Impulse zu den Bildwelten der Bibel

Wird wöchentlich fortgesetzt!

Warum setzt Jesus die heilige Eucharistie ein?

Bild: Jesus mit dem Lieblingsjünger an seiner Brust hält Mahl mit den Zwölf, die mit den Gesten ihrer Hände ratlos fragen, wer der ist, der ihn verrät oder ausliefert (Joh 13,2.18.23-25). Als Judas (hier wohl nur als Schema gezeichnet) „den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn“ (V.27), er „ging sofort hinaus. Es war aber Nacht“ (V.30) – Abendmahl im Refektorium eines Höhlenklosters in Georgien in der Grenzregion zu Aserbaidschan.


Am Gründonnerstag-Abend, dem Auftakt zum Karfreitag, feiert Jesus mit den zwölf Jüngern das Paschamahl, das an den Auszug Israels aus dem „Sklavenhaus“ Ägypten erinnert, das nun aber an seine erlösende Passion erinnern soll: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,14). Mit Brot und Wein reicht Jesus seinen Leib und sein Blut als Zeichen seiner bleibenden Gegenwart im „Neuen Bund“ (V.20; vgl. Ex 24,8). Dieser Bund mit Gott ist ewig und kann nicht mehr gebrochen werden, weil in Jesus Gott selbst sich mit der Menschheit unverbrüchlich vereint hat. Auf die Bundesfeier der Eucharistie, der großen Danksagung in der Selbstdarbringung des Sohnes an den Vater zum Heil der Welt, sind alle anderen sakramentalen Zeichen des Bundes hingeordnet: Taufe, Firmung und Priesterweihe sowie Buße, Krankensalbung und Ehe. Das Johannesevangelium verbindet das Letzte Mahl Jesu mit der Waschung der Füße der zwölf Apostel: Jesus, der „Herr und Meister“, erniedrigt sich im Sklavendienst selbst und gibt so ein konstitutives „Beispiel“ (Joh 13,13-15) für das die Kirche tragende Apostelamt (Bischofsamt): Nur wer sich wie er in seiner Fleischwerdung gehorsam bis in den Sklaventod am Kreuz tief zur (weiblichen) Erde und zu den Füßen im Staub der Erde hinabbeugt, kann die priesterliche Vollmacht erhalten, als „Haupt“ und Hirte die Schafe Christi zu weiden (Joh 21,17). Mit seinem im Tod am Kreuz  „überlieferten“ Geist in Verbindung mit dem „Blut“ (Eucharistie) und dem „Wasser“ (Taufe) aus seiner geöffneten Seite (Joh 19,30.34) sollen auch die Jünger „an Christi Statt“ den „Dienst der Versöhnung“ von Gott und Welt ausüben (2 Kor 5,18-20), das heißt auch von „Himmel und Erde … durch sein Blut“ (Kol 1,20). Die mit dem Schöpfer versöhnte Welt ist die Kirche des Neuen Bundes als wiederhergestelltes Paradies mit dem Kreuz als Baum des ewigen Lebens im Zentrum (Offb 2,7) und dem Paradies-Frieden, den die gefallene Welt nicht geben kann (Joh 14,27).

 

Warum wird Jesu Untergewand nicht in Vier zerteilt?

Bild: Zwei römische Soldaten zerteilen das purpurrote Obergewand Jesu, vier Soldaten würfeln um sein himmelblaues Untergewand; die Würfel zeigen die Zahlen 1 und 3, richtig wäre 1 und 4: die Zahlenstruktur des am Kreuz geschlossenen neuen und ewigen Bundes – Krippendauerausstellung in der Hofburg, Brixen.

 


Die drei synoptischen Evangelien zitieren zur Passion Jesu Psalm 22,19: „Sie verteilen unter sich meine Kleider und werfen das Los um mein Gewand.“ Bei Johannes sind es vier Soldaten, die aus den Kleidern „vier Teile“ machen, „für jeden Soldaten einen“. Das nahtlose Untergewand, „von oben her ganz durchgewebt“, wird nicht zerteilt, sondern unter den vier Soldaten verlost (Joh 19,23f). Johannes Beutler sieht mit den Kirchenvätern und zeitgenössischen Exegeten in der Einheit des Gewandes einen Hinweis „auf die Einheit des Leibes Jesu selbst und seiner Kirche“ (Johannesevangelium, 501f), ebenso Joseph Ratzinger, der von der Auskunft bei Flavius Josephus her, dass das Gewand des Hohepriesters aus einem einzigen Faden gewebt war (Ant. Jud. III 7,4), hinzufügt: Jesus „ist auch der Hohepriester, der gerade in dieser Stunde seiner äußersten Entehrung seinen hohepriesterlichen Dienst vollzieht. (…) Das nahtlose Gewand ist Ausdruck der Einheit, um die der Hohepriester Jesus am Abend vor dem Leiden für die Seinigen gebetet hatte“ (Jesus von Nazareth II, 240f; vgl. Joh 17). Die Zahlenstruktur 1–4 findet sich ebenso in den verklärten fünf Wundmalen wieder (vgl. die fünf roten Wachsstifte der Osterkerze). Die durch den Lanzenstich geöffnete eine Herzwunde (Joh 19,34), aus der die zwei Zeichen der Sakramente der Einheit hervorströmen: Blut (Eucharistie, Liebe) und Wasser (Taufe, Glaube), wurde immer als unversieglicher Quell der Gnade gesehen: „Der Stoß der Lanze trifft dein Herz,/ und Blut und Wasser bricht hervor,/ ein Quell des Heils, der nie versiegt/ und aller Schöpfung Freude bringt“ (Gotteslob 359.3). Bezeugt wird dieser geistige Lebensquell beim toten Jesus am Kreuz von dem einen (anonymen) Lieblingsjünger: Dessen Zeugnis ist „wahr, damit auch ihr glaubt“ (Joh 19,35). Mit dem Einen stehen noch vier Frauen unter dem Kreuz: Jesu Mutter Maria, „die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala“ (Joh 19,25). Auf Jesu Wunsch hin nimmt der eine Jünger Maria zu sich (V. 27): Die Eins verbindet sich mit der Vier im neuen und ewigen Bund des Blutes des durchbohrten wahren Paschalammes (Joh 1,29; 19,36; Ex 12,46).

 

Was macht Jesus im Reich des Todes?

Bild: Jesus im weißen Gewand ersteht aus den Banden des Todes zum ewigen Leben und nimmt alle mit, die an ihn als „die Auferstehung und das Leben“ (Joh 11,25) glauben, angefangen bei Adam zu seiner Rechten und Eva zur Linken, die aus der Finsternis zum himmlischen Licht herausgeführt werden – orthodoxe Ikone der Auferstehung (Anastasis) in der Metechi-Kirche (13. Jh.) in Tblisi (Georgien).


Vor seiner Auferstehung „am dritten Tag“ (= Ostersonntag/ achter Tag) von den Toten ist Jesus am Karsamstag (Sabbat/ siebter Tag) „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ (Credo). Dieses „Hinab“ vollendet den mit Jesu „Fleischwerdung“ erfolgten Abstieg vom Himmel in die irdische Welt der Sterblichen. Denn die Heilsbotschaft von seiner Auferstehung gilt nicht nur den gegenwärtig Lebenden, sondern auch allen schon Gestorbenen, was besonders für Menschen mit einem ausgeprägten Ahnenkult (wie in Afrika und Asien) von größter Bedeutung ist. So sagt der 1. Petrusbrief (3,18-20), dass der für die ungerechten Sünder gestorbene sündlose Gerechte (Jesus) „auch zu den Geistern gegangen (ist), die im Gefängnis (= Hades) waren, und hat ihnen gepredigt.“ Weil sie „einst ungehorsam“ waren, kam Gottes Strafgericht der Sintflut über sie. Aus den Fluten des Wassers der Vergänglichkeit durch das (Kirchen-)Schiff der Arche als Vorausbild der Taufe wurden die „Acht“ gerettet (1 Petr 3,20f), was dem ewigen Heilsplan Gottes für seine Sieben-Tage-Schöpfung entspricht. Denn diese ist von Anfang an auf den „achten Tag“ hin geschaffen, der zugleich der „erste Tag“ der Woche (mit der Erschaffung des Lichts) ist, „als eben die Sonne aufging“ (Mk 16,2). Wie im Alten Ägypten die Sonne auf ihrer Nachtmeerfahrt in das Reich des Todes hinabstieg, um am nächsten Morgen von der Himmelsgöttin Nut jungfräulich neu geboren zu werden, so steigt auch Jesus, der „Erstgeborene der ganzen Schöpfung“ (Kol 1,15), bei seiner Todes-„Ruhe“ (= Sabbat) in die Unterwelt hinab, um für die ganze Menschheit den Teufel zu besiegen, „der die Gewalt über den Tod hat …, und um die zu befreien, die durch die Furcht vor dem Tod ihr Leben lang der Knechtschaft verfallen waren“ (Hebr 2,14f), also schon als Lebende in den Todes-Banden waren, „von den Begierden unseres Fleisches beherrscht“ (Eph 2,1-3). So sollen auch die Heiden durch den, „der herabstieg (und) hinaufgestiegen bis zum höchsten Himmel, um das All zu beherrschen“, wie die Juden „Erben“ des Heils sein (Eph 4,10; 3,6.8).

