Impulse zu den Bildwelten der Bibel

Warum bildet Gott Mann und Frau?

Bild: Nach Theophilus von Antiochien (2. Jh.) sind die am „vierten Tag“ erschaffenen „beiden großen Lichter“, die unveränderliche Sonne und der veränderliche Mond, „Träger und Bilder eines großen Mysteriums“: „Die Sonne nämlich ist das Bild Gottes, der Mond das Bild des Menschen, und wie die Sonne an Kraft und Glanz den Mond bei weitem übertrifft, so übertrifft Gott bei weitem den Menschen“ (Ad Autolycum II,15). Weil der Monats-Zyklus von Luna dem weiblichen Menstruationszyklus entspricht, gilt Luna als „Urgrund aller Geburt“ (Joh. Lydos). Der Mensch wird „männlich und weiblich“ (allegorisch für Vernunft und Sinnlichkeit) als „Bild Gottes“ erschaffen (Gen 1,26), Eva aus Adams Rippe (Gen 2,21f) als Bild der Mondsichel, hin auf die „hochzeitliche“ Einheit der Gegensätze (Gen 2,24). Schalldeckel der Renaissance-Kanzel, ehem. Klosterkirche Bebenhausen b. Tübingen.


In den alten Kulturen ist die Geschlechtersymbolik immer auch mit der kosmischen Symbolik von Himmel (‚Vater‘) und Erde (‚Mutter‘) oder Sonne (Helios, Sol) und Mond (Selene, Luna) verbunden (in Mexiko werden die Toiletten mit Symbolen für Sol und Luna unterschieden). Das schließt die Symbolik von ‚männlichem‘ Feuer und ‚weiblichem‘ Wasser, von Kriegsgott Mars (Pfeil) und Liebesgöttin Venus (Spiegel), von weißem Tag und schwarzer Nacht ein; in der arabischen Welt tragen daher Mann und Frau meist die Farben weiß und schwarz. Die Farben für Sonne und Mond sind daneben auch Gold und Silber. Franz von Assisi ruft in seinem Sonnengesang die ganze Schöpfung zum Gotteslob auf, allen voran „Bruder Sonne“, „von dir, Höchster ein Sinnbild“, und „Schwester Mond“, aber auch von „Bruder Feuer“ und „Schwester Wasser“ (GL 19,2). Im alten China entsprechen die polaren Urkräfte Yang und Yin den beiden Geschlechtern: „Yang ist das männliche, aktive, zeugende, schöpferische, lichte Prinzip, Yin das weibliche, passive, empfangende, hingebende, verhüllende. Beide sind Gegenstücke, die sich ergänzen, nicht Gegensätze, die sich bekämpfen“ (Helmuth von Glasenapp, Die fünf Weltreligionen, 2005, 145). Yang und Yin entsprechen auch den ungeraden und den geraden Zahlen. Frank Fiedeler unterscheidet drei Bedeutungsebenen: neben der anthropologischen (Männlichkeit und Weiblichkeit) die kosmische (Sonne und Mond) und die funktionslogische (Sein und Werden): „Yin und Yang repräsentieren Zweiheit und Einheit – und damit zugleich die geraden und ungeraden Zahlen –, wie sie sich auch in den Formen der gebrochenen und der ungebrochenen Linie des Yijing (– – und –) [= 2 und 1] darstellen. Auf der anthropologischen Bedeutungsebene steht das Begriffspaar Yin-Yang … vor allem anderen für Weiblichkeit (Yin) und Männlichkeit (Yang). (…) Die Zweiheit konstituiert die Sexualität, die Einheit die Individualität“ (Yin und Yang oder Die absolute Polarität, in: Peter-Cornelius Mayer-Tasch [Hg.], Die Zeichen der Natur. Natursymbolik und Ganzheitserfahrung, 1998, 215-269, 218f). Die Inka verehrten in ihrer Hauptstadt Cuzco in ihrem Allerheiligsten, dem ‚Sonnentempel‘ Coricancha, eine goldene Statuette als Abbild des Sonnengottes und eine silberne als Abbild der Mondgöttin. Beim Verlobungsritus in der Ostkirche ist der Ring für den Bräutigam golden und der Ring für die Braut silbern (Günter Spitzing, Lexikon byzantinisch-christlicher Symbole, 1989, 243).

 

 

Warum ist die Jungfrauengeburt keine „künstliche Befruchtung“?

Bild: Im Gedicht Wo war Marias Hebamme der Berliner Lyrikerin Anna Hetzer „begegnet einem die Madonna unter anderem als ‚erste Mutter eines Patchworkclans seit dem Olymp“ sowie als ‚erfinderin der künstlichen Befruchtung‘“ (SWP, 19. April 2024). Als „Urgrund aller Geburt“ in der Natur gilt die ‚Mondin‘ oder Luna; in Offb 12,1 steht Maria als neue Eva auf der Mondsichel, weil sie mit ihrer jungfräulichen Geburt des Sohnes Gottes alles Natürliche in der Kraft der Gnade auf die Übernatur übersteigt. So ist ihre Geburt das Urbild der Taufgeburt aus dem Wasser und dem Geist (Joh 1,12f; 3,3-8). Ostern wird gefeiert am ersten Sonn-tag nach dem Frühlings-Vollmond. Die Madonna auf der Mondsichel, Wand-Relief, Dom zu Mainz.


