hüter der Schafe sind dazu ebenso berufen wie die Könige als Hüter ihrer Schätze, auch der Schätze des Wissens um die Weisungsmacht der Sterne, die nicht selbst göttlich sind, aber zum Gott im Kinde führen – achtstrahlig wie die Seligpreisungen (Mt 5,3-10), weil im fleischgewordenen Wort des Schöpfers schon die Auferstehung am ‚achten Tag’ gegenwärtig ist – Relief vom „Löwenportal“ der Kathedrale Santa Maria Assunta (13./16. Jh.) in Altamura, Apulien.

 

 

Zum Hochfest Epiphanie sind evangelikale Publikationen wieder darauf aus, biblizistisch zu beweisen, dass die „heiligen drei Könige“ weder Könige, noch drei, noch heilig waren, noch Caspar, Melchior und Balthasar hießen. Eine Gruppe von Astrologen (griech. Magoi) sei nur deshalb zu ‚drei Königen’ geworden, weil sie drei ‚königliche’ Geschenke bringen: Gold, Weihrauch und Myrrhe (Mt 2,7). „Weihrauch und Gold“ auf „Kamelen“ bringen auch die heidnischen Völker zum gesegneten Jerusalem auf ihrer ‚Wallfahrt’ zum Zion, dem Berg, über dem nach der Verheißung des Propheten Gottes Herrlichkeit aufstrahlt (Jes 60,2.6), was Lesungstext an „Erscheinung des Herrn“ ist. Das heißt, auch die Heiden finden zum Gott Israels: Die „heiligen drei „Könige“ repräsentieren die Heidenvölker aus den drei damals bekannten  Kontinenten Europa, Asien und Afrika (deshalb ein Schwarzer). Von jüdischer Seite wird das Heidentum immer als Götzenanbetung und Gestirns-Idolatrie identifiziert. Seine Vertreter werden entsprechend als weise „Sterndeuter“ vom „Stern“ zum Kind in der Krippe und zum Glauben geführt, allerdings nicht ohne die Heilige Schrift Israels zu konsultieren mit ihrer Verheißung, dass der Messias in Bethlehem geboren wird, der Geburtsstadt von König David als Vorausbild des Messias (Mt 2,6; Mi 5,1.3): Schöpfungs- und Wort-Offenbarung gehören so zusammen. Der von Ost nach West führende „Stern“ könnte die Venus sein, die in acht Erdjahren „nahezu exakt dreizehn Mal“ die Sonne umläuft und dabei fünfmal der Erde begegnet sowie fünfmal als Morgenstern im Osten und als Abendstern im Westen aufgeht. Werden die hellsten Konstellationen auf den Fixsternhimmel mit fünf Intervallen von 72° projiziert, entsteht der Fünfstern, wobei 72 der volle Wert des Namens JHWH ist (alle Buchstaben-Zahlen ausgeschrieben); die Fünf als 5. Buchstabe He ist ein Symbol der fruchtbaren Braut (vgl. Uwe Markstahler, Das Neue Testament im Licht der jüdischen Tradition, 70f). Wie die Sterndeuter am Anfang des Evangeliums im „Kind und Maria“ das Ziel ihres Lebens finden, so werden die Jünger am Ende des Evangeliums vom Auferstandenen zu allen Völkern gesandt (Mt 28,19).