 

Warum fängt Petrus nach Ostern auf Jesu Geheiß 153 Fische?

Bild: Der Fischer Petrus hat mit den anderen Jüngern noch einmal das Netz ausgeworfen und dabei eine Überfülle von 153 großen Fischen gefangen, die kaum noch einzuholen sind; wieder an Land werden sie zusammen mit Brot auf dem Kohlenfeuer gebraten, beim Teilen von Brot und Fisch erkennen die Jünger den auferstandenen Herrn – Krippendauer-ausstellung in der Hofburg von Brixen.

 


Im Johannesevangelium offenbart sich Jesus seinen Jüngern nach seiner Auferstehung dreimal, das dritte Mal mit dem österlichen Fischfang am See von Tiberias, dem Galiläischen Meer (Joh 21,1-14). Nachdem der Fischer Petrus schon die ganze Nacht über nichts gefangen hat, holt er am Morgen auf Jesu Geheiß hin beim nochmaligen Auswerfen des Netzes „auf der rechten Seite des Bootes“ eine Überfülle von 153 Fischen an Land, ohne dass das Netz zerreißt (V.11). Die Zahl 153 ist die Summe seiner Elemente als Kubikzahlen: 1³ + 5³ + 3³ = 1 + 125 + 27 = 153, was auf die Kraft des Heiligen Geistes hinweist. Vor allem ist 153 die Dreieckszahl von 17 (9 x 17) und damit von hebr. tow, 9-6-2 = 17 = „gut“. Dieses Wort kommt in der ersten Schöpfungsgeschichte nach jedem Schöpfungswerk (außer dem zweiten: der Spaltung in die Wasser oben und unten) aus dem Mund Gottes vor: „… und Gott sah, dass es gut war“, am Ende des sechsten Tages: „sehr gut“. Die Zahl 17 beendet eine Phase des Weges zur Erreichung eines Zieles. So findet auch die Sintflut nach biblischer Zählung in den Jahren 1656 bis 1658 seit Erschaffung der Welt statt, das heißt im 17. Jahrhundert. Joseph wird von seinen Brüdern verkauft, wenn er 17 Jahre alt ist (Gen 37,2), und die Sünde mit dem „goldenen Kalb“ oder Stier geschieht am 17. des 4. Monats (Ex 32). Die jüdische Überlieferung erzählt zudem, dass Mose mit 17 Jahren aus Ägypten vor dem Pharao fliehen musste. Die Summe der ersten 17 Zahlen (1 + 2 + 3 … + 17 = 153) bedeutet die Präsenz des ganzen Lebens: „Jesus holt nach seiner Auferstehung jede seiner Lebensphasen aus dem Wasser, fischt sie aus der Zeit. Dann kommt das Mahl“, bei dem nichts vergessen oder übergangen ist: „Sein ganzes Leben ist konkret gegenwärtig dabei. (…) Wirklich gut ist es erst, wenn nicht nur das Ende gut ist, sondern wenn man staunend einsieht, dass alles immer schon gut war“ (Friedrich Weinreb). Alle Schichten des Wortes „gut“ – wird es von seiner äußeren Hülle oder Form (hebr. gal) in „Galiläa“ befreit – sind in den 153 Fischen enthalten.

 

Warum ist das Salböl Sinnbild des Heiligen Geistes?

Bild: Mit wohlriechenden Ölen wie mit brennenden Lampen gehen die drei Frauen Am Sonntagmorgen zum Grab, um damit den Leichnam des Gesalbten  zu salben. Sie finden nur Leinenbinden und Schweißtuch (rechts), während der Engel ihnen den Weg nach „Galiläa“ weist: „Dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat“ (V.7). Hebr. gal (3-30) ist die Form des am 6. Tag geschaffenen Körpers, der am 8. Tag in der Kraft des Geistes zur höheren Einheit gelangt – Miniatur aus dem Handschriftenmuseum Jerewan. 

 


Das Öl aus der gepressten Olive als Brennstoff in den Öllampen geht den fünf klugen Jungfrauen aus dem Gleichnis nicht aus, so können sie dem wiederkommenden göttlichen Bräutigam voll Sehnsucht ihres brennenden Herzens entgegengehen; die fünf törichten Jungfrauen, die sich in der „Welt“ verlieren, haben kein Öl mehr und bleiben so für immer vom „Hochzeitssaal“ ausgeschlossen (Mt 25,1-13). Von ihrem Öl des Geistes abgeben können die Klugen nicht, denn Licht und Sehnsucht des Glaubens brennen nur jeweils im eigenen Herzen. Mit der Taufe und Firmung wurden die Gläubigen mit dem heiligen Chrisam gesalbt, das sie zu „Gesalbten“ (= Christen) macht in der Teilhabe an der Sendung des König Messias (= Christus). Bei der Chrisma-Weihe in der Chrisam-Messe (Montag der Karwoche) betet der Bischof im Weihegebet: Du (Gott) hast „das Zeichen der Salbung einzigartig erfüllt in deinem geliebten Sohn Jesus Christus. Nach seiner Taufe im Jordan hast du ihn gesalbt mit dem Heiligen Geiste“; die Getauften und Gefirmten, machst du „Christus ähnlich, deinem Gesalbten, und lässt sie teilhaben an seiner Sendung als Prophet, als Priester und König“. Das Öl des Geistes stärkt in der Schwachheit des Fleisches zum Kampf gegen die Mächte des Bösen und des Todes. Die „Salbung“ lehrt von innen her die Wahrheit des österlichen Glaubens als Sieg über die „Welt“ (1 Joh 2,27; 5,4). Öl, hebr. schemen, und acht, schmonah, haben dieselben Konsonanten-Buchstaben: Der Maschiach (Messias) ist in der Auferstehung der „König des achten Tages“, der vom Himmel am „50 Tag“ (= Pfingsten) den Geist in Fülle ausgießt (50 = 7 x 7 + 1 analog 8). Er ist auch der männliche Verlobte oder Bräutigam, hebr. chathan, 8-400-50: Das Wort „lässt erkennen, dass die Bestimmung des Verlobten der achte Tag ist“ (F. Weinreb, Schöpfung im Wort, 437f). Die ewige Hochzeit zwischen dem Schöpfer und seiner geliebten Schöpfung wird mit der Auferstehung am „achten Tag“ (Sonntag) eingeleitet: „Der achte Tag ist die Hochzeit zwischen dem Männlichen und dem Weiblichen, eine in den sieben Tagen [der Schöpfung] vorbereitete Hochzeit“ (833).

 

 

Wurde Gott in Jesus als Jude Mensch?

Bild: Maria-Ekklesia steht als apokalyptische Frau  auf dem Mond, bekleidet mit den Strahlen der Sonne und bekränzt mit den zwölf Sternen des Tierkreises (Offb 12,1). Wie das Zwölf-Stämme-Volk Israel, der (Schöpfungs-)Sabbat, die Thora (als Schöpfungs-weisheit) und der Tempel ist auch die Kirche immer durchsichtig auf den Kosmos oder die Schöpfung hin. Der durchgängige Rückbezug auf das Judentum und das Alte Testament gerade in der Johannes-Apokalypse schränkt die universale Heilsbedeutung der Menschwerdung Gottes in Jesus nicht ein – spätgotische Mondsichelmadonna im Bereich des Kreuzgangs im Mainzer Dom.