In den alten Kulturen sind Mutterschoß und Grab als ‚Schoß der Erde‘ analog: „Nackt kam ich hervor aus dem Schoß meiner Mutter; nackt kehre ich dahin zurück“ (Ijob 1,21). Dem Wunder der Jungfrauengeburt am Anfang des Lebens Jesu entspricht am Ende Jesu Auferstehung aus dem Höhlengrab in der Zeit des Frühlings, des Wiedererwachens des Lebens in der Natur, in der auch der nächtliche Exodus Israels aus ‚Ägypten‘ als Geburtsprozess gefeiert wird (Dtn 16,1-8). Mit Jesus, dem neuen Adam, wird die neue Schöpfung eröffnet mit der neuen Geburt aus Maria als neuer Eva: „Der Erste Mensch stammt von der Erde und ist Erde; der Zweite Mensch stammt vom Himmel“ (1 Kor 15,47). „Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden“ (1 Kor 15,49). Gemeint ist damit die Umgestaltung in der Wiedergeburt der Taufe aus dem Wasser und dem Feuer des Geistes (Lk 3,16; Röm 6,3-11). Der Weltkatechismus sagt: Das göttliche Leben der Taufe „wird jungfräulich empfangen, denn es wird dem Menschen gänzlich durch den Geist geschenkt. Der bräutliche Charakter der Berufung des Menschen zu Gott ist in der jungfräulichen Mutterschaft Marias vollkommen verwirklicht“ (KKK 505). Nach Gisbert Greshake durchzieht das „Mariengeheimnis“ die ganze Bibel vom „Es werde Licht“ (Gen 1,3) bis zum Ruf der Braut und des Geistes um das Kommen des himmlischen Bräutigams am Ende (Offb 22,17.20) als „die radikalste Mitte des Glaubens“: „Die ganze Schöpfung (Maria, Menschheit, Kirche) lebt von Anfang an im liebenden Schöpfer, oder auch umgekehrt: Der liebende Schöpfer wohnt in seiner ihn liebenden Schöpfung“ (Maria-Ecclesia, 2014, 496). Die Kirche oder Ekklesia ist „zu allererst die ‚Braut Christi’, die das Band der Vermählung auf alle Glaubenden hin ‚auswirft’“ (534). Es besteht eine „überzeitliche Vermählung Gottes mit der Maria-Ecclesia“, wodurch „sich von Beginn der Schöpfung an der ‚Schöpfungssinn’ erfüllt: die Vereinigung von Gott und Welt und damit auch die ‚Weltwerdung’ Gottes und die ‚Gottwerdung’ des Menschen. Beides geschieht in Unüberbietbarkeit wie unableitbarer Radikalität (Kreuzeshingabe!) in der geschichtlichen Inkarnation.“ Erst vom fleischgewordenen Logos lässt sich der Sinn der Schöpfung „vollends ablesen“ (527). Die christliche Tradition sieht in Maria das ‚vornehmste Geschöpf‘ und setzt es mit Sophia (Weisheit), dem ‚ersten Geschöpf‘ (Spr 8,22; Sir 24,14), in eins.

 

Warum erhält Mose von Gott die Zehn Gebote auf zwei Steintafeln?

Bild: Die Zählung der Zehn Worte (Gebote) geht im Judentum von den zehn Fingern mit zwei Händen aus, also fünf + fünf: Die Gebote sind „an zehn Fingern abzählbar, aus den wie ein Buch geöffneten beiden Händen ablesbar, in beiden Herzkammern einschreibbar…“ (D. Krochmalnik). Die Zehn Gebote der Gottes- und Nächstenliebe (5 + 5) sind der ‚Kern‘ der Thora, des Buches des Bundes: „Der Herr verkündete euch seinen Bund: Er verpflichtete euch, die Zehn Worte zu halten, und schrieb sie auf zwei Steintafeln“ (Dtn 4,13); es gibt zwei Text-Fassungen: Ex 20,2-17; Dtn 5,6-21. Auch nach dem Zerbrechen der zwei Tafeln durch Mose wegen des Bundesbruchs Israels (Tanz ums goldene Kalb) werden nach der Versöhnung von Gott erneut „auf die Tafeln die Zehn Worte“ geschrieben (Dtn 10,4; vgl. Ex 34,28). Zehn Gebote auf dem Giebel der Großen Synagoge (drittgrößte Synagoge der Welt) zwischen den zwei Türmen im maurisch-romanischen Stil (erbaut 1893).


Die Schöpfung beginnt mit einem Beth, der Zwei, im Wort Bereschit, ‚im Anfang‘. In Gen 1 wird im zehnmaligen „und Gott sprach“, in zehn Worten, die Welt der sechs Schöpfungstage (vg. Davidstern) und der acht Schöpfungstaten erschaffen; Joseph Ratzinger schreibt: „So weist die Schöpfungsgeschichte schon voraus auf das Zehnerwort, die zehn Gebote. Sie lässt uns erkennen, dass diese zehn Gebote gleichsam der Widerhall der Schöpfung sind, nicht willkürliche Erfindungen, durch die dem Menschen Zäune gebaut werden gegen seine Freiheit, sondern Einweisung in den Geist, in die Sprache und in den Sinn der Schöpfung, übersetzte Sprache der Welt, übersetzte Logik Gottes, die die Welt erbaute“ (Im Anfang schuf Gott, 1986, 27). Friedrich Weinreb zufolge er-zählen die ‚Zehn Worte‘, „was der Mensch ist und wie er seine Bestimmung erreicht. Darum sind sie von Gott selbst auf steinerne Tafeln geschrieben. Nur Gott kann, aus seiner Welt heraus, angeben, was die Struktur des Menschen ist. Diese Normen müssen unbedingt aus einer anderen Welt kommen. Wären sie von Menschen geschrieben, hätten sie nur auf dieses Leben und auf diese Welt Bezug“ (Schöpfung im Wort, ³2012, 752). Der ‚Stein‘, ewen, 1-2-50, bezeichnet dabei das, was „in aller Veränderlichkeit unveränderlich bleibt. In dieser Welt ist etwas, das bleibt, das ‚ewig‘ ist, in den Bildern der Materie nicht anders auszudrücken als in dem härtesten, unter allen Umständen unveränderlich bleibenden Sammelbegriff ‚Stein‘. Für den Ausdruck in dieser Welt waren diese Worte von Gott auf Tafeln des härtesten, von niemand anderem als von Gott selbst beschreibbaren Edelsteins eingraviert worden“ (753). Der ‚Grundstein der Schöpfung‘, ewen scheti-jah, der vor der Bundeslade im Allerheiligsten liegt, ist die Mitte oder „der ‚Nabel‘ der Welt“ (185; 537). Die Steintafeln bestehen ausdrücklich aus zwei Teilen, einer Zweiheit als harmonische Einheit der Gegensätze wie beim Buchstaben Aleph (א), wo ein Jod (= 10) oben rechts durch die Diagonale eines Waw (= 6) mit einem Jod (= 10) unten links verbunden ist, das aber um 90° gedreht und so in zwei Fünfen aufgespalten ist: „Das eine Jod, die Zehn von oben, ganz, das andere Jod, die Zehn von unten, geteilt in 5 und 5, die beiden 5 vom Waw, vom Menschen als Verbinder verbunden. Das ist der Bund, das Bündnis Gottes“ (Weinreb, Buchstaben des Lebens, ²1990, 99). Wie sich beim Aleph die beiden Zehner spiegeln und mit der Diagonale als Waw den Gottesnamen JHWH, 10-5-6-5, bilden in der Bedeutung von 10 (oben ganz) = 5 + 5, so auch bei den ‚Zehn Worten‘ auf den zwei Tafeln: 5 + 5: „Die ‚Fünf‘ von oben spiegelt sich in der ‚Fünf‘ von unten und bildet mit ihr eine Einheit“ (Weinreb, Schöpfung, 753).

 

Warum ist Jesus am Kreuz der „Urheber des Lebens“?

Bild: Petrus rechtfertigt in seiner Predigt vor dem jüdischen Volk das Heilungswunder an einem Gelähmten im Tempel mit dem Hinweis auf seinen Glauben an den Namen Jesu: „Der Glaube, der durch ihn kommt, hat ihm vor euer aller Augen die volle Gesundheit geschenkt“ (Apg 3,16). „Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt (V.15). Der Name Jesus (Jehoschua) bedeutet: JHWH rettet; deshalb sagt Petrus: „Es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen“ (Apg 4,12). Kurzform des Namens Jesus in der Kirche Il Santissimo Nome di Gesù (Der allerheiligste Name Jesu), Rom, erbaut von 1558 bis 1584, Mutterkirche des 1534 durch Ignatius von Loyola gegründeten Jesuitenordens mit dem Jesus-Namen im Zentrum.