 


Die (erste) Schöpfung, die „bis zum heutigen Tag in Geburtswehen“ liegt (Röm 8,22), und die Kirche als neue, erlöste Schöpfung sind ihrem Wesen nach weiblich (bräutlich). Mit dem Volk Israel will Gott den im Sündenfall Adams gebrochenen Bund wieder aufrichten und dadurch letztlich auch die Heiden wieder zur Einheit mit ihm zurückführen, was der heidnische Kult irdischer Fruchtbarkeit nicht kann: Gefeiert wurde eine „Heilige Hochzeit“ und verehrt wurde die „Magna Mater“ (große Erdmutter) mit Luna („Wasser“) als „Mutter aller Lebendigen“ (vgl. Gen 3,20). Demgegenüber ist „der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs“ kein „Gott der Toten“, sondern des (ewigen) Lebens (vgl. Mt 22,23). Maria-Ekklesia als neue Eva (1 Kor 11,2) steht deshalb auf dem Mond und gebiert (in der Taufe mit dem „Feuer“ des Geistes) jungfräulich zum ewigen Leben. Wie die Jungfrauengeburt Ostern vorwegnimmt (Jesu Gehen durch verschlossene Türen), so das Fest „Verkündigung Mariä“ Pfingsten, den Geburtstag der geisterfüllten Kirche: „Die Gottesmutterschaft ist jedoch nicht auf Maria beschränkt, sondern Berufung der ganzen Schöpfung“ (Maria Bruns). Sie zielt auf den ewigen Bund, die „ewige Hochzeit“ im „Himmel“, hebr. schamajim = esch-majim = „Feuer-Wasser“, das heißt die vollendete „hochzeitliche“ Einheit der Gegensätze von Geist und Materie (Mater!). Diese wird sichtbar-sakramental dargestellt und antizipiert in der kosmischen Eucharistie als „Hochzeitsmahl des Lammes“ (Offb 19,9) und des himmlischen Jerusalem (Kirche). Das Lied dieser „ewigen Hochzeit“ zwischen Gott und Israel bzw. seiner geliebten Schöpfung als Braut ist das Hohelied der Liebe, wo die Frau ihren Freund 26mal anspricht (JHWH = 10-5-6-5 = 26), und wo es am Schluss heißt: „Stark wie der Tod ist die Liebe…, ihre Gluten sind Feuersgluten, gewaltige Flammen“ (Hld 8,6, mit der Endung ‚-jah’ für JHWH): Gott wird hier und sonst symbolisiert im „Feuer“ der „männlichen“ Sonne als „Bräutigam“ (Ps 19,6) und im Frühlingszeichen von Widder/Lamm. Bei der Fleischwerdung Jesu aus Maria wird nicht Gott „als Jude Mensch“ (Christoph Dohmen), auch nicht als Mann, vielmehr nimmt er mit dem sterblichen „Fleisch“ die eine gefallene Menschheit (Juden und Heiden: Eph 2,15) an, um sie gemeinsam zur ursprünglichen „Höhe“ und Einheit heimzuführen. Im wiederkommenden Christus finden Christen und Juden ihre Vollendung.

 

Warum hat Jesus nur Männer zu Aposteln erwählt?

Bild: Die heilige Nino (Christiane) aus Syrien hat zu Beginn des 4. Jahrunderts Georgien missioniert und in Mzcheta (20 km von der heutigen Hauptstadt Tblissi entfernt) am Zusammenfluss von Kura und Aragwi die „Kathedrale der lebensspendenden Säule“ (= Swetizchoweli, Unesco-Welterbe) erbauen lassen. Auf ihren Mauern wurde im 11. Jahrhundert eine bis heute erhaltene Kreuzkuppelkirche erbaut; deren wieder hergestellten Fresken im Inneren zeigen den thronenden Christus im Quadrat und Kreis (Quadratur des Kreises), umgeben von den vier Urwesen (Ez 1), von zwölf (13?) Engeln und den zwölf Tierkreiszeichen als Repräsentanten der Schöpfung – österlich mit Blumen geschmückte Ikone der Zwölf Apostel in der Swetizchoweli-Kathedrale.

 


Für die Unmöglichkeit einer Priesterinnenweihe in der katholischen Kirche wird auch die Nicht-Erwählung von Frauen für den Zwölferkreis der Apostel als Argument angeführt. Das himmlische Jerusalem als „Braut, die sich für ihren Mann geschmückt hat“ (Offb 21,2), ist erbaut auf zwölf Grundsteinen, auf denen „die zwölf Namen der zwölf Apostel des Lammes“ stehen (Offb 21,14), die wiederum mit zwölf Edelsteinen geschmückt sind (V.19f). Auf den zwölf Toren der Stadt stehen „die Namen der zwölf Stämme der Söhne Israels“ (V.12). Die Gottesstadt „aus reinem Gold, wie aus reinem Glas“ (V.18) ist ein Kubus, jede Seite misst 12000 Stadien. Bei den fünf platonischen Körpern symbolisiert der Würfel die Erde. Die Stadt als vollkommen makellose Braut und durch das Blut des Lammes erlöste Schöpfung ist „die Wohnung Gottes unter den Menschen“ (V.3) und damit das, was die Schöpfung von Anfang an sein sollte; denn die Welt ist erschaffen für die ewige „hochzeitliche“ Bei-wohnung ihres „Erbauers“ (Jes 62,5). Die Zahl 12 (3 x 4) ist wie die Zahl 7 (3 + 4) die Verbindung des männlichen (3) und weiblichen (4) Prinzips. Auf höherer Ebene ist dies 3² + 4² = 5² (Satz des Pythagoras). Aus der Erfüllung des Mann-Prinzips (9) und der Erfüllung des Frau-Prinzips (16) wird die Erfüllung des Kind-Prinzips (25). Nur 3, 4 und 5 (in der Summe 12) können dies als direkt aufeinander folgende ganze Zahlen zum Ausdruck bringen. Der selbst ehelose Jesus sagt: „Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, wird nicht hineinkommen“ (Mk 10,15). Das Kind-Prinzip meint hier den innersten, unschuldigen, heiligen Kern, in dem die Zweiheit der Geschlechter „aufgehoben“ ist (wie in 2³ = 8). Zu dieser eschatologischen Aufhebung im „Himmel“ (hebr. schamajim = esch-majim: Feuer-Wasser) als „hochzeitliche“ Einheit der Gegensätze ist die im himmlischen Jerusalem symbolisierte Kirche in der Feier des „Hochzeitsmahls des Lammes“ (Offb 19,9) unterwegs. Bis dahin steht das Mann-Prinzip für das Innere des Geistes, das Frau-Prinzip für das äußerlich Umhüllende des Körpers. Entsprechend ist der Vorhof der Frauen der äußerste Vorhof des Jerusalemer Tempels.

 

 

Warum fährt Jesus 40 Tage nach Ostern in den Himmel auf?

Bild: Jesus entschwindet bei seiner Himmelfahrt auf einer „Wolke“, hebr. anan (70-50-50: Sie verbindet die sichtbare Welt (70) mit der unsichtbaren (50). Sie bedeckt auch das Heiligtum mit der Bundeslade als Ort der Gegenwart des Ewigen. Das Gefährt auf dem Bild ist der von vier Engeln getragene Thronwagen (Ez 1) in Form einer Mandel, diese gilt als achte Frucht und symbolisiert die Auferstehung, weil der Mandelbaum als erster im Frühling erblüht – Miniatur aus dem Handschriftenmuseum Jerewan.


Das in den 1930er Jahren zum „Vatertag“ umgedeutete Fest „Christi Himmelfahrt“ wird „vierzig Tage“ nach Ostern gefeiert. Solange erscheint der Auferstandene den Jüngern und spricht zu ihnen „vom Reich Gottes“ (Apg 1,3), bevor er „vor ihren Augen emporgehoben“ wird und zum Himmel auffährt wie der Prophet Elija auf dem Feuerwagen (Apg 1,9f; 2 Kön 2,11). Die 50 Tage zwischen Ostern und Pfingsten werden so in 40 und 10 unterteilt: Die Struktur 4–1 symbolisiert den Bund zwischen Gott (1, 10, 100) und Welt (4, 40, 400). Jesus kehrt nach der Jünger-Belehrung heim zu seinem himmlischen Vater (‚Vatertag’!) in die göttliche Einheit, aber nicht, ohne die Gabe dieser Einheit, seinen göttlichen Frieden, zu hinterlassen (Joh 14,27): die höhere Einheit der Gegensätze des „Männlichen“ (Sonne, Feuer) und „Weiblichen“ (Mond, Wasser) durch Ostern (am ersten Sonn-tag nach dem Frühlings-Vollmond). In jeder Eucharistiefeier wünschen sich die Gläubigen nach dem Vaterunser diesen Frieden (Schalom), den schon die himmlischen Engel auf Bethlehems Fluren bei der Herabkunft Jesu ins sterbliche Fleisch verkünden (Lk 2,14). Denn jetzt sind im weihnachtlich-österlichen Glauben Himmel (1) und Erde (4) wieder verbunden und „hochzeitlich“ eins, nicht mehr durch den Bruch des Bundes getrennt. Wie sich schon das Kind in der Krippe bei den Tieren „all seiner Gewalt“ entäußert, „elend, nackt und bloß“ (GL 647.2), so auch der Gekreuzigte, um so in der Selbsterniedrigung den sündigen Menschen der Selbsterhöhung (Gen 11,4) zur wahren Höhe heimzuführen: „Unsere Heimat aber ist im Himmel“ (Phil 3,20). Von dorther wird der wiederkommende Jesus „als Retter, der unseren armseligen sterblichen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes“, erwartet (V.21). Weil Jesus ebenso wiederkommt, „wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen“ (Apg 1,11), das heißt vom Ursprung her im Symbol des Ostens (Sonnenaufgang), deshalb sind die Kirchen seit dem 5. Jahrhundert geostet. Die Wiederkunft geschieht dabei in jeder Eucharistie als Versammlung von „zwei oder drei“ in Jesu Namen: „Da bin ich mitten unter ihnen“ (Mt 18,20; vgl. 1,23; 28,20).