Das Leben hat kein Mensch aus sich, jeder muss es von anderen (ab alio) als Gabe empfangen. Leben kommt von Leben: „Omnis cellula e cellula“ – so lautet der Grundsatz der Abkünftigkeit alles (zellulären) Lebens von dem Pathologe Rudolf Virchow (1821–1902). Der Begriff ‚Leben‘ umfasst körperliches, seelisches und geistiges Leben. Biologisches Leben strebt danach, sich fortzupflanzen; der Mensch sucht zudem nach dem Sinn seines Lebens, seiner Bestimmung oder Berufung. Dass auf der materiellen Basis der Erbinformation (Gene) aus anorganischem ‚Baumaterial‘ – im Wesentlichen Kohlenstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und Stickstoff – Leben entsteht, ist nach wir vor ein Wunder. Die ‚ersten Replikanten‘ entstanden vermutlich vor vier bis 3,4 Milliarden Jahren, so Martin Bleif: „Was damals wirklich ablief, wissen wir (noch) nicht“ (Das Tier in uns. Die biologischen Wurzeln der Menschlichkeit, 2021, 246). Die Moleküle des Lebens setzen sich aus drei Komponenten zusammen, der DNA, der RNA und den Proteinen, die aus langen Ketten von 20 unterschiedlichen Bausteinen bestehen. DNA und RNA bestehen wiederum aus je drei Komponenten: den vier Nukleinbasen, einem Zuckermolekül und einem Phosphatmolekül. Weil sich nach den Prinzipien der Thermodynamik „chemische Systeme von der Struktur zum Chaos, von der Ordnung zur Unordnung“ verändern (248), braucht es „das biochemische Paradies, einen Ort, der Schutz bietet, der Energie zur Verfügung stellt und den Nachschub von entsprechenden Baumaterialien liefern kann. Über diesen fast mythischen Ort streiten die Gelehrten noch“ (251). Biblisch ist das Paradies der Garten Eden als Ort der Einheit von Sein und Werden, der Fruchtbarkeit ohne sexuelle Zeugung; denn das „Erkennen“ der Frau durch den Mann findet erst jenseits des Gartens statt (Gen 4,1). Auch Jesus zeugt am Kreuz als neuem Baum des Lebens nicht auf sexuelle Weise. Vielmehr gibt er als Bräutigam sein Leben hin für seine geliebte Braut Kirche, damit sie – „heilig … und makellos“ (Eph 5,27) – in der Kraft des am Kreuz ‚überlieferten‘ Geistes (Joh 19,30) aus ihrem jungfräulichen Taufschoß unsterbliche „Kinder Gottes“ gebiert oder „Kinder des Lichts“ (Eph 5,8). Dazu wird der ewige Logos, das „Licht der Welt“ (Joh 1,9; 8,12), Fleisch und stirbt am Kreuz, damit alle Gläubigen durch seinen Heilstod die Fülle von Licht und Leben haben (Joh 1,16; 10,10).

 

Warum ist Jesu Herzwunde die Quintessenz?

Bild: Dass der ‚ungläubige‘ Thomas seine Hand (1 Daumen – 4 Finger) in die fünf verklärten Wundmale des auferstandenen Jesus legen darf (Joh 20,24-29), wird meist als Hinweis auf die Identität des Gekreuzigten mit den Auferstandenen verstanden? Der Sinn der fünf Wundmale erschließt sich vielmehr zahlensymbolisch; denn die Herzwunde als ‚fünfte‘ Wunde ist die Quint-essenz (quinta essentia = fünfte Essenz) des Ganzen, die wiedergefundene ‚Eins‘ des Geistes gegenüber der ‚Vier‘ der Materie. Kreuzigung aus Axum, Äthiopien, mit dem Totenschädel Adams.