 


Welche Kirche gründet Jesus mit dem Schöpfergeist an Pfingsten?

Bild: Wie das jungfräuliche Gebären Ostern vorwegnimmt (Jesu Gehen durch verschlossene Türen), so die „Verkündigung Mariä“ Pfingsten, den Geburtstag der geisterfüllten Kirche: „Die Gottesmutterschaft ist jedoch nicht auf Maria beschränkt, sondern Berufung der ganzen Schöpfung“ (Maria Bruns). Diese Berufung zielt auf den ewigen Bund als „ewige Hochzeit“ im „Himmel“, hebr. schamajim = esch-majim = „Feuer-Wasser“, was die „hochzeitliche“ Einheit der Gegensätze von Geist und Materie (Mater!) vollendet – der Erzengel Gabriel erbittet von Maria als Repräsentantin Israels, der Kirche und der Schöpfung ihr Ja-Wort für die „hochzeitliche“ Fleischwerdung des Schöpferwortes, Handschriftenmuseum Jerewan.

 



Die evangelikalen „Pfingstkirchen“ mit wohl derzeit über 700 Millionen Mitgliedern schießen seit Jahrzehnten in der Dritten Welt wie Pilze aus dem Boden. Sie berufen sich auf den Heiligen Geist und die „Geisttaufe“, doch ihre „Dämonenaustreibung“ ist eher eine „Dämoneneintreibung“, werden doch die „Gläubigen“ mit Drohungen des Höllenfeuers bei der Stange gehalten. Sie weisen allerdings auf das Defizit der Geistvergessenheit bei den etablierten Kirchen hin. An Pfingsten und den neun Tagen davor wird zwar besonders um das Kommen des Schöpfergeistes gebetet; doch das war es dann meistens auch. Das pfingstliche Feuer vom Himmel als Gründungsakt der heiligen Kirche aus Juden und Heiden scheint heute vielfach erloschen; dafür steht die Kirche durch den Missbrauchsskandal „in Flammen“. Für den Holocaustüberlebenden und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel (1928–2016) wurde das Feuer immer mehr aus dem Mittel barbarischer Zerstörung zum „Werkzeug glühender Frömmigkeit“; die Flammen verwandelten sich „in einen heiligen Baldachin, in einen ‚Himmlischen Tempel’, in etwas, das im Kern unzerstörbar und dem Wesen nach ewig ist“ (Alan Rosen). Bei einer Preisverleihung 1976 sagte er: „Feuer symbolisiert unsere Geschichte und unser Leben: das Feuer am Sinai, der brennende Dornbusch, das Feuer des brennenden Tempels, das Feuer der Inquisition und das Feuer unserer letzten Katastrophe. Aber wir nehmen das Feuer.“ Als Kind, so erklärte er bei den Planungen zum Holocaust-Museum in Washington D.C., habe er eine Geschichte des Talmud vom Dritten Tempel geliebt, von „einem unzerstörbaren Tempel, errichtet im Himmel, einem Tempel aus Feuer, gebaut aus Feuer. Es würde ein ewiger Tempel sein. Nie würde Böses in ihn eindringen. Nie könnte ihn der Tod zerstören.“ Dieser ewige Tempel aus Feuer im Himmel sollte die spirituelle Blaupause und innere Architektur für das Museum sein, damit allen „klar wird, dass es nur einen Tempel gibt, wenn auch mit vielen verschiedenen Eingängen, die alle zum gleichen Ziel führen“. Von Pfingsten her ist die Kirche dieser himmlische Tempel aus Feuer und so heiliges Gebetshaus für alle Menschen. Nur der Schöpfergeist kann „das Antlitz der Erde “ (Ps 104,30) und der Kirche erneuern.

 

Warum ist Pfingsten das Gegenbild zum Turmbau zu Babel?

Im Zentrum der georgischen Hauptstadt Tiblissi erhebt sich auf dem Elias-Hügel majestätisch die dreistufige monumentale ‚Dreifaltigkeits-Kathedrale‘ aus Naturstein mit kreuzförmigem Grundriss und zwölfeckigem Turm, umgeben von einem Park mit Bäumen, Brunnen, Campanile und Säulen-Allee. Sie wurde zwischen 1996 und 2004 als Symbol der wiederhergestellten nationalen Einheit erbaut und ist mit einer Gesamtfläche von 5000 Quadratmetern das größte Kirchengebäude in Transkaukasien. Die auf acht Pfeilern ruhende Kuppel mit der Spitze des (7,5 m hohen) vergoldeten Kreuzes ragt 84 Meter in die Höhe und ist damit die dritthöchste orthodoxe Kirche weltweit. Der Heilige Geist macht aus den Gläubigen lebendige Steine des neuen Tempels.

 


Die Erzählung vom Turmbau zu Babel (Gen 11,1-9) ist liturgische Lesung am Vorabend zu Pfingsten (Apg 2,1-4): Der Verlust des Paradieses als Einheit von Himmel und Erde gipfelt im Verlust der Einheit der Sprache als sakramentale „Himmelsleiter“ (Johann Georg Hamann). In Babylon hatte jede Stadt ihren fünf- oder siebenstufigen Turm (Zikkurat) als künstlichen Himmelsberg (Himmelsleiter), der die Planetensphären darstellte. Priester und Priesterin vollzogen auf der obersten Plattform die „Heilige Hochzeit“ als Fruchtbarkeitsritus. Biblisch haben Mensch und Welt nicht nur eine vergängliche Körperseite, sondern auch eine unvergängliche Geistseite (Seele). Die „hochzeitliche“ Verbindung beider Seiten im sakramentalen „Bund“ ist das Werk des Heiligen Geistes. Die Sünde des Hochmuts bricht den Bund und macht so aus dem Körperlichen und der Sprache ein willkürliches Werkzeug der Macht zur Herstellung einer totalitäre „Einheit“ im äußeren Materiellen (Gen 11,6). Dagegen stellt der Geist der Wahrheit von oben die ursprüngliche Sprache („Zunge“) des Menschen wieder her und erneuert so auch die Einheit der Menschheit in der Kirche als Sakrament der Einheit (Lumen gentium 1). Zunge und Gaumen sind – wie Klöppel und Glocke – die beiden Zeichen des Geschlechts. Im harmonisch-sakramentalen ‚Ein-klang’ der Sprache fallen Geist und Natur, Wort und Wirklichkeit in eins, entspricht der Mensch seiner ursprünglich männlich-weiblichen Synthese als „Zusammengeschlossensein des aktiven und reaktiven Prinzips und damit ein Symbol vollendeter Formation und Einheit“ (Peter Koslowski, Philosophien der Offenbarung, 462f). Im Bild des ‚androgynen’ neuen Adam am Kreuz (Lebensbaum) mit der geöffneten Seite geschieht die Vermählung des Ur-Männlichen (‚Geist‘) und des Ur-Weibliche (‚Materie‘, ‚Werk’, ‚Haus’) auf der höheren Ebene des „50. Tages“ – jenseits der vergänglichen Sieben-Tage-Schöpfung (50 = 7² + 1). Die Herz-Wunde des Erlösers (als 5. Punkt oder Quint-essenz) vereint linke („weibliche“) Wasserseite des Körpers und rechte („männliche“) Feuerseite des Geistes im „Blut des Bundes“ zur Gegensatz-Einheit der „hochzeitlichen“ Eucharistie als  Sakrament der Liebe, dem Zeichen des Geistes.

 

Warum feiert die katholische Kirche das Hochfest Fronleichnam?

Bild: Bei den Fronleichnamsprozessionen zehn Tage nach Pfingsten – immer donnerstags in Erinnerung an den Gründonnerstag vor Ostern, an dem Jesus die heilige Eucharistie einsetzt – wird die konsekrierte Hostie in den goldenen Prachtmonstranzen, oft in der Form von Sonnenstrahlen, von der Lunula (Möndlein) getragen. Im Kreuz sind die Gegensätze von Sonne und Mond (Sol und Luna) „hochzeitlich“ vereint – hier eine Monstranz aus der Schatzkammer des Stephansdoms in Wien.