Die Thora als Buch des Bundes und religiös-kulturelles Herz des Judentums besteht aus den fünf Büchern Mose nach der Struktur 1 (= Genesis) zu 4 (= Exodus bis Deuteronomium). Am Ende der Genesis ziehen das „Haus Jakob“ mit insgesamt „70 Personen“ – „die Frauen“ nicht mitgezählt – nach Ägypten hinab zu Josef, der sie aus der Hungersnot befreit (Gen 46,26f). Die „Siebzig“ werden in Ex 1,5 wieder genannt. ‚Ägypten‘ ist das ‚Exil‘ des gefallenen Menschen; Friedrich Weinreb schreibt: „Die Verbindung zwischen der ‚Eins‘ und der ‚Vier‘ ist [in Ägypten] durchschnitten. Dagegen sind die Kinder Israels offenbar noch so, wie sie waren. Die Überlieferung weist darauf hin, dass ihre Namen, mit denen Genesis endigt, zu Beginn von Exodus sofort wieder genannt werden und dass damit die Verbindung zwischen der ‚Eins‘ und der ‚Vier‘ hergestellt ist, im Gegensatz zu Pharao, der Josef offenbar nicht mehr kennt. Ägypten, das das Band der Eins durchschnitten hat, ist somit die Kraft der materiellen Entwicklung, die sich vom Ursprung [= Eins] gerade wegentwickeln möchte. Es ist der Körper im [Schlangen-]Gift des Rausches, der ihm vormacht, er werde, wenn er sich immer weiter entwickle, eine solche Kraft freisetzen, dass er damit als ein Gott über die Erde herrschen könne“ (Schöpfung im Wort, ³2012, 674). Die Schlange im Paradies verheißt dem Menschen, er werde sein „wie Gott“, wenn er von der verbotenen Frucht des Baumes der Erkenntnis isst (Gen 3,5). In der Folge ist der ‚vergiftete‘ Mensch dem Tod verfallen. Abram erhält mit dem Bund der Beschneidung am ‚achten Tag‘ als Zeichen des Glaubens von Gott den 5. Buchstaben He (= 5) in seinem Namen eingefügt und wir so zu Abraham (Gen 17,5.12); damit wird die Gegenbewegung zurück zum Ursprung eingeleitet. Der Exodus der „600 000 Mann“ (Ex 12,37) befreit den am ‚sechsten Tag‘ (Freitag) geschaffenen und gefallenen, von der ‚Entwicklungskraft‘ beherrschten Körper und macht ihn (wie die Beschneidung) fähig zur Darbringung des ‚Opfers‘, korban, als ‚Näherbringen‘ des Körpers zu Gott; das zeigt prototypisch die ‚Bindung‘ Isaaks durch Abraham auf dem späteren Tempelberg Mori-jah  (Gen 22,1-15). Jesus, der neue Isaak, hat am Kreuz das vollkommene ‚Ganzbrandopfer‘ dargebracht und so den Exodus zum befreiten Körper in der Auferstehung am ‚achten Tag‘ vollendet. Die Frucht seines Opfers am Kreuz als neuem Baum des Lebens ist die Eucharistie als „Gegengift“ (Gregor von Nyssa): Umkehr des Sündenfalls.

 

 

Warum ist der Gekreuzigte das Alpha und Omega der Welt?

Bild: Rabbi Nachum Twersky von Tschernobyl (18. Jh.) zufolge werden die Thora-Gelehrten „auch Bauleute genannt, weil sie das ganze Gebäude der Welt aufrichten und erhalten“, indem sie die Einheit von Unten mit Oben oder der Materie mit dem Geist wiederherstellen und so das Welt-Fundament heben, das durch „die Taten der Bösen“ gefallen ist; der Sündenfall im Essen Adams vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse habe „die göttlichen Buchstaben der Welt auseinander“ gerissen „und das Letzte vom Ersten getrennt“ (Gershom Scholem, Von der mystischen Gestalt der Gottheit, 1973, 130). Das Auseinanderreißen der Buchstaben Taw (400) und Aleph (1) gleicht dem Bruch des Bundes im Prinzip 1–4, der im Tod Jesu am ‚Zeichen‘ – was Taw bedeutet –  des Kreuzes (1 Mitte – 4 Enden) in der Aufrichtung des neuen und ewigen Bundes wiederhergestellt wird (vgl. die fünf roten Wachsstifte für die fünf Wundmale des Gekreuzigten im Verhältnis 1:4 auf der Osterkerze mit A und O). Osterkerze, Jesuitenkirche in Heidelberg.


Nach Rabbi Nachum von Tschernobyl erscheint in der ganzen Thora die ‚Gestalt‘ (oder das Bild) Gottes: „Alle Buchstaben der Tora sind aufgrund ihrer Formen … allesamt die Gestalt Gottes …, denn wenn auch nur ein Buchstabe der Torarolle fehlt oder zu viel darauf geschrieben steht …, ist diese Torarolle ohne Wert, weil sie nicht die Gestalt Gottes verkörpert“ (zit. nach Lawrence Kushner [Hg.], Jüdische Mystik, 2003, 75). Bevor der sprechende Gott die Welt durch sein Wort der Weisheit erschafft und sein Gesetz der Liebe dem Welttext wie einer lesbaren Buchrolle einschreibt, konzipiert er zuerst den Bauplan als Heilsplan der Welt, „nicht in unausgesprochenen Worten, sondern in Zeichen, die die zu schaffende Welt vorweg symbolisierten. Diese präkonzipierten symbolischen Welt-Zeichen waren die Buchstaben“ (Wilhelm Schmidt-Biggemann, Geschichte der christlichen Kabbala, Bd. I, 2012, 13). Daraus folgt: „Deshalb waren die Buchstaben, in denen die Welt vorgedacht worden war, älter als die Welt. Die Welt wurde erst, als Gottes Wort durch seinen Schall den Raum der Welt schuf. Die Sprache, die Gott Adam im Paradies offenbarte, war von Beginn an zugleich auch Schrift. Deshalb waren die geoffenbarten Buchstaben keine konventionellen Zeichen, die die menschliche Sprache repräsentieren, sondern göttlichen Ursprungs und gingen der menschlichen Sprache voraus. Sie hatten einen himmlischen, erbaulichen Sinn, und weil sie göttliche Vor-Zeichen der Welt waren, hatten auch ihre Formen einen spezifischen Offenbarungs-Sinn. Diese Theorie galt insbesondere für den geschriebenen göttlichen Namen, das heilige Tetragramm“ (13f). Die 22 Urzeichen und Urzahlen des hebräischen Zahlenalphabets werden somit als Offenbarung und Instrumente der göttlichen Schöpfung durch das Wort verstanden. Jesus, das fleischgewordene Wort, ist als der Gekreuzigte der von den „Bauleuten“ (Thora-Gelehrten) verworfene „Eckstein“ als Grundstein, ewen schethi-jah, der Welt (Ps 118,22; Apg 4,11). Henri de Lubac schreibt: „‘Als der Herr ans Kreuz geheftet wurde, da wurde der Welt das Verständnis der Schrift aufgetan‘ [Irimbert]. (…) Mit seinem Ruf ‚es ist vollbracht‘ [joh 19,30], herab von diesem Galgen, symbolisiert vom letzten Buchstaben des hebräischen Alphabets [= Taw], gibt Jesus der ganzen Schrift ihre Erfüllung, ‚insofern er dadurch das ganze Geheimnis der Erlösung des Menschen offenbart, die sich verborgen findet in den zweiundzwanzig Büchern des Alten Testaments‘ [Helinand]“ (Typologie Allegorie Geistiger Sinn, 1999, 120). 22 ist die Zahl der hebr. Urzeichen.