 


Das „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ oder „Fronleichnam“ (= lebendiger Leib des Herrn) geht zurück auf Visionen der jungen Augustinernonne Juliane von Lüttich. Im Jahr 1209 schaute sie die Kirche als Vollmond mit einem Fleck, der das Fehlen eines eigenen Festes zu Ehren der heiligen Eucharistie bedeutete. 55 Jahre später führte ihr Beichtvater als Papst Urban IV. das Hochfest „Fronleichnam“ ein. Wie Gott aus der „Rippe“ (= Sichelmond) Adams die Erste Frau „erbaut“, die „Mutter der Lebenden“ (Gen 2,21f; 3,20), was auf der natürlichen Ebene Luna ist, so erbaut der Schöpfergeist an Pfingsten, 50 Tage nach Ostern am ersten Sonntag nach dem Frühlings-Vollmond, die Kirche als neue Eva (erlöste Luna) und Mutter des neuen, das heißt des ewigen Lebens in der Kraft des Feuers vom Himmel (Apg 2,1-4). Paulus versteht die Kirche als neue Eva, die er wie die erste Eva bedroht sieht: „Denn ich liebe euch mit der Eifersucht Gottes; ich habe euch einem einzigen Mann verlobt, um euch als reine Jungfrau zu Christus zu führen. Ich fürchte aber, wie die Schlange einst durch ihre Falschheit Eva täuschte, könntet auch ihr in euren Gedanken von der aufrichtigen und reinen Hingabe an Christus abkommen“ (2 Kor 11,2f). Der Apostel warnt vor der Verkündigung eines „anderen Jesus“, eines „anderen Geistes“ und „anderen Evangeliums“ durch „Lügenapostel“, die sich als Apostel tarnen, „denn auch der Satan tarnt sich als Engel des Lichts“ (2 Kor 11,13f).  „Traut nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind“ (1 Joh 4,1). Letztlich gilt der geistliche Kampf dem Teufel als „Gott dieser Weltzeit“ (2 Kor 4,4), „Herrscher dieser Welt“ (Joh 12,31) und „Todfeind unserer menschlichen Natur“ (Ignatius von Loyola). Zu glauben, diesen Todfeind und ‚Feind Tod‘ (1 Kor 15,26) könnte man mit Appellen an die Vernunft besiegen, so dass der ‚Sieg des Glaubens‘ (1 Joh 5,4) überflüssig wäre, ist der Grundirrtum der Aufklärungsepoche, die sich stolz das „Jahrhundert des Lichts“ nannte. Die wahre ‚Aufklärung‘ jedoch kommt„durch das Wirken des Lichtes und der Kraft des Heiligen Geistes“ (so der heilige Papst Johannes Paul II. beim Castelgandolfo-Gespräch 1996).

 

 

Warum ist die an Pfingsten gegründete Kirche „viergestaltig“?

Bild: Die vier gegensätzlichen Urelemente Feuer (Ignis) und Wasser (Aqua) sowie Luft (Aer) und Erde (Terra) oder Osten und Westen, Süden und Norden bilden die Kreuzform der viergestaltigen Schöpfung, die ihre Mitte in dem einen Gott hat (Deus, Auge Gottes im Dreieck). Ihr ist die viergestaltige Kirche als neue, erlöste Schöpfung im Zeichen des Kreuzes nachgebildet oder umgekehrt: Die Schöpfung als heiliger Tempel ist Vorentwurf der Kirche – Fußbodenmosaik in der geosteten Konkathedrale St. Maria Oreta in Vieste, Region Gargano, Apulien.

 


Die Kirche ist das vollkommene zeitliche Abbild des Dreieinen und Ewigen: Pilgerndes Volk Gottes (des Vaters), beständige Versammlung als Leib Christi, im Aufbau befindlicher Tempel des Heiligen Geistes. In dieser Dreiheit besteht ihre innere Gestalt, die ins Äußere, Materielle der Welt notwendig viergestaltig ausstrahlt: Sie ist in ihrer vertikalen Dimension eine und heilig, in ihrer horizontalen Dimension katholisch (universal) und apostolisch. Diese vier Merkmale der Kirche sind nicht nur abstrakte Prinzipien, sondern werden biblisch immer personal repräsentiert. Der Lieblingsjünger (Johannes) steht für die Einheit, symbolisiert im Urelement Geist (Luft); die Jungfrau Maria steht für die Heiligkeit im Urelement Feuer; der zuerst die Kirche verfolgende Völkerapostel Paulus für die Katholizität im Urelement Wasser (Taufe) und der zuerst Jesus verleugnende Apostelfürst Petrus für die Apostolizität im Urelement Erde. Die vier Evangelien betonen jeweils ein Merkmal besonders: Johannes die Einheit im Geist (Joh 17,21), Lukas die Heiligkeit im Tempel (als Beginn und Ende: Lk 1,5ff; 24,52) und in Maria als neuem Tempel des Geistes (Lk 2,1-20; Apg 2,1-4), Matthäus die von Abraham als Vater der Völker (Mt 1,1) herkommende Universalität am Beginn (die Weisen/Könige als Repräsentanten der Völker kommen zum Kind: Mt 2,1-11) und am Ende (Aussendung der Jünger zu den Völkern: Mt 28,19f), Markus die Apostolizität als Rückbindung an den Ursprung im erwählten Kreis der Zwölf in Entsprechung zum Zwölf-Stämme-Volk Israel (Mk 3,13-19; 6,6-13) mit besonderer Betonung der Rolle des erstberufenen Petrus (Mk 1,16-18; 1,29-31; 8,29; 9,5f). Wie das „viergestaltige Evangelium“ (vgl. KKK 101-131) in dem einen Geist gründet, so das vierfache Antlitz der Kirche als erlöste Schöpfung und Anfang des kommenden Reiches Gottes in dem einen Christus. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962–65) hat vier zentrale Texte verabschiedet, die jeweils ein Merkmal der Kirche besonders hervorheben: die Konstitutionen über die göttliche Offenbarung im Geist (Dei Verbum) und die heilige Liturgie (Sacrosanctum Concilium) und sowie über die Kirche (Lumen gentium) und die Kirche in der Welt von heute (Gaudium et spes).

 

 

Beten Christen und Muslime denselben Gott an?

Bild: Die Hafenstadt Otranto an der Adria war zu römischer Zeit das inoffizielle Ende der Via Appia mit direktem Anschluss an den Seeweg in Richtung Orient; 1480 wurde sie von den muslimischen Invasoren aus dem Osmanischen Reich weitgehend zerstört. 800 Einwohner wurden dabei geköpft, weil sie den christlichen Glauben dem erzwungenen Übertritt zum Islam vorzogen; seitdem gilt Otranto als „Stadt der Märtyrer“ – Darstellung des Massakers und Martyriums in der Apsis-Kapelle des rechten Seitenschiffs, wo in sieben großen gläsernen Wandschränken die Gebeine der 800 Märtyrer als Reliquien aufbewahrt werden.

 


Im Religionsbuch „Leben gestalten“ (2016, Jg. 5 und 6) wird auf 20 Seiten der Islam als dem Christentum gleichrangige Offenbarungsreligion dargestellt. Die Kirche ist entsprechend auch nicht geisterfülltes „Wohnhaus Gottes“, sondern: „Gott ist überall zu finden. (…) Daher ist Gott in Kirchen, Synagogen, Moscheen oder Tempeln auch nicht ‚mehr‘ anwesend als an anderen Orten“ (S. 181). Nicht nur die Religionen sind alle gleich, auch die ‚Welt’ ist nicht weniger ‚Ort’ und ‚Haus Gottes’. Wozu dann aber noch Mission, Verkündigung, Evangelisation oder Taufe? Braucht es noch einen Erlöser der Welt, wenn die allgemeine Erlösungsbedürftigkeit (= „Erbsünde“) abgeschafft ist? In Sure 5 und 19 grenzt sich der Koran von der christlichen Vorstellung eines dreifaltigen Gottes ebenso ab wie von der Notwendigkeit eines Mittlers, Erlösers und Sohnes Gottes. Muhammad ist der letzte, maßgebliche ‚Prophet‘ oder das „Siegel der Propheten“ (Sure 33,40), der im Koran den himmlischen Urkoran unverfälscht wiedergibt. Die islamische Tradition legitimiert ihn zudem als den von Jesus verheißenen „Parakleten“: den Heiligen Geist als Beistand im Gericht (vgl. Joh 14,16f.26; 15,26; 16,7-14). Wahrscheinlich wurde das griech. parakletos mit periklytos (rühmenswert, lobenswert) verwechselt; letzteres heißt arabisch ahmad, was Mohammed entspricht; der Name des Parakleten heißt Ahmad (Sure 61,6). Mit Mohammad hat Gottes Geist der Wahrheit im „pneumatischen Evangelium“ (Felix Porsch) des Johannes natürlich nichts zu tun. Der muslimische Schriftstellter Navid Kermani sieht im Johannesevangelium die eigentliche Grundlage des christlichen Trinitäts-Glaubens, das er gern durch das 1945 bei Nag Hammadi gefundene (gnostische) Thomas-Evangelium ersetzen möchte, das für ihn geradezu der Kronzeuge gegen das trinitarische Bekenntnis ist (Ungläubiges Staunen, 2015, 90). Das Kreuz kritisiert er als „Götzendienst“ (S. 50). In Wahrheit ist „das Mysterium des Kreuzes … die höchste Offenbarung der Trinität“ (Hans Urs von Balthasar). Der wahre Gott gibt durch sein Selbstopfer der Welt das ewige Leben, der falsche Götze tötet oder lässt in seinem Namen töten.

 

 

Warum spricht das Kreuz weniger an als das Taiji-Zeichen?

Bild: Seit dem 6. Jh. (Rabula-Codex) wird der Gekreuzigte ikonographisch flankiert von Sonne und Mond, den kosmischen Prinzipien von Geist und Materie, von Logos und Fleisch bzw. des Männlichen und des Weiblichen, die in ihm „hochzeitlich“ vereint sind: Mann und Frau in der christlichen Ehe bilden „die Vermählung des Gottessohnes mit der menschlichen Natur ab“ (KKK 1642), die ihren Zielpunkt findet am österlichen Kreuz – Fresko (13. Jh.), Nordwand der Burgkapelle in Hocheppan/ Bozen.

 


Heutige Jugendliche (und Erwachsene) sehen das chinesische Taiji-Zeichen (Yin und Yang)  positiv „als symbolische Vereinigung der Gegensätze, auch in Gott, und geben ihm vor dem Kreuz den Vorrang. Es trifft offenbar das Lebensgefühl heute lebender junger Menschen.“ Das Kreuz löst demgegenüber bei vielen Aggressionen, Befremden oder Verspotten aus; man fragt, wie „man sich dieses Marterwerkzeug über’s Bett hängen könne“ (Ralph Sauer, Die Crux Jugendlicher mit dem Kruzifix, in: W. Eckermann u. a., Hg., Das Kreuz – Stein des Anstoßes, 9-25, hier 11f). Yin und Yang sind aber nichts anderes als Mond und Sonne in ihrer spirituellen Bedeutung, wobei der Mond für die Welt des Körpers, die Sonne für die Welt des Geistes steht: „Yin und Yang repräsentieren Zweiheit und Einheit – und damit zugleich die geraden und ungeraden Zahlen –, wie sie sich auch in den Formen der gebrochenen und der ungebrochenen Linie des Yijing (– – und –) [= 2 und 1] darstellen. Auf der anthropologischen Bedeutungsebene steht das Begriffspaar Yin-Yang … vor allem anderen für Weiblichkeit (Yin) und Männlichkeit (Yang). (…) Die Zweiheit konstituiert die Sexualität, die Einheit die Individualität“ (Frank Fiedeler, Yin und Yang, oder: Die Absolute Polarität (Taiji), in: P. Mayer-Tasch, Hg., Die Zeichen der Natur, 1989, 215-269, hier 218f). Das christliche Osterfest wird seit dem Konzil von Nizäa (325) am ersten Sonntag nach dem Frühlings-Vollmond gefeiert. Der erste Frühlingsvollmond markiert „ein Zeichen, das wirklich zur Osterbotschaft gehört: Die Schöpfung redet von uns und zu uns; wir verstehen uns selbst und Christus nur recht, wenn wir auch die Stimme der Schöpfung zu hören lernen“ (Joseph Ratzinger). Theophilus von Antiochien (2. Jh.) erklärt in seiner Auslegung des vierten Schöpfungstages, der Erschaffung der „beiden großen Lichter“ (Gen 1,16): „Diese Lichter, Sonne und Mond, sind Zeichen und Typos eines großen Mysteriums. Die Sonne nämlich ist das Bild Gottes, der Mond das Bild des Menschen.“ In Jesus als Gott und Mensch zugleich sind Sonne und Mond als kosmische Prinzipen des Männlichen und Weiblichen „hochzeitlich“ verbunden.

 

 

Warum empfängt Mose auf dem Sinai „zehn Worte“ Gottes?

Bild: Die „zehn Worte“ (Gebote) empfängt Mose auf zwei Stein-Tafeln (5 + 5) am „50. Tag“ nach Ostern (= erlösender Auszug aus Ägypten) als Kern der fünfteiligen Thora auf dem Sinai im Feuer (Ex 19,18; 20,1-21). In ihnen zeigt sich die unveränderliche Bestimmung des Menschen, in Freiheit der göttlichen Liebe zu antworten. Die „zehn Worte“ bestehen aus 620 Buchstaben, dem Zahlenwert von hebr. keter, 20-400-200, „Krone“, was die harmonische Gegensatz-Einheit der Schöpfung (Zweiheit) mit dem einen Gott ausdrückt – Marc Chagall, Museum Nizza.

 


Im Hintergrund der „zehn Worte“ (Gebote) auf zwei Stein-Tafeln (5 + 5) steht der Gottesname JHWH = 10-5-6-5. Gemeint ist die Gleichung 10 = 5 + 5 (Waw/6 verbindet wie ein Haken Himmel und Erde). Die fünf Gebote der ersten Tafel stehen für die Liebe zu Gott, die fünf der zweiten Tafel für die Liebe zum Nächsten. Das 6. Gebot (nicht morden) ist das erste der zweiten Reihe; denn das ungerechtfertigte Wegnehmen des Rechts auf Leben widerspricht dem Liebesgebot am meisten und auch dem 1. Gebot, Gott als befreiendes Prinzip der Liebe und Einheit aller Menschen anzuerkennen. Das 7. Gebot (die Ehe nicht zu brechen) hat als Pendant das Verbot, sich ein „Bild“ von Gott zu machen, das vom Wesen getrennt ist: „Die Harmonie Mann – Frau läuft der Harmonie Wesen – Erscheinung parallel, und beide muss man ganz lassen. (…) Auch in Gedanken darf man nicht ‚ehebrechen’, und jede Wahrnehmung der Frau als nur äußeres Wesen ist eine Schändung des Daseinssinnes der Frau“ (Friedrich Weinreb, Schöpfung im Wort, 759). Das 8. Gebot (nicht stehlen) entspricht dem Gebot, Gottes Namen als Ausdruck der Harmonie der Einheit nicht zu missbrauchen; denn Stehlen „erzeugt eine Lüge, man zerbricht eine Einheit, eine Harmonie“ (760). Das 9. Gebot (kein falsches Zeugnis zu geben) hat als Entsprechung auf der ersten Tafel das Gebot, den 7. Tag/Sabbat zu halten. Denn das Gegenteil bedeutet, falsches Zeugnis vom Sinn der Welt zu geben, die Gott am 7. Tag zur Ruhe und Einheit mit ihm kommen lässt: „Unwahrheit bringt die Vielheit [der Entwicklung] gegenüber der ‚Eins’ der Wahrheit“ (763). Das 10. Gebot (des Anderen „Haus“/Frau nicht begehren) ist analog zum 5. Gebot, Vater und Mutter zu ehren, das heißt den vergangenen Ursprung nicht geringer als das Heute zu achten: „Das Prinzip dieses ‚fünften Wortes’ ist also das Gegenteil des Evolutionsprinzips“ (763), das die Entwicklung vom Ursprung und „Anfang“ weg immer weiter treibt. Die Haltung der Bibel lautet: „Wie es war im Anfang…“ Nur vom ‚Ersten Ursprung’ her gewinnt die Welt die Ordnungsprinzipien des Zusammenlebens in vollkommener Harmonie: Einheit des Bundes.

 

Warum ist der Regenbogen Bild des Bundes mit Gott?

Bild: Die Umweltschutzorganisation Greenpeace verwendet den siebenfarbigen Regenbogen als Symbol ihrer Flagge; die Schwulen- und Lesbenbewegung verwendet seit etwa 50 Jahren eine Flagge mit sechs, früher acht Farben: Pink steht für Sexualität, Rot für das irdische Leben, Orange für Heilung, Gelb für die Sonne, Grün für die Natur, Türkis für die Kunst, Blau für Harmonie und Lila für Spiritualität/Geist (pink und türkis sind entfallen). Der Regenbogen als Zeichen des Bundes mit Noah hat notwendig sieben Farben analog zu den sieben Schöpfungstagen; die erste Farbe rot symbolisiert den Körper, die alle sieben Spektralfarben enthaltende „achte Farbe“ weiß die Geist-Seele – griechische Mosaik-Ikone, Zypern (Foto: Heinz Dieter Müller).