 

 

Warum ist Ostern am 1. Sonntag nach dem Frühlings-Vollmond

In der jüdischen Mystik ist Luna das Symbol der Schechina, der Einwohnung Gottes in seiner Schöpfung, das heißt laut Gershom Scholem: „Gott selbst in seiner Allgegenwart und Aktivität in der Welt und insbesondere in Israel. Gottes Präsenz, das, was die Bibel sein ‚Antlitz‘ heißt, ist im rabbinischen Sprachgebrauch seine Schechina“ (Zur Kabbala und ihrer Symbolik, 1970, 140). Die Kirchenväter sahen die Kirche im Bild von Luna, das aber – wie diese selbst – immer auch ambivalent bleibt, denn – so Hugo Rahner – alles „Gebären und Gedeihen der Erde im Rhythmus der mütterlichen Selene“, der ‚Möndin‘, endet „doch stets mit neumondlicher Finsternis“ (Griechische Mythen in christlicher Deutung, 1984, 141). Für die frühen Christen war aber klar, dass „das Licht der Sonne Christus an die dunkle Erde weitergegeben wird durch die mütterliche Mittlerschaft in Maria und der Kirche“; so kann die Erde wieder werden, was sie im Anfang ist: blühender,(geistig) fruchtbarer Garten Eden, Paradies.


„Am 1. Nissan, wenn die Mondsichel gerade aufzuleuchten beginnt und sichtbar wird, sagt Gott zu Mose und Aaron: ‚Das ist der Beginn eurer Erneuerungen‘ (Exodus 12)“ (Friedrich Weinreb, Die zwölf Stämme, 2024, 372). Das jüdische Osterfest ist am ersten Frühlingsmonat Nissan bei Vollmond zu feiern, dem 15. Nissan. Die Wiederkehr (‚Auferstehung‘) des periodisch verschwindenden Mondlichtes zur vollen Größe im Bild des Vollmondes ist auch Symbol der Wiederherstellung aller Dinge in der Erlösung (Jes 30,26). Christlich wird Ostern wegen der Auferstehung Jesu am „achten Tag“ (nach dem Sabbat) am ersten Sonn-tag nach dem Frühlings-Vollmond gefeiert; Joseph Ratzinger sagt: „In der Welt der Religionen erscheint der Mond mit seinen wechselnden Phasen häufig als Symbol des Weiblichen, besonders aber als Symbol der Vergänglichkeit. So entspricht die kosmische Symbolik des Mondes dem Geheimnis von Tod und Auferstehung, das im christlichen Pascha begangen wird. Wenn der Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond als Osterdatum erscheint, verbinden sich die Symbolik von Sonne und Mond: Vergänglichkeit ist hineingehalten ins Unvergängliche. Tod wird zur Auferstehung und mündet in ewiges Leben hinein“ (Der Geist der Liturgie, 2000, 88). Die Überwindung des Todes geschieht schon mit der Menschwerdung des Sohnes Gottes in der Nacht von Weihnachten, wie Hugo Rahner schreibt: „Wenn in der Weihnacht Christus als ‚Sol novus‘ geboren wird, wenn er aus dem Dunkel der Osternacht aufsteigt als wahrer ‚Sol invictus‘, so steht nun neben ihm jene hohe Frau, von der die Christen in der Apokalypse lasen, die da angetan ist mit der Sonne, und den Mond zu ihren Füßen hat [Offb 12,1]. Maria hat die Sonne geboren, und die Kirche wird erleuchtet von dem Glanz des Osterlichts, wenn die Neugetauften aus dem Mutterschoß des mit feurigem Wasser gefüllten Taufbeckens heraufsteigen, um dem plenilunium [Vollmond] der kommenden Auferstehung entgegenzugehen. Maria ist also die geistige Luna dieser weihnachtlichen Vereinigung, und die Kirche ist der wahre österliche Vollmond, der ‚Urgrund aller Geburt‘ im christlichen Sinne. (…) Taufe und Herrengeburt sind letztlich ein einziges Mysterium. Die Sonne Christus kam in die Nacht des Mutterschoßes herab, auf dass in der Taufnacht aus dem Mutterschoß des von der Ostersonne befruchteten Wassers die Christen geboren würden“ (Griechische Mythen in christlicher Deutung, 146; 148).