 

 

 

 


Mit dem „gerechten“ Noach, der zehnten Generation nach Adam, schließt Gott den neuen Bund seiner Liebe, nachdem der erste Bund mit dem Menschen (Adam) im Sündenfall gebrochen wurde: „Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Bundeszeichen sein zwischen mir und der Erde“ (Gen 9,13). Der Regenbogen erscheint, wenn Sonne (Feuer) und Regen (Wasser) sich gleichsam vermählen. Der Sündenfall als Bilderdienst oder Götzendienst (Dienst am Äußeren) hat das Wesentliche (die Einheit) zum Verschwinden gebracht und die Vielheit zur Herrschaft (die schwule „Pride-Flag“ verherrlicht die Vielheit/Diversität der sexuellen Orientierungen: LGBTQ usw.). Die Erde war dadurch „verdorben; denn alle Wesen aus Fleisch lebten verdorben“ (Gen 6,12), was die Rabbinen als Ausdruck für sexuelle Unzucht verstehen. Das „Männliche“ (geistige Er-innerung) ist damit ebenfalls verschwunden, deshalb wurden nur noch „Töchter geboren“ (Gen 6,1), das heißt das Umhüllende ohne den einen Kern (die Feige als verbotene Frucht vom Baum der Erkenntnis hat viele kleine Kerne, aber keinen Kern: das Kernige, Wesentliche, „Männliche“ fehlt). Mit Noah, seinen drei Söhnen und ihren vier Frauen (Gen 7,7) werden „acht Menschen“ durch die Sintflut der vergänglichen Zeit in der Arche (hebr. teba = Wort) gerettet, was wie der „achte Tag“ der Knabenbeschneidung und der Auferstehung Jesu auf die jenseitige, kommende Welt hinweist (die in der Sintflut versinnbildete Taufe wurde in achteckigen Becken/Baptisterien gespendet, vgl. 1 Petr 3,20f). Der Name Noach (Trost, Ruhe: Gen 5,28) besteht aus den Komponenten Nun (50: 7 x 7 + 1) und Cheth (8). Mit der Aufdeckung der Blöße des weintrunkenen Vaters durch den zweiten Sohn Ham, der daraufhin verflucht wird wie die Schlange (Gen 9,21-25), wird auch der Regenbogen-Bund gebrochen. Nach dem schwarzen Raben kommt die weiße Taube mit dem frischen Olivenzweig (Gen 8,6-12); sie symbolisiert den Heiligen Geist als Bewegungen der Rückkehr zum Ursprung (symbolisiert im Taubenschlag) in der Er-innerung des wahren Vaters im Himmel.

 

Warum wählt Jesus die ehelose Lebensform?

Bild: Die kirchliche Zölibatsforderung für die Priester  hat ihren Grund nicht in „der Angst der Kirche vor der Sexualität“, die wiederum auf einem „archaischen Reinheitskult“ basiert, „den Jesus überwinden wollte“ und womit er einen „totalen Bruch“ vollzogen habe (Arnold Angenendt). Vielmehr hatte schon der eine Hohepriester, dessen Dienst im Bischofsamt fortlebt, im Allerheiligsten des Tempels in Jerusalem einmal im Jahr das eine (Tier-)Opfer darzubringen, dessen Sinn es ist, den menschlichen Körper „hinaufzubringen“ zur Höhe Gottes. Vom Hohepriester, der acht Kleidungs-Stücke trägt, aber heißt es, „dass ‚keri‘ [= Samen, Zufall, Unreinheit] bei ihm niemals vorkommen darf“, er „muss von der Fruchtbarkeit zur Erde hin abgeschlossen sein. Deshalb ist auch nie davon die Rede, dass der Erlöser Kinder hat“ (Friedrich Weinreb, Schöpfung im Wort, 717f) – der Hohepriester nimmt Maria als Kind in den Tempel auf, Cappella della Madonna della Strada, Jesuitenkriche Il Gesu in Rom.


Der Priesterzölibat wird mit der Ehelosigkeit Jesu begründet. Diese wiederum ist „der radikal-prophetische und später monastische Weg, Gott ähnlich zu werden“, der im Unterschied zumzwei-geschlechtlichen Menschen Einer ist (Klaus Berger, Ehe und Himmelreich, 2019, 10). Damit die Menschen wieder gottähnlich oder (erbsündbefreite) „Kinder Gottes“ sein können (1 Joh 3,2), müssen sie in der Taufe wiedergeboren werden im Heiligen Geist und so „eins“ sein in Christis (Gel 3,28). Ganz anders der „Heilsweg“ im Islam: Der „Prophet“ Mohammed genehmigte sich über die vier im Koran erlaubten Ehefrauen hinaus gleich dreimal so viele, darunter minderjährige Mädchen, weil es Allah offenbar nicht um die Ein-Ehe oder das „Ein-Fleisch-sein“ in Liebe geht (Gen 2,24; Mt 19,4f), sondern um die Durchsetzung seines Herrschaftswillens, wofür möglichst viele (männliche) Kinder als „Krieger“ am besten sorgen. Jesu Methode, den heiligen Willen seines himmlischen Vaters ganz zu erfüllen (Joh 4,34) und so seine kommende Herrschaft („Reich Gottes“) heraufzuführen, wo der Mensch wieder durch „Heiligkeit“ und „Gerechtigkeit“ ausgezeichnet ist (Weish 9,3; Eph 4,24), führt nicht über das Ausleben des Sexus, über Familiengründung oder über die Verbreitung des rechten „Glaubens“ mit dem Schwert, sondern allein über den Weg des Kreuzes: der vollkommenen Selbsthingabe als Opfergabe für Gott und die Menschen, als Gottesliebe bis zur „Selbstverdemütigung“, statt „Selbsterhöhung“ bis zur Gottverachtung (Phil 2,8f; Mt 23,12). So wird Jesus „der Erstgeborene von vielen Brüdern“ im Glauben (Röm 8,29) und zum Bräutigam der neuen, im Glauben geheiligten Kirche als reiner Braut, die ihm in der Kraft des Heiligen Geistes in der Taufe jungfräulich „Kinder Gottes“ und „Erben“ gebiert (Röm 8,21). Besiegelt mit dem Zeichen des Kreuzes treten sie in seine Nachfolge ein, so in der liebenden Hingabe in der Einehe (Eph 5,25-33), enger noch im freiwilligen Eheverzicht „um des Himmelreiches willen“ (Mt 19,12) und zur beständigen Feier der Eucharistie – als „Hochzeitsmahl des Lammes“ und Vorwegnahme des Himmels, in dem nicht geheiratet wird (Mt 22,30).

 

Warum will Jesus Umkehr und Buße?

Bild: In der orthodoxen Kirche ist das Beichten der Sünden noch gängige Praxis, in der katholischen Kirche seit „1968“ (Verbot der künstlichen Empfängnisregelung) nicht mehr: Viele Katholikinnen wollen sich nicht mehr in ihr Eheleben „hineinregieren“ lassen. Dabei schenkt Jesus an Ostern (Pfingsten) der Kirche den Heiligen Geist als Vollmacht zur Sündenvergebung, um die Gläubigen an seiner „vollkommenen Freude“ teilhaben zu lassen (Joh 15,11; 20,22f). Der Beichtstuhl erscheint manchen mehr als ein mit Nägeln gespickter Befragungsstuhl im Sinn mittelalterlicher Justiz zur Folterung des Beschuldigten, als ein Ort der Befreiung und Freude im Heiligen Geist, dessen Symbol oft über dem Sitz des Beichtvaters angebracht ist – Beichtstuhl in der einzigen von Friedrich II. von Hohenstaufen in Apulien errichteten Kathedrale Santa Maria Assunta in Altamura.