 

 

 

Warum wird Jesus am „sechsten Tag“ (Freitag) gekreuzigt?

Bild: Nach Irenäus von Lyon kam Jesus als Messias am Karfreitag „zur Passion, einen Tag vor dem Sabbat, dem sechsten Schöpfungstag, an dem auch der Mensch gebildet wurde, indem er ihm die zweite Erschaffung, die ihn dem Tod entriss, durch seine Passion schenkte“ (Adversus haereses 5,23,2 – Gegen die Häresien, 1995). Dabei sind Adam und Eva „genau am selben Tag … gestorben, an dem sie auch gegessen haben [Gen 2,17; 3,1-6] und Schuldner des Todes geworden sind, weil es sich an einem einzigen Schöpfungstag abspielte“; als dann Jesus „den ganzen Menschen von Anfang bis Ende in sich rekapitulierte (zusammenfassend wiederholte), da rekapitulierte er auch seinen Tod. Daran ist deutlich erkennbar, dass der Herr an jenem Tag aus Gehorsam gegen den Vater den Tod auf sich nahm, an welchem Adam im Ungehorsam gegen Gott gestorben ist. Der Tag, an dem er gestorben ist, ist derselbe wie der Tag, an dem er gegessen hat“ (ebd.). Kreuzigung Jesu zwischen Maria und dem Lieblingsjünger, Kloster am Tana See, Äthiopien. Oben im Himmelsbereich Sonne und Mond, in der Mitte rechts der Vorhang des Tempels, der zerreißt (Mk 15,38), am Fuß des Kreuzes der Schädel Adams auf Golgotha (= „Schädelhöhe“); das „Blut des Bundes“ (Mt 26,28) fangen Engel in Kelchen auf.


Die jüdische Überlieferung erzählt Stunde um Stunde, wie sich die Erschaffung des ersten Adam am sechsten Schöpfungstag vollzogen hat. In der 6. Stunde fängt Adam „an, den Dingen der Welt schemoth, 300-40-6-400, Namen, zu geben“ (Friedrich Weinreb, Der Sinn des Tuns, 2023, 269; vgl. Gen 2,19f). Diese 6. Stunde bringt damit die Gefahr des Sich-Aufblähens des Menschen, als sei er selbst Gott: „Darum heißt es: Am Tag vor Pesach, vor Ostern, muss in dieser 6. Stunde alles chamez, 8-40-90, alles Gesäuerte, aus dem Haus entfernt werden [Ex 12,15]“ (269f). Bei den Synoptikern fällt der Karfreitag auf das Paschafest: Von der 6. bis zur 9. Stunde der Kreuzigung – Jesus übergibt seinen Geist in die Hände seines Vaters (Lk 23,46; Ps 31,6) – bricht „eine Finsternis über das ganze Land herein… Die Sonne verdunkelte sich“ (Lk 23,44) – und scheint stillzustehen wie bei Josua: „Er lässt Sonne und Mond still stehen, das heißt, er lebt aus der Ewigkeit (Josua 10,12-14)“ (Weinreb, Die zwölf Stämme, 2024, 83). Die Erlösung am sechsten Tag im Tod des neuen Adam Jesus am Kreuz (als neuem Baum des Lebens) ist vorgebildet in der Erschaffung des ersten Adam mit der Einhauchung der Geistseele, nechama (Gen 2,7). Jesus haucht seinen Geist am Kreuz aus – wörtlich: er „überliefert“ ihn (Joh 19,30). Am „achten Tag“ (Sonntag) nach der Kreuzigung am „sechsten Tag“ (Freitag), am „ersten Tag der Woche“, haucht der Auferstandene seinen Aposteln diesen Geist des Lebens ein zur Vergebung der Sünden (Joh 20,19.22f), insbesondere der Ursünde Adams (Erbsünde), die in der Taufe getilgt wird. Deren Ort ist ursprünglich die Feier der christlichen Osternacht, die eröffnet wird mit der Lichtfeier und dem österlichen Lobgesang (Exsultet), der von Adams „glücklicher Schuld“, felix culpa, singt, weil sie einen so „großen Erlöser“ gefunden hat. Der Freitag, franz. vendredi, ist der „Tag der Venus“; der Fruchtbarkeitsstern hat mit dem „Kupfer“, nechoscheth, und der kupfernen „Schlange“, nachasch, zu tun: „Die ‚kupferne Schlange‘ (4. Mose 21,9) ist also das Kupfer des Kupfers. Man erkennt, dass hier [beim Kupferaltar im Tempel] sogar die Dinge aus Kupfer sind: Das, was in der Zeit verführt, ist hier von besonderer Bedeutung. Darum ist das Kupfer auch das Metall des sechsten Tages. Der sechste Tag, der Freitag, der Tag der Venus, ist der Tag, an dem das Kupfer verführt [zum Sündenfall]. Die ‚nachasch‘ verführt am sechsten Tag“ (Weinreb, Der Weg durch den Tempel, 2000, 388f).

 

 

Warum ist Gottes Wort verhüllt?

Bild: Die Thora-Rolle enthält schwarze Buchstaben auf weißem Pergament. Jeder Buchstabe zählt; wenn einer fehlt oder falsch geschrieben wurde, ist ganze Rolle unbrauchbar. Gott offenbart sich in seinem Wort, das nicht einfach mit den Konsonanten-Buchstaben als „Körper“ der Sprache identisch ist. Es braucht dazu die gesprochenen Vokale als „Geist“ der Sprache sowie die Sprachmelodie und Betonung als „Geistseele“: Ebenso braucht die „geschriebene Thora“ zum Verständnis die „mündliche Thora“ (Überlieferung). Der eigentlich geistige Sinn ist aber auch dann noch verhüllt bis zum Kommen des Messias. Dann werden die Spatien als ‚weiße Buchstaben‘ zwischen den schwarzen Buchstaben lesbar, was den „messianischen Charakter der Offenbarung“ der Thora beschwört (Moshe Idel, Alte Welten – Neue Bilder, 2012, 384). Dann geschieht der Aufstieg zum ‚Weißen‘, zur „neuen Thora“ (Jes 51,4).


Nach Paulus liegt eine „Hülle auf dem Alten Bund, wenn daraus vorgelesen wird, und es bleibt verhüllt, dass er in Christus ein Ende nimmt“: mit dem Kommen Jesu als Messias, seinem Tod und seiner Auferstehung, wird die Hülle weggenommen (2 Kor 3,14-16). Jesus sagt seinen Jüngern: „Euch ist das Mysterium des Königreiches Gottes anvertraut; denen aber, die draußen sind, wird alles in Gleichnissen gesagt“ (Mk 4,11). „Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört“ (Mt 13,17). „Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören“ (V.16). Nach dem Talmudtraktat Sanhedrin (bSanh 98a) kommt der Messias und Erlöser, „wenn ihr heute seine Stimme hören werdet“ (Ps 95,7; vgl. Hebr 3,15). Jesus, so sagt Papst Franziskus (Vorwort zur YOUCAT-Jugendbibel, 2015), „der am Holz des Kreuzes vor Liebe brennt, beruft uns zu einem von ihm entflammten Leben, das sich nicht in der Asche der Welt verliert; zu einem Leben, das vor Liebe brennt und nicht in der Mittelmäßigkeit erlischt.“ „Ihr haltet … etwas Göttliches in Händen: ein Buch wie Feuer! Ein Buch, durch das Gott spricht.“ Der Psalmist betet: „Das Wort des HERRN ist im Feuer geläutert“ (Ps 18,31; vgl. Spr 30,5). „Dein Wort ist … ein Licht für meine Pfade“ (Ps 119,105; vgl. 2 Petr 1,19). Feuer und Licht stehen für ‚Liebe‘ und ‚Erkenntnis‘; sie sind die Symbole der Geistes-Gegenwart Gottes in der Heiligen Schrift. Im Jerusalemer Talmud heißt es von der Thora, sie sei „schwarzes Feuer auf weißem Feuer“ (Traktat Sota 8,3,37a): Gottes realsymbolische Gegenwart im Mysterium der Thora ist verhüllt in den mit schwarzer Tinte geschriebenen Buchstaben auf weißem Pergament. Alles Endliche ist begrenzt, de-finiert; nur Gott ist „ohne Grenze“, hebr. en sof. Wenn der Grenzenlose sich offenbart, dann nur dem, der in sich endlich-unendlich ist wie der Mensch als Körper und Geistseele; auch seine Welt und Sprache muss dann endlich-unendlich sein: Erde und Himmel, buchstäblicher und geistiger Schriftsinn. Nachdem der Auferstandene mit den Emmaus-Jüngern das (eucharistische) Brot gebrochen hat, sagen sie: „Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss?“ (Lk 24,32). Jesus steigt am „40. Tag“ hinauf zum Himmel (Thronbesteigung) und sendet am „50. Tag“ (Pfingsten) seinen Feuer-Geist, damit alle Gläubigen zu „Sehern“ werden (Apg 2,17), für die der Himmel wieder offen ist (Joh 1,51).