 


Die erste der 95 Thesen Luthers zum Handel mit Ablassbriefen lautet: „Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht ‚Tut Buße’ u. s. w. (Matth. 4,17), hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Buße sein soll.“ Buße bedeutet Reinigung und Befreiung von den Sünden, die von Gott trennen. Für Luther hatte die Einzelbeichte großen Nutzen. Sie wird aber begrenzt auf das Bekenntnis der Sünde und die Lossprechung durch den Priester. Abgelehnt wird die vollständige Aufzählung aller Sünden, weil dies die Gültigkeit der Vergebung unsicher gemacht hätte. Luther wollte ein „Beichten ohne Angst“ (vgl. Peter Zimmerling, Viva la Absolution, in: HK 6/19). Entscheidender als die Vollständigkeit ist die Reue. Es geht nicht einfach um „seelische Gesundheit“ (ebd. 24), wofür die Seelenärzte zuständig sind, sondern um die Wiederherstellung der gestörten Gottesbeziehung und so um die Wiedererlangung des Gnadenstandes der Heiligkeit. Jorge Mario Bergoglio erlebte als 17-Jähriger am 21. September 1954 in seiner Pfarrkirche San José de Flores, wie es ihn förmlich in den Beichtstuhl zog. Dort begegnete er einem Gott, der ihn „erwartet“ hat. Das versetzte ihn nicht nur in „maßloses Erstaunen“, er erfuhr auch den Blick „des Erbarmens und der Erwählung“ (miserando atque eligendo), was dann sein Wahlspruch als Bischof und Papst sein sollte. Entnommen ist er einer Predigt des Benediktiners Beda Venerabilis in der Tagzeitenliturgie für den 21. September: die unerwartete Berufung des Zöllners Matthäus zum Apostel und in die Nachfolge Jesu. „Denn ich bin gekommen, um die Sünder zu rufen, nicht die Gerechten“ (Mt 9,9.13). Leitworte des Papstes wurden neben Barmherzigkeit und Einfachheit die Freude des Heiligen Geistes (vgl. Lk 15,32). Den (schein-)heiligen und (schein-)gerechten „Pharisäern“ aller Zeiten fällt der Glaube an die ‚Heilkunst’ der im geistigen Sinn auch schmerzvollen Sünden-Reue des Sündenbekenntnisses schwer. Welch befreiende Kraft die Beichte haben kann, zeigt das Beispiel der ehemaligen Prostituierten Anna Schreiber: „Als der Geistliche das Ego te absolvo sprach, hätte ich ihn umarmen mögen vor lauter Glück, das mich plötzlich durchfuhr“ („Körper sucht Seele“, 2019, 218; vgl. den Blog dazu).

 

Warum lehrt Jesus nur ein Gebet?

Bild: Die fünf klugen Jungfrauen gehen mit ihren brennenden Öl-Lampen als Symbol eines geläuterten Herzens und ihres im Heiligen Geist sehnsüchtig die Rückkehr des himmlischen Bräutigams erwartenden Glaubens Ihm in Liebe entgegen; die fünf törichten Jungfrauen dagegen haben nicht mehr das Öl des Heiligen Geistes (Mt 25,1-13); so büßen sie Glaube, Hoffnung und Liebe ein in einem „verweltlichten“ Leben ohne geöffneten Himmel über sich – Fresko in der mittleren der drei Apsiden im Osten der Burgkapelle Hocheppan (12. Jh.) auf einer Felswand nahe Bozen, wo die Wehrburg in den Himmel aufragt.

 


Das „Vaterunser“ in der Fassung der Bergpredigt bei Matthäus (6,9-13) hat sieben Bitten, wovon sich die ersten drei direkt auf Gottes Ehre und Herrschaft, die letzten vier auf das christliche Leben in der Welt beziehen (in Lk 11,2-4 fehlen erste und letzte Bitte). Die benediktinische Formel „ora et lobora“ rückt Gebet und Arbeit ins rechte Verhältnis: zuerst der Dienst Gottes, dann der Dienst für den Lebensunterhalt. In der Epoche der Aufklärung lässt man das „Gebet“ wegfallen, die „Arbeit“ wird dafür verabsolutiert: bei Hegel die „Arbeit am Begriff“, bei Marx die revolutionäre Umwälzung aller Verhältnisses durch die „Arbeiterklasse“. Arbeit, Wissenschaft und Technik sollen jetzt das Paradies auf Erden heraufführen, was kein Bitten um das „Kommen des Gottesreiches“ je geschafft hat. Das Dunkle und Böse im Menschen wird als beherrschbar betrachtet durch das Licht der Vernunft, das in der Umbruchszeit von Aufklärung („Jahrhundert des Lichts“) und Industrialisierung heller als je zuvor strahlte. 1879 erfand der Amerikaner Alva Thomas Edison die Glühbirne; sie wurde „ein ikonographisches Symbol für ‚Idee’, ‚Erleuchtung’ usw. Besonders aufgeschlossen für die Neuerung waren die Betreiber von Theatern“ (Wikipedia). Jesus schenkt seinen Jüngern keine technische Erfindung des Lichts, sondern das wahre Licht des Glaubens oder den Geist der Wahrheit: „Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten“ (Lk 11,13). In allen sieben Bitten des Vaterunsers wird um die eine Gabe des Geistes gebeten; denn er ist es, durch den Gottes heiliger Name verherrlicht wird, Gottes Herrschaft kommt und sein Wille geschieht. Mit dem „täglichen Brot“ ist nicht das Produkt des Bäckers gemeint, das man ja kaufen kann, sondern das „überwesentliche“, „himmlische“ Brot als Hinweis auf die Eucharistie. Die „Versuchung“ ist die Erprobung des Glaubens wie bei Adam im Paradies (Gen 3), Abraham (Gen 22) und Jesus (Mt 4,1-11). Durch den Finger und das Feuer des erbetenen Geistes treibt Jesus die Teufel aus (Lk 11,20) und erlöst so von dem Bösen.

 

 

Warum wird nur Eva von der Schlange versucht

Bild: Die Urschlange repräsentiert in der Bibel die ‚anderen Elohim‘ (Götter) Ägyptens als Symbol der (gefallenen) Welt, „weshalb jeder Kampf zwischen JHWH und den ‚anderen Elohim‘ wie z. B. in Ägypten mit dem Versuch zur Beherrschung der ‚Schlange‘ beginnen muss“ (Oskar Goldberg). Auch das Pferd, hebr. sus (60-6-60), ist das „Tier Ägyptens“. Die „600 Streitwagen“ des Pharao (Ex 14,7) verfolgen die „600.000 Mann“ (Ex 12,37) Israels. Die Schlange im Paradies ist die Versuchung zum „Dienst am Äußeren“ als Vergötzung des Irdischen – Eva spricht mit der ihr ähnlichen Schlange, während Adam sich im Gebet dem dreieinen Gott im Himmel zuwendet, Basilika Santa Caterina di Alessandria, Galatina/Südapulien.

 


Adam, der als erster von Gott aus dem Staub der Adamah (Erdmutter) durch Anhauch seines Feuer-Atems (Geist) erschaffen wird (Gen 2,7), benennt alle Tiere mit Namen als Ausdruck seiner königlichen Herrschaft. Die aus seiner „Rippe“ von Gott erbaute Frau begrüßt er als „Fleisch von meinem Fleisch“ und gibt ihr den Namen „Frau“ (hebr. ischa) und „Mutter aller Lebendigen“ (Gen 2,23; 3,20). Der „Mann“ (hebr. isch) hat es mit dem „Bruder Feuer“ (hebr. esch) und Sol (Sonne) zu tun, die Frau mit „Schwester Wasser“ (hebr. majim) und Luna. Die „Urflut“ (Gen 1,2) erinnert an die Chaosschlange in den Schöpfungsmythen; im Alten Ägypten wurde die Apophis-Schlange wie eine horizontale Wellenbewegung dargestellt. Über dem „Wasser“ schwebt der „Geist Gottes“: Ruach Elohim, 200-6-8 1-30-5-10-40 = 300. Der Zahlenwert 300 ist der des vorletzten Buchstabens Schin, der die Form von drei lebendigen Flammen hat (ש) und auch „Feuer“ bedeutet. Feuer und Wasser, Sonne und Mond (die „Rippe“ symbolisiert die Mondsichel), das Männliche und das Weibliche, Geist und Materie (von lat. mater) sind die die Schöpfung konstituierenden Gegensätze. Der jüdische Exeget Philo von Alexandrien (+ um 40 n. Chr.) identifiziert Eva mit der Sinnlichkeit und Adam mit der Vernunft (für Platon war die Sonne Bild der höchsten Idee). Die Schlange als Symbol der (chaotischen) Triebnatur wendet sich deshalb nur an Eva, während Adam erst über seine „Frau“ (äußere Erscheinung, Körper, Sinnlichkeit) damit konfrontiert wird, vom verbotenen Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu essen, der dem Baum des ewigen Lebens gegenübersteht wie der Mond der Sonne. Martin Luther deutet in seiner Genesisvorlesung (1535/38) zwar zutreffend Adam von der Sonne und Eva vom Mond her; doch versteht er dies buchstäblich-historisch: „Denn gleichwie die Sonne ein herrlicher und edler Geschöpf ist, denn der Mond (…): so war das Weib an der Ehre und Würde dem Mann auch nicht gleich, ob es gleich ein sehr schönes Werk Gottes war“. Die listige Satanschlange habe sich deshalb auch direkt an Eva und nicht an Adam herangemacht; denn wenn „der Teufel Adam erstlich hätte versucht und angegriffen, würde Adam gewonnen haben“. In Wahrheit sind Adam und Eva eine Person.